Zur ‚Grand Master Huang Sheng Shyan Push Hands Demo‘

Die Kommentare zu den Videos finde ich ebenfalls recht interessant

und

Ich habe von Huang Sheng Shyan bzw. Meister Huang Xingxian (1910-1992) nur im Shambhala gehört und ich bin überzeugt, dass er hervorragende Fähigkeiten hatte. Allerdings ist die Darstellung absolut nicht gut gelungen, sonst würde es nicht fast jeder für einen Fake, also für einen Schwindel halten. Darüber hinaus bin ich nicht unbedigt ein Fan von solchen Darbietungen, denn in dem Video kommt unzählige male vor, dass der Schüler nicht angreift und trotzdem fliegt er durch die Gegend. Für mich ist das weniger Tui Shou oder klebende Hände, denn ein Folgen usw. sehe ich überhaupt nicht, sondern eher eine Chi und Fajin Demonstration. Ein Klaps mit der flachen Hand auf den Kopf und der Schüler bricht zusammen, das ist nicht gerade das, was ich mir unter einem Yin-Yang-Spiel verbundener Zentren vorstelle. Wenn das push hands ist, wie sähen dann erst die SV-Anwendungen aus? Würde man dann womöglich feststellen, dass Blicke doch töten können? Naja, beim der sogenannten push hands demo lacht Meister Huang jedenfalls, wenn seine Schüler herum purzeln. 😉
Cheng Man Ching spricht mich besser an, z. B. Cheng Man Ching Push Hands Instruction, aber auch Überlegungen, wie Cheng Man Ching san sau 鄭曼青散手 finde ich interessant. Auch hier gibt es wieder sehr viele Kommentare, die mir teilweise etwas atypisch emotional für Taijiquan-Interessierte vorkommen.

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4 Gedanken zu „Zur ‚Grand Master Huang Sheng Shyan Push Hands Demo‘“

  1. Das kann ich sehr gut verstehen und hatte bei mir schon mal gedacht, ob Du nicht zu früh auf zu vielen Hochzeiten tanzt.

    Grundsätzlich ist in meiner Erfahrung Chen-Stil auch besser für (gesunde oder jüngere) Anfänger geeignet. Die Athletik spricht viele direkter an, die fehlende Fitness und Elastizität wird schneller aufgebaut, das Spiralprinzip, die Übungen zum Abhaspeln des Seidenfadens vom Kokon (so übersetze ich dies, lol!) sind sicher einfacher greifbar, umzusetzen und zu trainieren.

    Yang gilt ja als Weiterentwicklung des Chen, und Wu des Yang. Ob ich den Stil auch noch mal lernen sollte? Hier in Taiwan weniger vertreten, daher unwahrscheinlich. Alles Gongfu aus dem Öffnungs-Schließ-Prinzip des Yang herauszutrainieren, ist jedenfalls wirklich schwierig. Klar, Volkshochschulen Yang lernt sich schnell, ohne große Anstrengung, echtes Yang aber ist wesentlich komplexer als Chen.

    Was die 4 Buddha-Wächter anbelangt, begeistern mich deren Kommerz-Unternehmungen (zuletzt im chin. TV als saturday night show inszeniert) nicht besonders. 2 der 4 kenne ich auch persönlich, war jetzt nicht gearde vom Hocker gestoßen und kenne genügend andere Lehrer, die ähnliche Qualitäten oder gar bessere haben. Natürlich sind sie weit besser als wir das je schaffen werden, als Laien-Adepten, mit spätem Anfang und 1/4-Beschäftigung bei mir.

    Die Streitereien innerhalb des Yang sind ebenso bedenklich, aber der Stil kam halt doch früher an die Öffentlichkeit, sehr viele Linien sind im Westen noch gar nicht bekannt, ZMQ, 24er Beijing oder Yang Zhenduo, das war es dann wohl auch schon. Seit neuestem gibt es dann noch Shaohou in 2 Varianten aus Hkk, aber die Yang Banhou, Yang Jianhou-Linien sind kaum vertreten und Yang Zhengfu-Zeugs wird auch meist nicht-martial geübt.

    Letztlich ist der Stil meines Erachtens aber eh nicht entscheidend, es ist die persönliche Konsequenz und der Lehrer (die hier natürlich alle nach Nachwuchs ringen und Westler besonders gern aufnehmen). Also liegt Erfolg allein in meinen Händen, und vielleicht ist es bei Dir in Austria auch nicht viel anders.

    Ob das Chen-Dorf unbedingt notwendig ist, lassen wir mal dahin gestellt. 4 Wochen sind auch begrenzt, und selbst Dein Lehrer fährt als Lehrer 3 Monate, baut auf guten Grundlagen auf und doch braucht es so viel Zeit. Lerne doch einfach mal das, was er so drauf hat, und wenn Du ihn wirklich übertreffen kannst, dann wird er Dich von selbst wonaders hin schicken.

