Politiker und der ganz normale Wahnsinn

(Last Updated On: 30. Juli 2008)
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Quelle des Fotos

Heute nahm ein leicht angeheiterter Herr in der U-Bahn mir gegenüber Platz, sah mich an und lallte in einem Monolog vor sich hin: „Ein Wahnsinn, zuerst ist das Parlament geschlossen wegen der Europameisterschaft, obwohl wir eh net Fußball spielen können, dann ist Sommerpause und dann kommen die sinnlosen, teuren Neuwahlen. Wen sollst den wählen?“ Ich gab ihm keine Antwort, aber das störte ihn nicht und er setzte fort: „sind doch eh eine Bagasch. Einer egoistischer und opportunistischer wie der andere. Wer braucht den die Wahlen und wer will sie den. Wo bleibt den mein Veltliner? So eine faule Bagasch und dafür kassieren sie Unsummen. Dann geht’s munter weiter die Regierung wird aufgelöst und die neue angelobt. Dabei wird das ganze Jahr nix gearbeitet und viel kassiert. Aber der Hammer ist ja, das wenn sie dann doch irgend wann einmal arbeiten, könnte die Arbeit wegen des Klubzwangs (er hat wirklich „des Klubzwangs“ und nicht „dem Klubzwang“ gesagt, wundere ich mich) auch von sprechenden Puppen erledigt werden und die sind billiger. Wenn man sie auf den Bauch dreht, sagt’s „ja“ und auf dem Rücken „nein“. Das genügt ja, mehr dürfen unsere Politiker doch auch nicht und ob „ja“ oder „nein“ können sie sich auch nicht aussuchen. Meine Herren und was des alles kostet, wer soll das bezahlen? Na wo sind wir den eigentlich? Ich wollte doch noch kurz nach Nußdorf auf ein Achterl.“
Ich dachte mir, der hat doch eh schon genug und mir viel der Spruch ein: „Besoffenen sagen oft die Wahrheit“ und ergänzte in Gedanken, „ihre Wahrheit“ und oft ist sie schwer verständlich.
😉

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0 Gedanken zu „Politiker und der ganz normale Wahnsinn“

  1. Lieber Steffen,
    Danke dir für den ausführlichen Kommentar und die Wortspiele. Sie sind dir nicht nur gegönnt, sondern erfreuen mich immer wieder. Obwohl ich dich als Optimist kenne bist du anscheinend bezüglich moderner Demokratie nicht sehr zuversichtlich.
    Ich glaube aber, dass es sich sogar in Politikerkreisen schon herumgesprochen hat, dass sinnvolle „richtige“ Entscheidungen nur mit ausreichender Hintergrundinformation getroffen werden können. Beim heutigen Spezialisierungsgrad kann ein einzelner Mensch wirklich nur in einem sehr kleinen Bereich ausreichende Kenntnisse haben und nur mittels moderner Kommunikationstechnologie kann dies anderen Bevölkerungsteilen (herrlich) vermittelt werden. Wer (temporäres) Interesse zeigt, (wie bei einem Artikel auf Yigg, Digg und Co) kann seinen Kommentar abgeben und bekommt meist weitere Information. Eine Diskussion entsteht und wenn die mit einer abschließenden Abstimmung (ehemaliger Spekulatius von Yigg hätte sich da gut geeignet) dann auch noch ein messbares Ergebnis erzielt werden könnte, böte das eine gute Voraussetzung für eine verbindliche Abstimmung. Die Aufgabe der Politiker würde sich damit auf die ureigentliche beschränken, nämlich Administration und als Diener des Volkes könnten sie deren Entscheidungen umsetzen, bzw. den gesamten Ablauf, angefangen von der Problemaufbereitung, Informationsbereitstellung, Diskussionsmoderation, Abstimmung, Gestaltung der öffentlichen Auftragsvergabe für die Umsetzung usw. administrieren und moderieren. So kämen wir erstmals zu Minister im wahrsten Sinne des Wortes und zu einer echten Demokratie.
    Früher habe ich gerne überspitzt von einer totalen Demokratie gesprochen, aber total hat einen total totalitären Beigeschmack und ist vermutlich bei einem großen Gesellschaftsanteil negativ besetzt.

  2. Die Frage, wie man breite Bevölkerungsteile (das Wortspiel sei mir als Cannabisaktivisten gegönnt) zur politischen Mitarbeit motivieren kann, bereitet mir auch manch schlaflose Nacht.
    Ich fürchte jedoch, dass Schritte in diese Richtung nicht im Interesse der Politiker-Kaste sind und von dieser deshalb untergraben werden. In Germanien wird da als Totschlagargument schnell mal an die Plebiszitfreudigkeit der Weimarer Republik erinnert. Fast immer meinen die Damen und Herren Entscheider damit – Ihr seid doch eh zu doof um richtig zu entscheiden.

    Dazu kommt, dass elektronische Entscheidungsfindung (E-Government) für meinen Geschmack zu manipulationsanfällig ist.
    Jede hinreichend entwickelte Technologie erscheint ihren Nutzern wie Magie. Und wenn ich so ins Land der Dichter und Denker schaue, ist ein Großteil ja schon mit Demokratie per Stift und Zettel überfordert…

    Mein Leid mit der kaum zu überspringenden Wahrnehmungshürde des deutschen Michel (wie ist da eigentlich das österreichische Äquivalent?), insbesondere in seiner berauschten Ausgabe, behalte ich mal lieber für mich. Schliesslich ist am Samstag Hanfparade und da muss ich ja motiviert aus der Wäsche gucken 😉

  3. @UsualRedAnt Er hat er nach billigem Mundwasser gerochen, aber seine Fahne war erträglich. Außerdem hat er mir den Eindruck gemacht, als wäre er direkt von einer parlamentarischen Sitzung zum Heurigen gefahren und hat dort seinen Frust im Wein ertränkt.
    Wenn ich mich mit solchen Personen auf ein „Gespräch“ einlasse (normalerweise mache ich das nicht, da ich es für sinnlos halte; der hätte zuerst seinen Rausch ausschlafen müssen), stimme ich prinzipiell vorerst einmal zu, sonst kann man so einen weggetretenen Fantasten ja überhaupt nicht erreichen. Langsam aber sicher, bringe ich dann meine Meinung ein und sage vorsichtig was ich zu sagen habe. In der gestrigen Situation wäre das aber kaum möglich gewesen, denn der hat mich ja nicht einmal wahr genommen.
    Bezüglich Demokratie kann ich nur sagen, ich kenne kaum etwas, was so alt ist und so wenig weiter entwickelt und verbessert wurde wie die Demokratie. Die heutigen Kommunikationsmittel würden eine echte Demokratie (Macht liegt beim gesamten Volk) ermöglichen, aber leider ist der Anlass zum Gestammel des betrunkenen Herrn nicht ganz zu leugnen. Ich denke wer für die Demokratie ist, sollte unbedingt „weiß“ wählen und sich für „unmittelbare Demokratie“ mittels elektronischer Hilfsmittel einsetzen.

  4. Vielen Dank! Mal wieder ein gelungener Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele. Würde mich interessieren, wie der Herr gerochen hat…

    Ich kann mich ja leider in solchen Situationen meist nicht vornehm zurückhalten und versuche die Skeptiker davon zu überzeugen, dass es dennoch lohnt, sich mit Politik zu beschäftigen.

    Freiheit nutzt sich ab, wenn man sie nicht nutzt. Und noch gilt: Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, abgesehen von allen anderen.

    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen

    UsualRedAnts last blog post..Wer steckt hinter der Hanfparade?

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