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Zweite Taijiquan-Woche 2011

Bevor ich mir endlich Anmerkungen zu den Figuren der Laoija Yi Lu mache, sonst vergesse ich die vielen Korrekturen, die ich in letzter Zeit erhielt womöglich noch, notiere ich mir kurz die Zeiten für meinen aktuellen Trainingsplan. Ich werde, auch was die Notizen hier betrifft, nicht mehr den Fehler begehen, mir aus noch immer vorhandener Begeisterung für Taijiquan einen Freizeitstress aufzubürden. Das wäre bei aller Begeisterung für die chinesische Kultur und Kampfkunst ja wirklich kontraproduktiv. Außerdem werde ich bestimmt noch oft genug korrigiert und dann ist immer noch Zeit mir dazu Notizen zu machen. Mir wurde in letzter Zeit nämlich auch so richtig klar, dass es mir momentan das Wichtigste ist, mir einfach meiner eigenen Bewegungen bewusst zu werden. D. h., wenn ich etwas falsch einlerne ist das gar nicht so schlimm, ich muss nur wissen was ich normalerweise mache, denn dann wird mir die Korrektur erst richtig nützlich. Solange ich mich frage, ob ich es nicht eh so ausgeführt habe, wie ich korrigiert wurde, verschwende ich eigentlich die Zeit meiner Lehrer. Erst wenn mir wirklich bewusst ist, wie ich es mache, kann ich die Fehler erkennen und daran arbeiten. Die Illusion eine Bewegung von vornherein richtig zu lernen habe ich längst abgelegt.

Mein aktueller Trainingsplan:

  • Mo: 18 – 19 h – Laoija Yi Lu in der Benedikt-Schellinger-G. mit Paris Lainas vom Shū Jiàn
  • Di: 18 -19.15 – Laoija Yi Lu in der in der Mariahilfer Str. mit Christa Fasching vom Perform; dann 19.45 bis 21 Uhr Push Hands in der Selzerg. mit Paris Lainas
  • Mi: 18.30 – 19.45 – Laoija Yi Lu (oder 19er) in Landsteinerg. und anschließend Säbel bis 21 Uhr mit Paris Lainas vom Shū Jiàn
  • Do: 18 – 19 Uhr – Laoija Yi Lu in der Benedikt-Schellinger-G. mit Paris Lainas vom Shū Jiàn und anschließend 18er und 38er Mit Paris Lainas ung Chen Shi Hong am Loquaiplatz, Austrian-Chinese Wushu Association
  • Sa: 12 – 14 Uhr – Laoija Yi Lu in der Zieglergasse mit Paris Lainas vom Shū Jiàn

Ab Februar ist dazu noch ein Chinesischkurs geplant. Ja und dieses Wochenende werde ich „Schwertschnuppern“, also mich ganz allgemein einmal ein wenig über das Schwert im Taijiquan informieren, dazu besuche ich das Seminar Taiji Jian – Das Schwert mit Gastlehrer Frank Miller von Nikolaus Deistler im Shambhala. Auf der Seite lese ich „Aus dem System Meister Huang Xingxians: – Schwert: Flow, Präzision, wellenförmige Bewegungen und Leichtigkeit ….“ das wird sicher interessant, aber ich werde das erste mal ein Schwert in die Hand nehmen und mich wenn möglich damit in eine Ecke verdrücken und den anderen und Vortragenden zusehen. 😉

Ach, ich bemerke gerade, dass ich 书 – shū – Buch und 剑 – jiàn – Schwertt noch nicht in meinem Bedeutungsindex habe.

Da mich ja nicht nur Chen Stil interessiert, obwohl ich in nächster Zukunft nur diesen üben werde, bin ich gerade über zwei interessante Seiten gestolpert, die ich mir hier merke:
Tai Chi Texte und
William C. C. Chen (es üben eben nicht alle Chen’s den Chen Stil).