    Also, fleißig und konsequent, nicht 1 Monat oder 3 Monate, sondern die Jahre machen’s. Der Spaß darf auch nicht zukurz kommen, ebenso wie Familie, Freunde und andere Interessen. Man muss die Übungen in den Alltag, ins normale Leben reinbringen, nicht kurzfristig überreizen und dann abschlaffen….
    Schöne Grüße

    1. Ich habe wirklich Glück und verstehe es irgendwie nicht ganz, wieso ich von dir immer wieder so viele überaus wertvolle Ratschläge bekomme und du mir so viel Zeit schenkst. Auch wenn ich nicht weiß womit ich das verdient habe, nehme ich sie jedenfalls gerne mit aufrichtigen und hezlichen Dank an.

      Den Übereifer habe ich schon abgestellt, denn ich möchte mich an Taijiquan ja noch viele Jahre freuen und außerdem ohnehin immer mehr in den Alltag integrieren, wie du unten schreibst und mir auch mein Chen Lehrer empfiehlt. Dazu bekomme ich auch immer wieder ganz nützliche Tipps. Wenn man es geschickt macht, kann man nahzu täglich den ganzen Tag, oder zumindest bei vielen Gelegenheiten, üben und nicht nur in den Kursen und zu den Übungszeiten auf meiner Wiese.

      Mit Chen und Yang ist es genau wie du sagst und ich verstehe es durch deine Worte noch besser, was ich schon vermutet hatte. Daher werde ich in den nächsten Jahren „nur“ fleißig Chen Stil üben und jeden zweiten Tag auch einmal die 37er CMC-Form einbauen. Ich habe vor, das für ein, zwei Jahre zu praktizieren und dann werde ich meinem Yang Lehrer die Form wieder zur Korrektur vorführen. Bin gespannt, ob er sie dann noch als solche erkennt.

      Notwendig ist das Chendorf bestimmt nicht, aber der Vorsatz ist eine gute zusätzliche Motivation, wenn mich das Üben einmal nicht so freut. Ausserdem zählt da ja auch das ganze Drumherum, die Leute und die Kultur…. Ich meine, jeder Klavierschüler muss fast nach Salzburg und Wien kommen und die ganzen Mozart- und Beethovenhäuser besuchen und ich träumte bis jetzt fast immer von Urlaub am Meer, habe aber nur einen erlebt und jetzt träume ich eben von Chenjiagou.
      Deshalb habe ich sicher nicht vor, meine Lehrer übertreffen zu wollen. Auch beim Tui Shou messe ich mich nicht mit den Partnern, sondern ich versuche die Grenzen meines Raumes und das Zentrum des Anderen zu finden. Also ganz ehrlich gesagt, versuche ich meist überhaupt mein eigenes Zentrum zu finden und verzweifle fast jedes mal, weil ich verkrampfe beim Sinken und meine Energie immer wieder mit Gewalt aus den Schulten und dem Oberkörper nach unten drücken will. Ich kann einfach nicht loslassen. Herz und Hirn sagt mir, es macht nichts, wenn du verlierst, entspanne dich, lass los, sinken, öffnen, weich bleiben, aber mein Körper und meine Reflexe spielen einfach nicht mit – wuups und ich bin oben, verkrampft und gehe mit Gewalt dagegen. Manchmal frage ich mich, ob das wirklich wahr sein kann, dass ich so ein einfaches Vorhaben nicht umsetzten kann. Es ist faszinierend, frustrierend und unfassbar gleichzeitig, dass mir mein Körper einfach nicht gehorchen will. Ich glaube immer wieder das ich es jetzt kapiert habe, glaube es genau zu fühlen und kaum kommt ein bisschen ein Druck ist alles weg und ich reagiere, als hätte ich noch nie von TCC gehört.

      Ich möchte dir noch einmal für deine Hinweise und Ratschläge danken und wünsche dir alles Gute und viele, schöne TCC-Erfahrungen.
      Servus aus Wien

  2. Ich weiß echt auch nicht, was ich von solchen Vids halten soll. Ich weiß nicht mal, wie ich den alte Huang einschätzen soll. Als ich ihn das 1. Mal bei meinem Lehrer, Meister Song Zhijian, traf (1984/5), war ich so ein Grünschnabel, dass die beiden wieder vereinten Freund sich nicht mehr um uns Youngsters um sie rum kümmerten. Das 2. Mal, ca. 1989, ging Huang schon am Stock und eine Vorführung im Sitzen kam mir aus 10m Entfernung auch völlig gefaked vor. Und trotzdem hat ihn mein Meister in höchsten Tönen gelobt, von Song wusste ich aber aus direktem Kontakt, was er mit uns machen konnte. Es müsste demnach nach meiner Logik ein toller Meister gewesen sein, und ich werde das wohl wegen meiner Jugend nicht gesehen, gespürt, verstanden haben.
    Nun, beide sind längst nicht mehr unter uns, wir mühen uns auf unteren Levels ab, und die Erinnerung verblasst. Es werden zunehmend weniger, die so luftig, bergig, unergründbar sind. Was ich etwa bei zweien der vier Buddhawächter gespürt habe, war ganz was anders, im Vergleich richtig grob und hartes Gongfu.
    Und obwohl ich die Athletik im Chen auch mag, so strebe ich doch noch nach was anderem, was es auch immer sein mag und ob ich es jemals realisieren werde, ist ebenso völlig ungewiß.

