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Tagebucheintrag – Weihnachtspanik

Ganz im Sinne der Erfindung benutze ich heute mein Blog einmal für einen Tagebucheintrag.
Besondere Begebenheiten: Erstens bin ich soeben erfolgreich einer Dachlawine ausgewichen und zweitens habe ich heute meine Weihnachtspanik vielleicht wieder etwas besser in den Griff bekommen.
ad 1) keine weiteren Anmerkungen – ich war einfach schnell
ad 2) Seit Jahrzehnten habe ich eine Weihnachtspanik, die manchmal etwas heftiger und in manchen Jahren etwas milder ausfällt. Meist kündigt sie sich durch ähnliche Albträume an, wie den, den ich vorige Woche (heuer bin ich früh dran) hatte.

Ich sehe mich in eine wunderbare Landschaft laufen. Vor mir ausgedehnte Wiesen in saftigem Grün und ganz weit hinten die Berge. Zu diesen Bergen möchte ich laufen, aber es wird anstrengend, anstrengender und schließlich ganz mühsam und ich komme nicht voran. Ich blicke zur Seite und bemerke entsetzt, dass ich mich nach rückwärts bewege. Ich blicke verzweifelt zu meinen Füßen auf den Boden und sehe, dass ich auf einem Laufband laufe, welches auf Rädern in die andere Richtung, also zurück rollt. Verblüfft bleibe ich stehen – stürze und wache auf.

Solche Träume, kurz vor Weihnachten, deuten meist auf eine sich anbahnende Weihnachtspanik hin. Manchmal, wie voriges Jahr zum Beispiel, bleibt mir die Weihnachtspanik überhaupt erspart. Heuer hat sie sich leider schon vorige Woche mit dem oben angeführten Traum angekündigt. Daher schreibe ich auch sehr viel, in den letzten Tagen, denn das hilft einigermaßen. Ich bekomme die Gedanken aus dem Kopf, wenn ich sie aufschreibe. Gereiztheit, Übelkeit, Schwindel und Angst in bestimmten Menschenansammlungen sind die Symptome, die mir dann mehr oder weniger den Advent vermiesen. Bei diversen Veranstaltungen habe ich mit Menschenmassen kein Problem, obwohl ich sie seit Jahren auch schon meide. Aber nicht aus Angst, sondern weil ich mich an ruhigen, schönen Orten ohne Rummel und Action einfach wohler fühle.
Heute bekam ich im Gedränge der U-Bahn schon keine Luft, dafür aber ein mulmiges Gefühl und leichter Schwindel machte sich bemerkbar. Die Gedanken kamen und gingen immer schneller und ich war froh, als ich am Ziel endlich aussteigen, bzw. mich irgendwie hinaus wursteln konnte, obwohl sich beim Öffnen der Tür die Einsteigenden schon herein drängten, als gäbe es in diesem Waggon ein kostenloses Weihnachtsgeschenk. Auf der Mariahilfer Straße wurde es dann wirklich entsetzlich. Unzählige Menschen, Weihnachtsstände, blinkende Werbungen, Musik, Punsch und ein Rummel, als wäre die ganze Straße ein Weihnachtsmarkt. Bei Veranstaltungen verhalten sich die meisten Menschen recht ähnlich und die zähle ich als einen und richte meine Aufmerksamkeit nur auf diejenigen, die sich irgendwie auffällig in dieser Menge verhalten. Aber bei Weihnachtseinkäufern bin ich total überfordert, denn alle verhalten sich seltsam und mir kommt es so vor, als wäre ich ein Fremder, ein anderes Wesen, der nicht hier her gehört. Ich bekomme nicht mit, ob jemand freundlich, unfreundlich oder gar gefährlich wirkt, weil mich zu viele bedrängen und schon sind sie vorbei. Plötzlich schaut mir ein Weihnachtsmann mit lautem hohoho in die Augen und hat seine Nase ein paar Zentimeter vor meiner. Ich könnte schreien und davon laufen, wenn ich könnte, denn man kommt nicht durch. Es gibt keinen freien Fluchtweg. Das Schwindelgefühl wird stärker und ich bekomme Angst in Ohnmacht zu fallen, um dann von der Packerlhorde womöglich zertrampelt zu werden. Die bekommen dich in ihrem Kaufrausch doch gar nicht mit, denke ich mir und überlege, ob ich jetzt wirklich zum Taijiquan-Training gehen kann, oder ob es vernünftiger wäre, schnell nach Hause zu flüchten, mich ins Bett zu verkriechen und abzuwarten, bis der Wahnsinn vorbei ist. Ich entschied mich trotzdem für das Training und nach 15 Minuten war ich wieder halbwegs in Ordnung. Nach dem Training war ich völlig fit, habe viel dazu gelernt und die inzwischen etwas gelichtete Menschenmenge störte mich überhaupt nicht mehr. Ich konnte am Weg nach Hause sogar schon einen entgegen kommenden, gehetzt wirkenden Vielpackerlträger zulächeln. Doch auf der Rolltrepe zur U-Bahn drängt sich auf den letzten Stufen noch eine Dame vorbei und rempelt mich heftig an, weil sie es offenbar sehr eilig hat, obwohl kein Zug in der Station war und auch keiner einfuhr. Plötzlich bleibt sie stehen und versperrt mir den Weg. Ich musste näher an sie heran, um an ihr vorbei zu kommen und hinten drängten schon andere nach. Da drehte sie sich auf einmal um und blickte mich an, als müsste sie ihr Leben gegen mich verteidigen. Mit sanftmütigen Lächeln, dezent natürlich, denn die geringste Überteibung hätte sie womöglich noch provoziert, machte ich mich so dünn wie möglich und drückte mich auch so unauffällig wie nur möglich an ihr vorbei. Schlenderte dann ganz unbeteiligt ohne mich umzusehen bis ans andere Ende der Station. Ende gut, alles gut – vielleicht habe ich es für dieses Jahr schon wieder überstanden, aber zur Sicherheit meide ich trotzdem die beliebten Einkaufsstraßen und Weihnachtsmärkte, wann immer es mir möglich ist.

