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Wushu ist nicht gleich Wushu und schon gar nicht Wushu

Siehe Wushu(Sport) und Wushu (Kampfkunst, wörtlich Kriegskunst) bzw. Wushu (Rollenspiel)
Ich meine innere Kampfkunst ist nicht gleich Kampfsport und schon gar nicht Kriegskunst. Die vielfältige Verwendung und die verschiedenen Bedeutungen sind etwas verwirrend. Dazu kommt noch, dass die Engländer den Kampfsport auch als Kampfkunst (material arts) bezeichnen und somit ist die Verwirrung perfekt.

Heute stelle ich mir nur kurz die Frage, weshalb Extremsportler und Bewegungskünstler (modernes Wushu) nur Show machen können sollen, wo außer Vorführung nichts dahinter sein soll.
Sehr oft wird unter Wushu, eben „modernes Wushu“ verstanden und dieses als Kampfsport mit Graduierungssystem und Wettbewerben, der Kampfkunst gegenüber gestellt. In fast jedem Buch über innere Kampfkunst liest man, was auch viele Lehrer sagen, dass es „nicht“ auf die Konstitution und den Körper(bau), ja nicht einmal auf die Verfassung eines Menschen ankommt, sondern eben auf die „innere Arbeit“ und auf die inneren Fähigkeiten (Chi Aufbau, lenken durch Yi, spezielle innere Techniken …) und ein gebrechlicher, alter Mann könnte so, einen großen, starken Mann leicht herum schubsen.
Aber ein athletischer Körperbau und außergewöhnliche Fähigkeiten, wie sie im modernen Wushu demonstriert werden, sollen sogar ein Handicap sein? Es gibt dafür zwar Erklärungen, denn bei einem Spagat usw. ist nun einmal die muskuläre Spannung sehr hoch und die Beine sind durchgestreckt, was auch einen ungehinderten Energiefluss stören kann, aber ich glaube das nur Leuten, die es versucht haben.

Ich vermute eher, dass Wushu und modernes Wushu zwei verschiedene Paar Schuhe sind (sagen wir z.B. Turnschuhe und Sandalen), die aber ein und die selbe Person sehr wohl tragen kann. Ich glaube sogar, dass eine Person, die in Sandalen gut laufen kann, auch mit Turnschuhen nicht schlecht unterwegs sein wird und umgekehrt, aber für jemand der nicht laufen kann (wie z.B. meine Wenigkeit) ist es relativ egal, ob er Turnschuhe oder Sandalen trägt – nach ein paar hundert Meter ist es aus und vorbei mit mir.
Mir würde das auch erklären, weshalb manche Spitzensportler auch Taiji üben. Dazu ein Zitat aus der Beschreibung des Begründer und Leiter des Daoistichen Zentrums in Wien Großmeister Prof. Wang Dongfeng

Bei chinesischen Wushu- und Taiji- Meisterschaften gewann er neun Gold- und acht Silbermedaillen und wurde zum besten Sportler Chinas in diesen Disziplinen.

Zu seinen prominentesten Taiji-Schülern zählte der zweifache Judo-Olympiasieger, Welt- und Europameisters Peter Seisenbacher. Viele Jahre lang unterrichtete er selbst an der UNO in Wien und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien Musiker in fernöstlichen Meditations-, Konzentrations- und Selbsterfahrungstechniken. An verschiedenen Theatern war er als Lehrer tätig, so z.B. am Serapionstheater oder am Wiener Stadttheater.

Also auch Peter Seisenbacher war Taiji-Schüler und da kommt mir einfach die Assoziation auf, dass Taiji förderlich und nützlich für sein hervorragendes Judo war.

Ich bin sicher nicht für „no gain without pain“ (ich persönlich nehme Schmerzen sicher nicht freiwillig in Kauf, um irgend eine Leistung zu erbringen), aber ich bewundere beide gleichermaßen, diejenigen die nach möglichst authentischen Quellen der alten, großen Meister suchen und bemüht sind, diese zu verstehen und diejenigen, die auch bereit sind Schmerzen zu ertragen, um ihr Ziel zu erreichen. Mit Chi Gung können sie ihre Schmerzen dann vielleicht lindern und noch eine bessere Leistung erbringen. Diese Leistungen sind für mich bewundernswert. Es gefällt und imponiert mir, aber es wäre für mich nicht erstrebenswert, denn ich bin eher für „no pain, but a gain“ und die daoistische 70%-Regel. Ja, nicht 100% oder mehr leisten zu wollen, sondern sich mit 70% zu begnügen scheint mir erstrebenswert, denn momentan halte ich es eher mit einer 7%-Regel. 😉