    1. Hallo taiwandeutscher,
      Ich danke dir recht herzlich für deine Meinung. Deine Kommentar ist mir wirklich sehr viel wert. Du bist schon so eine Art guter Taijigeist für mich und ich staune immer wieder über deine Erfahrungen.
      Ich konzentriere mich jetzt einmal völlig auf Chen, denn es hat mir schon einen neuen, wichtigen Zugang gebracht. Ich sehe (eigentlich ist es mehr ein fühlen) einen Weg, der mich weiter bringen kann. Auf meinem Level ist das nich so schwer, aber trotzdem möchte ich nicht 10 Jahre täglich üben und dann feststellen, dass ich nur seltsame Gymnastik betrieben habe. Mit den Spiralbahnen und dem Konzept der stehenden Säule, in der sich schon unglaublich viel verwirklichen lässt, weiß ich jetzt endlich wirklich, was mit „Zentrum“ gemeint ist. Und im anschließenden Chansigong kann ich mich sogar schon bewegen und dabei habe ich immer das Gefühl, dass ich mich sicher in meinem Raum bewege. Bis vor kurzem bin ich mir immer unten leer vorgekommen und wurde bei den kleinsten Bewegungen schon unsicher. Jetzt bewege ich mich in so einem Fall nicht mehr und ich bin jeden Augenblick vom Beginn bis zum Ende der Anfängerform sicher. Das hängt auch stark von dem tiefen Stand ab und der wesentlich besseren Beweglichkeit, die ich durch die ausführlichen Dehnungsübungen in den letzten Monaten bekam. Ich hatte vorher einfach zu viel gemacht und zuviele verschiedene Richtungen, es wurde sogar schon stressig und das ist ja sicher nicht Sinn der Sache. In den nächsten Jahren gibt es für mich nur mehr Chen Stil (aktiv zumindest), da es mir auch gesundheitlich am meisten bringt. Baihequan, Yang Stil (CMC) und Chen Stil war mir zuviel. Tanglang war überhaupt eine Katastrofe für mich, obwohl es mir gut gefällt, der Lehrer ist auch gut und ich würde es schon gerne können wollen, aber es geht einfach nicht. Ich kann nicht auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen.

      Ein weiteres Argument für Chen ist für mich, dass ich niemals auf ein Neveau eines großen Meistern, wie es z.B. deine Lehrer waren, die du persönlich gesehen ud gekannt hast, kommen werde und in den unteren Levels, da bringt mir schon alleine vom Öffnen der Gelenke und von der Dehnung und dem tiefen Stand her, der Chen Sitl einfach mehr.

      Als letztes Argument möchte ich noch anführen, dass es im Yang Stil einfach zu viele Abspaltungen und Einflüsse gibt und kaum natürliche Autorithäten oder ich sollte besser sagen, kaum lebende Meister, zu denen alle Lehrer aufschauen. Im Chen Sitl ist das relativ einfach, denn die haben ihr Chenjiagou. Mein Lehrer fährt gerade wieder 3 Monate hin und ich wünschte, ich könnte das auch. Mein Leben erlaubt das nicht, ich kann dafür täglich auf die Wiese gehen und in 2 bis 3 Jahren werden sich auch für mich 4 Wochen Chenjiagou einrichten lassen. Du wirst das bestimmt soch kennen, vermute ich.

      Noch ein Wort zu den Videos, ich gibt auch Demos von Chen Xiaowang (er puscht eine ganze Menschenschlange), den ich überaus verehre, die ich trotzdem relativ unnötig finde. Es verführt Leute zu glauben, dass man mit Taiji übernatürliche Kräfte erlangen kann. Die fangen dann Taiji an und wundern sich, sobald sie die Pekingform können, dass sie noch nocht über diese Kräfte verfügen, also machen sich noch einen Kurs und werden Lehrer, die dann auf der Volkshochschule usw. Yang Stil Taiji als „Kampfsport“ anbieten und den Ablauf der Pekingform unterrichten. LOL

      PS: Ich bin auf das Video gekommen, weil Niki im Shambhala jetzt eine neue Form mit 77 Figuren unterrichtet, die angeblich von Meister Huang stammt. Sicher interessant, aber ich habe es oben schon gesagt, ich möchte mich ganz auf einen Stil konzentrieren.

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