Der Traumträumer

(Last Updated On: 25. April 2014)

Fortsetzung von Pepis Albtraum.

Quelle: Wikimedia, sanchezn
Quelle: Wikimedia, sanchezn
Ich traf Pepi wieder, zur gleichen Stunde, auf der gleichen Parkbank, an einem anderen Tag. Er erkannte mich wieder und ich setzte mich zu ihm. Wir plauderten ein wenig und ich bezweifelte schon, ob das wirklich Pepi war, denn er klang so banal und langweilig. Das Wetter und ein vorbei streunender Hund waren unsere Themen. Aber dann kam die erste Wende.
Pepi: Haben Sie den Film über Traum-Sharing, Inception, gesehen?
Ich: Ja, den kenne ich.
Pepi: Ich habe ihn nicht gesehen, können sie mir etwas darüber erzählen, denn als ich meinem Therapeuten meinen Traum erzählte, meinte dieser, aha, so wie in Inception.
Ich: Ich erzählte ihm ungefähr worum es ging. Er hörte aufmerksam zu, unterbrach mich nie und zeigte keine Reaktion. Nach einer längeren Pause fragte ich ihn, ob er mir von seinem Traum erzählen möchte.
Pepi: Gern, also ich hatte 26 Traumlevel von A bis Z. Als ich einschlief, träumte ich, dass ich wach sei und die Wirklichkeit im Traum, war kaum zu unterscheiden von der Wirklichkeit im Wachzustand. Aber es war alles ein wenig einfacher und angenehmer in der Wirklichkeit im Traum auf Traumlevel A. Ich war mir nicht sicher, ob ich träumte, oder ob ich wach war, aber durch Meditation in der Wirklichkeit im Traumlevel A, erkannte ich, dass ich träumte. Weil es ein wenig angenehmer war, als der Wachzustand, wollte ich in der Wirklichkeit, also im Wachzustand des Traumes auf Level A, einschlafen und träumen. Es gelang mir und ich kam in einen völlig real scheinenden Wachzustand im Traum auf Level B der völlig real scheinenden Wirklichkeit des Traumes auf Level A. Meine Träume vertiefte ich auf diese Weise bis zum Level Z. Von Stufe zu Stufe wurde die völlig real scheinende Wirklichkeit angenehmer. Auf Level Z fühlte ich mich wach und ich sah die Welt wie sie auf Level A ist, aber alles war in weißes Licht gehüllt und ich fühlte durch und durch zeitlose, absolute Glückseligkeit, in der ich bei der Meditation plötzlich aus allen Träumen erwachte. Doch dieses unbeschreibliche Glücksgefühl wirkte weiter und ich konnte nicht mehr erkennen, ob ich wirklich wach war, oder in einem bestimmten Traumlevel wach war. Das Ende hat sich mit dem Anfang verbunden. Ich werde für immer träumen, oder wach sein, ich weiß es nicht und kann es nicht mehr feststellen.
Zwischenbemerkung: Er machte mir einen glücklichen, zufrieden Eindruck und so wollte ich schon weiter gehen, aber da begann er plötzlich zu lachen. Das Lachen klang so unecht, als hätte ein Schauspieler keinen Bezug zu seiner Rolle.
Pepi: Haha! Wenn ein Arzt zu inneren Frieden verhelfen könnte, müsste er auch für äußeren Weltfrieden sorgen können. Gott ist lange tot. Wieso wissen die das nicht? Ich bekam Ausgang übers Wochenende.
Zwischenbemerkung: Nun spürte ich eine Ausstrahlung, wie beim ersten Treffen und Pepi wirkte zwar etwas verwirrt, aber ich konnte spüren, dass er mit jeder Faser seines Körpers meinte, was er sagte. Er sprach nicht, sondern lebte seine Worte.
Pepi: Überbelegung – Unterbesetzung, ich durfte ein Wochenende nach hause. Der Arzt gab mir meine Medikamente mit und sie waren schön verpackt und beschriftet. Für jeden Tag bekam ich 3 mal 20 Stück und er meinte, dass ich die Medikamente gegen Schizophrenie nicht mehr bekäme, weil ich nicht Schizophreniea vulgivagus hatte, sondern panische Angst davor. Daher also jetzt etwas andere Medikamente, gegen meine panische Angst. Mir war das Recht, denn die Medikamente haben mir immer sehr geholfen und gut getan. Ich fragte ihn, ob er auch noch genügend Medikamente für die armen Kranken hätte, die täglich mit Gott sprechen, obwohl dieser längst tot ist, da ich ein Mitgefühl für sie hatte. Er meinte, dass ich mir da keine Sorgen machen soll, es gibt Psychopharmaka im reichlichen Ausmaß für alle. Gleich als ich nach hause kam, habe ich sie alle eingenommen, da ich Angst hatte, ich könnte später darauf vergessen. Dann schlief ich ein. Ich hatte ausnahmsweise einen traumlosen Schlaf, was mich ein wenig beunruhigt, weil ich nicht weiß, ob ich tot war, aber ich wachte jedenfalls wieder im Krankenhaus auf und es ging mir gut.
Zwischenbemerkung: Pepi machte eine Pause.
Wenn Ärzte Kriegsverwundungen oder Verletzte einer gewalttätigen Auseinandersetzung heilen, müssen sie doch auch für Prävention sorgen und Frieden verordnen. Sie müssen für Essen, Trinken, Kleidung und ein stabiles Umfeld sorgen und unbeliebte lieben, damit ihre Therapie dauerhaft greifen kann. Dazu müssen sie natürlich auch selbst genügend Medikamente für sich haben, sonst können sie das ja nicht schaffen.
Zwischenbemerkung: Pepi entspannte sich gerade wieder ein wenig, sagte nichts mehr und lehnte sich zurück, als ein streitendes Paar vorbei kam.
Pepi: Alles was du nach außen jemanden schlechtes antust, dass bleibt als exaktes Abbild davon auch in dir. Es bleibt in dir und quält dich, bis du ganz genau so viel gelitten hast, als du Leid zugefügt hast. Es muss ausgeglichen werden und wenn du es in dir versteckst, kann es sogar noch wachsen. Du musst dich öffnen, es heraus lassen und wieder gut machen, oder es frisst dich und deine Umgebung auf.
Ich: und wenn man es nicht gut machen kann?
Pepi: Du musst es gut machen können, oder so lange versuchen, bis der Wille fürs Werk zählt und wenn es ewig dauern sollte. Sonst besteht ein Ungleichgewicht, dass sich zur Katastrophe entwickeln kann, damit sich so erst Recht wieder ein Gleichgewicht einstellen kann.
Endbemerkung: Pepi schien zufrieden und lächelte in sich hinein. Ich verabschiedete mich und dada ging ich meinen Weg, aber diesmal ohne dem Gefühl, dass ich ihm meine Zeit schenkte, sondern eher umgekehrt, er schenkte mir eine Lektion.

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Ein Gedanke zu „Der Traumträumer“

  1. Danke für den Artikel als Antwort auf meine Frage. Wow, Pepi gibt es also anscheinend wirklich. Hast du ihn noch öfter getroffen? War er wirklich einmal ein Prof. und Psychiater? Wie geht es weiter?

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