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Taijiquan ist eine innere Kampfkunst und kein Kampfsport

Geht der große SINN zugrunde,
so gibt es Sittlichkeit und Pflicht.
Kommen Klugheit und Wissen auf,
so gibt es die großen Lügen.
Werden die Verwandten uneins,
so gibt es Kindespflicht und Liebe.
Geraten die Staaten in Verwirrung,
so gibt es die treuen Beamten.
aus Tao te king 18

Es ist schon seltsam, wenn ein Tai Chi Kurs angeboten wird und in der Beschreibung liest man, dass Taijiquan ein Kampfsport ist. Seltsam und auch ein wenig ärgerlich, denn müssen die Lehrer denn keine Ausbildung absolvieren, wo Sie zumindest erfahren, was Tai Chi Chuan ist?
Vielleicht wäre doch in Tai Chi auch ein Graduierungssystem angebracht, siehe Taijiquan Lehrer und ihre Ausbildung, wo man dann bei der gelben Gürtelprüfung verlangen könnte, dass der Schüler weiß, was er gerade lernt.
Ich stelle mir gerade einen Plan für den Herbst zusammen und suche noch einen Qigong oder Tai Chi Kurs, den ich gemeinsam mit meiner Tochter besuchen kann. Dabei kommt nur Montag und Freitag in Frage, denn Dienstag habe ich Aikido vor, Mittwoch und Donnerstag sind auch schon verplant und der Kurs darf höchstens bis 20 Uhr dauern. Es soll kein Einführungskurs für ganz unerfahrene Anfänger sein, da sie schon ein Jahr Erfahrung gesammelt hat, sowohl in Qigong, als auch in Taijiquan. Noch dazu soll der Kurs für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen geeignet sein. Daher durchsuche ich gerade die Angebote und lese dort und da, dass ein Tai Chi Kurs angeboten wird, wobei Tai Chi Quan als Mischung zwischen chinesischem „Kampfsport!“ und chinesischen Bewegungsformen beschrieben wird.

Egal auf welcher seriösen Quelle man nachlesen will, man wird immer ähnliche Beschreibungen finden wie hier, im Lexikon von Shambhala:

Taijiquan ist eine Lebens und Kampfkunst und wird bei uns im Shambhala seit der Gründung, also seit 1984 unterrichtet. Es ist die Kunst Yin und Yang in Balance zu bringen, die Kunst, Körper, Energie und Geist zu nähren und zu harmonisieren. Genauer heißt das, zu lernen, sowie dem eigenen Körper eine neue Struktur und Aufrichtung zu geben sowie Spannungen und Blockaden abzubauen. Dadurch kann Lebensenergie (Qi) ….
Die ganze Originalbeschreibung zu diesem Zitat finden sie hier Taijiquan

Dort findet man übrigens auch sehr schön geschriebene Abhandlungen zu Taijiquan in pdf-Form von Niki Deistler und Chaitanya Franz Pölzl.

Wenn in Beschreibungen der Kurse auf vhs.at Textstellen vorkommen wie:

Taiji Quan oder chinesisches Schattenboxen genannt, ist eine im Kaiserreich China entwickelte innere Kampfkunst. ….
Tai ji entwickelt innere Kraft und Harmonie, duch die Koordination von Geist und Körper. Die weichen, langsamen und ruhigen Bewegungen stehen im Einklang mit geistiger Konzentration und dem Atem und dienen der Gesundheit…
Taiji Quan ist eine innere Form der chinesischen Kampf- und Bewegungskunst, die die Koordination und Entspannung von Geist und Körper übt. Taiji Quan wird in einer Abfolge langsamer, runder Bewegungen praktiziert…..

kann ich damit einverstanden sein, aber bitte nicht Kampfsport!

Ich zitiere aus Wikipedia:

In Fachkreisen wird meistens eine genauere Differenzierung zwischen Kampfsport und Kampfkunst verwendet. Im Kampfsport steht demnach der reglementierte sportliche Wettkampf im Vordergrund, bei dem es darum geht, im Rahmen der Regeln zu gewinnen und besser zu sein als der Gegner. In den meisten Kampfsportarten werden keine Waffen verwendet, und wenn doch, dann nur Sportwaffen, die die Verletzungsgefahr verringern. Wettbewerbe im Kampfsport sind in der Regel Zweikämpfe, jedoch sind auch andere Wettbewerbsformen möglich.

