Afghanistan – Das verwundete Land

(Last Updated On: 29. August 2021)

Mein letzter Artikel hier stellt einfach die Taliban als Terrorgruppe dar, was sie ja auch sein mag, aber ganz so einfach sollte man sich die Welt nicht zurecht biegen, denn es ist schon ein wenig komplizierter. Unlängst las ich so einen dummen Kommentar auf FaceBook:“Die Afghanen sollen doch selbst um ihr Land kämpfen“. Natürlich habe ich nicht darauf reagiert, aber ich dachte mir: „Die Afghanen haben den Krieg gegen die Sowjetunion gewonnen und sie vertrieben. Sie haben den Krieg gegen die USA und die NATO gewonnen und sie vertrieben. Wovon spricht dieser naive Mensch nur? Leider hat sich die Sowjetunion in die Studentenkrawalle in Kabul eingemischt und die linken Kommunisten gegen die rechten Muslime immer stärker, bis zur Besatzung, unterstützt. Und dann hat die USA alle Gegner der Kommunisten, egal welcher Terrororganisation sie angehörten massivst unterstützt, bis diese eben die USA angriffen.
Diejenigen Afghanen, die zuerst immer als Befreier gefeiert wurden – zuerst die Mudjahedin und dann die Taliban – übten nach der „Befreiung“ immer eine furchtbare Schreckensherrschaft aus. Die Afghanen haben gezwungener weise fast die ganze Welt besiegt, nur den Kampf mit sich selbst hat man ihnen nie austragen lassen, sondern immer von außen (UDSSR dann USA und NATO) bestimmen wollen. Ich habe starkes Mitgefühl mit den Afghanen die jetzt flüchten wollen und sie tun mir sehr Leid, aber vielleicht und das hoffe ich sehr, kann Afghanistan zu einer Stabilität und zu inneren Frieden finden, wenn sich endlich einmal die Welt nicht mehr einmischt und den Afghanen irgend etwas aufzwingen will. Falls jemand Hilfe anbietet, dann vielleicht hoffentlich einmal ehrlich gemeint und nicht wieder, um dann davon einen Machtanspruch abzuleiten.

Jetzt aber zu der Dokumentation:

Wenn man den jeweiligen Links oben folgt, kann man die Dokumentationen in der TV nach sehen und auf ARTE gibt es diese Folge auch. Da ist die nächste Ausstrahlung am: Mittwoch, 1. September um 00:00

Gestern sah ich die vierteilige Folge Afghanistan – Das verwundete Land (1/4) in zeit.geschichte von ORF III.
Ich zitiere hier die Beschreibung auf der Seite des ORF’s und von ARTE:
Afghanistan – Das verwundete Land (1/4)


Mit dem Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan haben die Taliban in kürzester Zeit die Macht über das Land ergriffen. Die Vielen, die zuvor an ein modernes Afghanistan geglaubt hatten, müssen nun um ihr Leben fürchten und versuchen sich verzweifelt ins Ausland zu retten. Doch woher stammt diese endlose Gewalt? Die preisgekrönte Dokumentarreihe beleuchtet die tragische Geschichte des einst blühenden Landes am Hindukusch.
In den 1960er Jahren steht Afghanistan am Scheideweg: zwischen Tradition und Moderne, Islamismus und Marxismus, Ost und West. Als die kommunistische Partei die Macht übernimmt, rufen die Mullahs den Dschihad aus. Tausende Afghanen folgen ihrem Aufruf und beginnen einen Aufstand. Schließlich marschieren sowjetische Truppen ein, Afghanistan wird zum Schlachtfeld des Kalten Krieges.
Anfang der 1960er Jahren herrscht zunächst Frieden in Afghanistan. Sein König, Mohammed Sahir Schah, fördert die Demokratie und die Rechte der Frauen. In Kabul werden Modenschauen und Schönheitswettbewerbe abgehalten. Die ersten Touristen kommen. Ähnlich wie in Paris oder Frankfurt haben auch die Studierenden der Universität Kabul revolutionäre Träume. Einige wünschen sich den Sozialismus, andere sprechen von einer islamischen Revolution. Ihr Konflikt breitet sich in der Gesellschaft aus und treibt die Nation an den Rand eines Bürgerkriegs. Die Monarchie geht unter, die kommunistische Partei ergreift die Macht und will Afghanistan radikal verändern. Tausende Afghanen protestieren. Außergewöhnliches Filmmaterial aus den 1960er und 1970er Jahren zeigt ein schönes, verloren gegangenes Afghanistan. Erzählt wird, wie utopische Träume in einen nicht enden wollenden Krieg münden. Unter den Protagonisten: „Miss Afghanistan 1972“, der Bruder der letzten afghanischen Königin, Gulbuddin Hekmatjar, Gründer der ersten islamistischen Partei, und Sima Samar, erste Frauenministerin, deren Mann Opfer der brutalen Unterdrückung durch das kommunistische Regime wurde.

