Schadet Yoga der Gesundheit?

(Last Updated On: 9. Januar 2014)

Tim und Tom unterhalten sich über Yoga.
Tim: Ich las einen Artikel über Yoga. Da kam der Autor zu dem Schluss: „Yoga sei mit Vorsicht zu betreiben, denn es gäbe sehr viele schwere Verletzungen. Damit stellte er den Gesundheitswert in Frage und betonte, dass Yoga, besonders wenn es als Spitzensport betrieben wird, auch extrem gefährlich sei“. Glaubst du, dass Yoga eher schädlich, als gesund ist?
Tom: Denkst du, dass Lesen und Lernen verblödet?
Tim: Du musst nicht unfreundlich werden und mich und den Autor zum Idioten machen, wenn du nicht über dieses Thema sprechen willst.
Tom: Nein, ganz und gar nicht und das war auch nicht meine Absicht. Ich bezog mich auch nicht auf das Lesen dieses Artikels, sondern auf das, was du ganz allgemein unter lesen und lernen verstehst.
Tim: Ich sehe da keinen Zusammenhang und wollte eigentlich eine Antwort erhalten, nicht eine Gegenfrage.
Tom: Ich wollte mit einem Vergleich Antworten.
Tim: Meinetwegen, es ist ja klar, das lesen und lernen nicht verblödet und was soll das jetzt?
Tom: Na gut, wenn du von Yoga sprichst, meinst du damit vermutlich nicht die Darshana, denn die indische Philosophie ist dir meines Wissens nach, nicht geläufig. Oder habe ich da etwas nicht mitbekommen? Du wirst dieses Yoga meinen, dass in Indien ein paar Jahrhunderte v. Chr. entstand. Ob nun Patanjali der Begründer ist oder nicht, ist hier unwesentlich, aber sein Werk, das aus 194 kurzen Merksprüchen bestehen und auf vier Bücher verteilten wurde, ist unbedingt erwähnenswert, finde ich, denn es ist die Grundlage für jedes, uns zweien bekanntem Yoga.
Die klassischen indischen Schriften beschreiben übrigens 4 Yogawege:

  • Raja Yoga nennen sich die meditativ orientierten Stufen des Achtgliedrigen Yoga nach Patanjali (auch Ashtanga Yoga genannt: „Ashta“ = acht, „Anga“ = Teile).
  • Jnana Yoga (Yoga der Erkenntnis, intellektuelle Richtung)
  • Karma-Yoga (Yoga der Tat, des selbstlosen Handelns)
  • Bhakti Yoga (Yoga der Liebe/Verehrung/Hingabe an Gott oder eine Ishtadevata)

Nehmen wir einmal an, die 4 Wege wären gleich wichtig, dann stellen schon einmal 75% von Yoga mit Sicherheit keine erhöhte Verletzungsgefahr dar. Nur Raja Yoga enthält körperliche Übungen und im Raja Yoga unterscheidet man 8 Stufen.
Nur die 3. Stufe beinhaltet die körperlichen Übungen, die Asanas. Also kann nur bei einem Achtel von den verbliebenen 25% erhöhte Verletzungsgefahr bestehen.
Nun zu meinem Verglich: Nimmt man aus dem Lehrplan einer Mittelschule die 3. Klasse heraus und unterrichtet ausschließlich den Stoff der 3. Klasse, also 8 Jahre lang, was werden die Schüler zur Matura wohl können? Es wird schon einige Jahre dauern, bis sie den Stoff der 3. Klasse beherrschen, weil ja die Inhalte der 1. und 2. Klasse fehlen und die restlichen Jahre verbringt man mit Optimierung des Wissens der 3. Klasse, also mit Wettbewerben, Variationen usw.
Entweder man prüft dann zur Matura nur mehr den Stoff der 3. Klasse, oder es wird keinen mehr mit bestandener Matura geben. Wenn in der 3. Klasse unregelmäßige Vielecke gerade nicht am Lehrplan stehen, dann wird jeder Gymnasiast den Verkäufer und Handwerker um Hilfe bitten müssen, wenn er …
Wärst du dann immer noch so überzeugt davon, dass Lernen nicht verblödet?
Tim: Entschuldige, aber das gibt es ja nirgends, das ist doch Schwachsinn.
Tom: Du hast recht, im Unterrichtssystem gibt es das erfreulicherweise nicht, aber im Yoga schon.
Tom (weiter): Besonders wenn die Darbietung des Stoffs der 3. Klasse als Spitzensport betrieben wird, dann besteht doch erhöhte Gefahr, ein gewisses Bildungsdefizit durch Lernen zu erhalten, oder?
Tim: Ähm, ah, aum, ich meine, om.
Willst du damit sagen, dass jemand, der „Asanas“ meint, nicht „Yoga“ sagen sollte?
Tom: Korrekt!
Verstehe – und hältst du jetzt Asanas für gesund oder gibt es da eine hohe Verletzungsgefahr?
Tom: Entschuldige, aber wieso sollte ich jahrelang nur den Stoff der 3. Klasse üben? Im Rahmen von Yoga halte ich Asanas auf jedenfalls für sinnvoll, zielführend und gesund. Asanas herausgelöst aus dem Yoga ergeben für mich keinen Sinn, da mache ich doch einfach genau die gleichen Gymnastikübungen, die es als Asanas gibt. Wozu sollte ich das dann aber als Yoga und Asanas bezeichnen? Nur um hier und in Indien Verwirrung zu stiften?
Om!
Ob diese Gymnastikübungen dann gesund sind und welche Risiken bestehen, das solltest du lieber einen Sport- oder Präventivmediziner fragen, aber nicht mich. Denn ich verstehe weder etwas von Medizin, noch von Yoga und darüber hinaus, weiß ich nicht einmal, wie du „gesund“ definierst.
Tim: Ok, lassen wir es, ich frage dich lieber morgen.
T om: om!

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2 Gedanken zu „Schadet Yoga der Gesundheit?“

  1. Wenn du damit sagen willst, dass Asanas alleine nicht gleich Yoga ist und dass Yoga eigentlich kein Spitzensport ist, dann stimme ich dir zu.

    1. Das wollte ich auch damit sagen, obwohl natürlich jeder Yoga betreiben kann, wie er will. Wenn sich jemand mit Gewalt einen Haxen ausreißt, dann ist das seine Sache, aber es ist bestimmt nicht im ursprünglichen Sinne von Yoga. Abgesehen davon gibt es heute schon sehr viele Richtungen, was ja nicht schlecht sein muss, obwohl ich manchmal wirklich nur mehr eine Geschäftssache dahinter vermute. Für mich spricht nichts dagegen für Asanas, Bikram- oder Ashtanga-Yoga zu verwenden und im Sivananda-Zentrum zu meditieren, oder gar bei den Buddhisten oder Taoisten. Warum nicht? Ich wurde übrigens schon von einigen Yoga-Lehrern vor falschen Ehrgeiz gewarnt und ermahnt, weil ich wie ein Verrückter gegen meinen eigenen Körper kämpfte und mich unbedingt sofort seltsam verrenken wollte. Wer durch Asanas Ausgeglichenheit (Sattva) erreichen will, der wird sich kaum dabei verletzten. Bei den Asanas selbst gibt es natürlich auch erhebliche Unterschiede, dass hätte Tom vielleicht noch erwähnen sollen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sich schon jemand bei einer der wichtigste Asanas, Savasana, verletzt hat.

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