Eine Kampfkunst hingegen befasst sich in der Regel mit Selbstverteidigung und dem Verhalten in echten, unreglementierten Gefahren- oder Konfliktsituationen. Daher enthält jede Kampfkunst Kampftechniken, die zum Ziel haben, einen Gegner zu besiegen, häufig auch unter der Verwendung von Waffen. Darüber hinaus gehören zu einer Kampfkunst häufig andere Aspekte, wie beispielsweise die Vermeidung von Konflikten im Vorfeld, die generelle Erhöhung der Beweglichkeit, Kraft, Geschwindigkeit oder Selbstdisziplin. Manche Kampfkunstsysteme, vor allem aus dem asiatischen Umfeld, sehen sich als vollständiges System der Lebensgestaltung oder Vervollkommnung mit entsprechendem philosophischem oder religiösem Unterbau, wie beispielsweise das japanische Budo. Vor allem heutzutage treten dabei die eigentlichen Kampftechniken bisweilen sogar in den Hintergrund oder werden nur als Weg zum eigentlichen Ziel verstanden. Wettbewerbe in den Kampfkünsten sind in der Regel keine Zweikämpfe….

Man findet dort auch eine schöne Tabelle zur Unterscheidung zwischen Kampfkunst und Kampfsport.

Ich finde, nur weil bei der englisch sprechenden Bevölkerung alles was mit Kampf zu tun hat „material arts“ also eine Kunst ist, so muss bei uns deshalb nicht alles was mit Kampf zu tun hat, ein Sport sein.

Ja und weil die Kampfkünstler seit aufkommen der Schusswaffen quasi arbeitslos sind, hat sich diese Kunst erfreulicher weise zu einer Lebensform entwickelt, die Gesundheit, Lebensverlängerung (ich meine jetzt nicht den Sieg im Kampf (;-) ) und spirituelle Komponenten in den Vordergrund stellen kann, trotzdem ist und bleibt es eine Kampfkunst.
Moderne Formen sind da eventuell gesondert zu betrachten, doch von Kampfsport kann auch hier keine Rede sein. Ich verstehe unter moderne Formen:

  1. die 37er Kurzform nach Zhèng Mànqīng 鄭曼青 1901-1975
  2. die Beijing 24 Form nach Chinesischer Sport Kommission 1956
  3. und die 42 Competition Form (Wushu competition form combined from Sun, Wu, Chen, and Yang style; 1989)

Alle drei Formen können zwar von Yang Chengfu abgeleitet werden, aber:

Aus Wikipedia: Zheng Manqings Person und sein Stil geraten immer wieder in die Kritik. Seine Kurzform wird von der offiziellen Yang-Familienlinie nicht anerkannt. Anhänger seiner Person und seines Stils vertreten die Meinung, dass „gutes Taijiquan“ nur durch überprüfbare Fähigkeiten (wie z.B. im Tuishou) bewiesen werden könne und die Form nur „die Angel, um den Fisch zu fangen“ ist, also das Mittel zum Zweck, die Prinzipien des Taijiquan zu verstehen und umsetzen zu können.

In „Ji Ben Gong“ von Niki Deistler wird „Der Weg der Kampfkunst“ sehr ausführlich beschrieben. Dabei geht er auch näher ein auf „Wu“ und „Wen“, die inneren und äußeren Kampfkünste.

Ich möchte hier für traditionelle Kampfkünste nur folgendes fordern:
Sie müssen in folgenden Kategorien Techniken vorweisen können:

  1. Schläge und Stöße (Armtechniken …)
  2. Tritte und Beintechnik (Feger, Blocks….)
  3. Wrestling, Würfe
  4. Hebeltechniken, Sperren, Griffe
  5. Waffen

In Tai Chi gehören unter dem zuletzt genannten Punkt zumindest nach Taijiquan (Wikipedia):
* Das gerade, zweischneidige, einhändige chinesische Schwert (Schwert)
* Der chinesische Säbel (Dao)
* Der Fächer
* Der Kurzstock (Qi Mei Gun)
* Der Langstock (Gun)
* Der 3m Langstock (Dagan)
* Der Speer (Qian)
* Die chinesische Hellebarde (Guan Dao)

Mir gefällt aber eine ganz andere Beschreibung am besten:
„Taijiquan ist das Gebet der Taoisten.“

Daher ist dieser Artikel auch von Laotse umschlossen.