Was ich nachsehen musste:
schwindelig
Kommasetzung bzw. Kommaregeln
Präpositionen mit Dativ canoo.net ist eben genial 😉
woxikon

Bildquelle: hpyworld.blogspot.com

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Ist mein PC der bessere Psychiater?

Ja, manch einer muss vielleicht wegen der Kiste Hilfe beim Psychiater suchen, aber der Trend scheint sich eher in die andere Richtung zu entwickeln.
Auf der E-Couch kann man sich völlig anonym seelische Unterstützung holen, 24 Stunden am Tag und ohne Kosten.
Auf Depression spezialisiert gibt es das Programm Beating the Blues, für Phobien, Panik und Angsterkrankungen FearFighter. Weitere finden Sie auf CCBT- Computer-aided Cognitive Behavioural Therapy

Ist mein PC der bessere Psychiater?
Ja, virtuelle Therapie ist besser (22%, 2 Votes)
Möglich, kann mich nicht entscheiden (22%, 2 Votes)
Nein, ein Therapeut kann nicht ersetzt werden (56%, 1 Votes)
Total Voters: 9
Start Date: 22. Dezember 2008 @ 07:31

Umfrage neu eröffnet am 21.03.14

Ist mein PC der bessere Psychiater?

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Falls jemand mit „ja“ gestimmt hat, kann er gerne meine adaxana konsultieren. 😉
Krankenkassen werden die virtuelle Therapie bald schätzen lernen, nehme ich an, denn sie ist jedenfalls billig.
Nun, bei meinem letzten Arztbesuch hat mir dieser auch nur höflichkeitshalber ganz ein kurzen Blick zugeworfen und sich dann wieder in seinem Computer vertieft. Anscheinend hat er da gesehen, was mir fehlt und was ich brauche. Vielleicht kann man diese Programme bald auch zuhause oder über das Internet nutzen.

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