In Kabul lebten die Menschen, wie in anderen europäischen Großstädten. Mädchen gingen zur Schule, Frauen waren ähnlich gleichberechtigt wie bei uns, es gab Restaurants, Hotels, Tourismus, Jazz, Frauen waren modern gekleidet und spielten öffentlich in Sportmannschaften. Ja, die „Miss Afghanistan 1972“ erzählt in der Serie, was alleine schon zeigt, wie es damals in Kabul gewesen sein mag.

Afghanistan – Das verwundete Land (2/4)

In den 1980er Jahren wird Afghanistan zum Schauplatz des Kalten Krieges und zum Schlachtfeld von Sozialismus und Islam. Die Sowjetarmee rückt an, um die Ordnung wiederherzustellen. Doch sie steckt in der Falle: In den zerklüfteten Bergen folgen viele Afghanen dem Aufruf zum Dschihad. Der afghanische Widerstand zieht auch viele junge Männer aus dem Ausland an. Unter ihnen: Osama bin Laden. Der Film gibt außergewöhnliche Einblicke in die Welt der Guerilla und der sowjetischen Soldaten. Ihr Konflikt dauert zehn Jahre und treibt eine Million Menschen in den Tod. Am Ende liegt die Nation in Trümmern. Die Niederlage der sowjetischen Truppen trägt zum Zusammenbruch der Sowjetunion bei, aber auch zur Geburt des islamischen Fundamentalismus. Ein Widerstandskämpfer berichtet, wie man die Aufmerksamkeit der westlichen Medien und Unterstützung aus dem Ausland gewann. Ein ehemaliger CIA-Agenten erzählt, wie die Mudschaheddin vom US-Geheimdienst unterstützt wurden – entschlossen, den Sowjets „ihr Vietnam“ zu geben. Unter den Protagonisten: ein sowjetischer Kriegskorrespondent, der Führer der größten Mudschaheddin-Fraktion und eine Ärztin im Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“.

Afghanistan – Das verwundete Land (3/4)


Als die sowjetischen Panzer 1989 Afghanistan verlassen, verschwindet das Land aus den Nachrichten, obwohl noch kein Frieden herrscht. Die Mudschahidin haben die mächtige Sowjetunion besiegt, aber ihnen fehlt die gemeinsame Vision für ihr Land. Rivalisierende Verbände kämpfen jetzt gegeneinander. Ihr Kampf stürzt die Nation ins Chaos und legt Kabul in Schutt und Asche. Schließlich verspricht eine neue Bewegung Ordnung und Frieden: die Taliban.
Ihr Sieg 1996 verwandelt das Land in eine Brutstätte für den radikalen Islam, in einen Trainingsplatz für Al-Kaida und in ein Gefängnis für Frauen. Die Protagonisten dieser Episode sind zwei Frauen: Schukria Baraksai verlor während des Bürgerkriegs ihre neugeborenen Kinder und wurde Lehrerin in einer geheimen Mädchenschule; Nadia Ghulam überlebte einen Bombenangriff, doch gegenüber den Taliban musste sie sich als Junge ausgeben, um zu überleben.

Ihre Erinnerungen zeugen von der Absurdität dieses Krieges und der rücksichtslosen Grausamkeit der Kriegsherren. Außerdem kommen Mitglieder verschiedener Mudschahidin-Fraktionen, der ehemalige Finanzminister der Taliban-Regierung und ein damaliger Fernsehkorrespondent aus Kabul zu Wort.

Afghanistan – Das verwundete Land (4/4)


Die letzte Episode der Serie beginnt am 11. September 2001. Als Folge des Terroranschlages auf New York müssen sich die Afghanen nun einem neuen Krieg stellen, denn die US-Armee rückt ein, um die Taliban zu stürzen und den Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden zu stellen. Trotz allem begrüßen Millionen von Afghanen die ausländischen Truppen voller Hoffnung: Frauen ziehen die Burka aus, es finden freie Wahlen statt, Flüchtlinge kehren zurück und Milliarden von Dollar fließen in den Wiederaufbau. Doch Afghanistan gelingt es nicht, dem endlosen Kreislauf der Gewalt zu entkommen. Ehemalige Kriegsherren ziehen ins Parlament ein, diesmal mit dem Segen der Vereinigten Staaten. Andere, wie die Taliban-Führer, werden ausgeschlossen, was den Anlass für einen erneuten Aufstand bietet. Die Korruption grassiert. Die NATO-Truppen wiederholen viele der Fehler der Sowjets. Afghanistan bleibt in Gewalt gefangen, wird zum Platz unzähliger Selbstmordattentate. Zu den Protagonisten dieser Episode gehören ein Mitglied der Taliban-Regierung, der US-General Stanley McChrystal und drei Frauen, die für die Hoffnung Afghanistans stehen, den Fluch der Gewalt endlich zu brechen.


Die Sowjetunion gibt es nicht mehr, die USA und NATO ziehen sich zurück, also habe ich die Hoffnung, dass Afghanistan endlich bald Frieden findet. Ich hoffe auch, dass es unter den Taliban doch mehr menschliche Menschen, als bestialische Fundamentalisten gibt, die nicht von den internationalen Beziehungen ausgeschlossen werden wollen und den Afghanen nicht nur eine Chance auf Frieden, sondern auch auf ein lebenswertes Leben ermöglichen.

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