Tut ab die Heiligkeit, werft weg das Wissen,
so wird das Volk hundertfach gewinnen.
Tut ab die Sittlichkeit, werft weg die Pflicht,
so wird das Volk zurückkehren zu Kindespflicht und Liebe.
Tut ab die Geschicklichkeit, werft weg den Gewinn,
so wird es Diebe und Räuber nicht mehr geben.
In diesen drei Stücken ist der schöne Schein nicht ausreichend.
Darum sorgt, daß die Menschen sich an etwas halten können.
Zeigt Einfachheit, haltet fest die Lauterkeit!
Mindert Selbstsucht, verringert die Begierden!
Gebt auf die Gelehrsamkeit!
So werdet ihr frei von Sorgen.
aus Tao te king 19

Weblinks:
Ursprung des Tai Chi Chuan (TCC)
Taiji.de
Die Geschichte dcs Taijiquan

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Das Dan-System im Wushu


Seit dem Jahr 1998 sind neidische Blicke zur ‚Konkurrenz‘ jedoch nicht mehr vonnöten, denn seitdem gibt es auch im chinesischen Wushu ein differenziertes Ausbildungssystem. Das von der „Chinese Wushu Association“, der Nationalen Sportkommission und dem Chinesischen Wushu Forschungsinstitut ins Leben gerufene Prüfungssystem besteht aus folgenden neun Dan-Stufen: … Den Originalartikel weiterlesen auf WuYuan München

siehe auch wushu.com

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Für Wushu Anfänger

Ist das nicht ein guter Anfang? Man schmeißt sich mit Schwung in den Spagat und wippt dann einfach nur ein wenig hin und her, schließlich sind wir ja nur Anfänger. Gut, vielleicht kurz mit dem Kopf die Zehen berühren, aber wie gesagt, am Anfang eh nur ganz kurz. 😉

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Gedanken zu TCC: „L’art pour l’art“ oder „weich gegen hart“

reimt sich doch und alles … ist Art, sogar der Mensch ist ein Kunststück. Manche meinen ein geniales, besser als Motten und Viren, andere wiederum behaupten, er (der Mensch ist männlich) ist eine Bestie (ich kann nichts dafür, aber die ist weiblich).
Ach ja, mein Untertitel sollte langsam erscheinen:
Weich gegen hart, das ist Art.
Verstehen wird das jeder (bei angenommenen Gruppen verschiedenen natürlichen Geschlechts, verwendet man auch nach der x-ten Rechtschreibreform ein maskulines Pronomen; FemministInnen dürfen sich jederInnen denken und es gerne indefinit mißbrauchen), der Hochdeutsch kann (also die Bergler), aber ich will hier eine besondere Perspektive bieten, nämlich meine, im Bezug auf TCC (Taijiquan [en:Tai Chi Chuan {Englisch ist hier aber nicht so angebracht, da diese Barbaren nicht einmal zwischen Kampfkunst und Kampfsport unterscheiden können – oder können Sie mir Kampfkunst nach Englisch übersetzen?}]).
Mit „weich gegen hart“ meine ich (und darum geht es hier) nicht „innere“ gegen „äußere“ Kampfkunst, denn das macht keinen Sinn – ich meine nicht einmal Kampfkunst versus Kampfsport, obwohl das eventuell Sinn machen würde (ist aber ein anderer Artikel).
Ich denke an die alten (ganz alten) Meister der Kampfkunst, an Krieger (keine pop_ulistischen Esoteriktraumtänzer mit gefälschter Nase) mit Herz, Hirn, Geist, Fantasie (Yi), Ehre (natürlich subjektiv, aber vorhanden) und moralisch unantastbaren Werten. Unantastbar schreibe ich, weil ich kein Literatur-Sportler bin und daher keinen adäquaten Ausdruck finde, aber diese Werte sind nicht nur unantastbar, sondern auch unvorstellbar (außer für das Subjekt und zugleich Objekt und Lebewesen selbst); fühlbar, erlernbar? Nein!
Nein, Nietzsche fällt mir ein, der Existentialismus und beschreibbar wird es nie werden, also wozu versuche ich es? Nur für mich, ich schreibe mir in mein log meine Gedanken auf, dazu habe ich es ja.
Gedanken zu TCC: „L’art pour l’art“ oder „weich gegen hart“ weiterlesen

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