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Taijiquan: Reflexion x, oder das Taiji-Prinzip

„x“ weil ich nicht nachsehen will, die wievielte Reflexion das ist und das bedeutet aber auch, dass ich mich doch schon längere Zeit mit TCC beschäftige. Zuerst allerdings mit Cheng Manching (CMC) und Yang Stil. Meine Überlegung war damals, dass Chen Stil zwar ganz ursprünglich sei und der Anfang, aber sogar innerhalb dieses Stils ist der „Alte Rahmen“ eher für Einsteiger gedacht und die Meister bevorzugen meist den „Neuen Rahmen“ (Fake; jünger) und halten ihn oft für „anspruchsvoller“. Gut, das bedeutete für mich, dass Yang Stil noch anspruchsvoller und CMC die Krönung, also das Gelbe vom Ei bzgl. TCC sein müsste. Ich hatte damals aber nur theoretisch eine Ahnung von TCC, doch diese Überlegung brachte mich anfangs eben zu CMC und damit zum Yang Stil (da hatte ich übrigens auch einen sehr guten Lehrer). Bald merkte ich, dass ich einen Ausgleich brauche und wollte Tanglang lernen. Da ich darüber hinaus auch noch andere TCC Stile kennen lernen wollte, war ich natürlich zum Scheitern verurteilt. Intensives Yang Training, Tanglangquan als Ausgleich und dann in den Chen Stil einsteigen, um mein TCC zu vertiefen war eine ausgesprochen dumme Entscheidung. Ich blieb jedenfalls bei Chen Stil und gab alles andere auf, obwohl ich bis heute vom Chen Stil kaum eine Ahnung habe und meine Yang-Freunde vermisse.. Ok, ich stehe gerne Säule, dachte ich kann die Seidenfaden-Übungen, die 19er und ein wenig Säbel. Jetzt lerne ich gerade die 1 . Form des alten Rahmens und weil mir Mark Chen in Englisch zwar eine recht wichtige Lektüre ist, aber mir kaum weiter hilft mit meinen Yi, Yin, Yang, und den Prinzipien im TCC (und nicht einmal in der Form) habe ich mir neue Literatur und DVD’s besorgt. Auf YouTube kenne ich unglaublich viele Videos und Bücher habe ich auch in den letzten Jahren schon sehr viele gelesen zum Thema Taoismus, Qigong, Nèijiāquán, speziell Taijiquan und Kampfkunst allgemein, aber im Chen Stil konnte ich einfach bei keiner einzigen Figur mit Yin-Yang, Energie und damit auch mit den weiteren Grundprinzipien klar kommen. Ich dachte mir alles mögliche aus, sogar ein dreidimensionales Taiji-Symbol (das ist eigentlich auch von mir selbst neu erfunden, doch heute habe ich gelernt, dass sich andere schon viel früher darüber Gedanken machten) usw. und suchte nach einer neuen Vorstellung von Peng Peng Jin und Co; aber eigentlich bin ich seit mein Lehrer in Chenjiagou ist etwas verzweifelt (ja so ist das lieber Paris), obwohl ich als „absolute beginner“ im Chen Stil natürlich von meinen Partnern im Verein, die meinen Lehrer vertreten, noch genügend lernen kann und mir nun zusätzlich auch bei einem anderen Verein noch Abhilfe suche. Sie bemühen sich redlich, sie sind mir sehr hilfreich und im Chen Stil sicher weiter als ich, aber ich merke sofort, ob jemand etwas nur weiß (oder gar nur zu wissen glaubt), oder ob er es lebt und das macht für mich den wesentlichen Unterschied. Mein Lehrer darf jeden Fehler machen, denn er ist auch nur ein Mensch, aber er muss Taijiquan leben, sonst kann er nicht mein Meister sein.

Ach ja, eigentlich wollte ich über meine neuen Anschaffungen sprechen – nein, diesmal nur über eine, obwohl ich gerade alles auf Amazon gekauft habe, was ich zu Taijiquan noch nicht kannte. Ja und wie soll ich nun sagen was ich sagen wollte? Ganz einfach, die DVD von Meister Jan Silberstorff „Das Taiji-Prinzip“ ist so ziemlich genau das Gegenteil von diesem Artikel (dazu sei aber auch angemerkt, dass das mein Notizblog [Notizen sind selbsterklärend und blog steht für digitales, persönliches Tagebuch] ist).
Endlich habe ich begriffen, worum es geht, also wie man sich im Chen Stil den TCC-Prinzipen nähern kann. Ich übe seit einem Jahr die Sehende Säule und die Seidenfadenübungen und habe „Tonnen“ Literatur und Videos dazu, aber ich wusste eigentlich nie worum es geht, weil ich viel zu kompliziert dachte. Das Taiji-Prinzip vonJan Silberstorff ist mir wie eine Erlösung. Es ist so unglaublich einfach, klar und deutlich. Jan Silberstorff braucht dazu nicht einmal Charme, Schmäh oder Witz, er sagt einfach worum es geht und ganz genau das habe ich gesucht. Jetzt kann ich damit anfangen, auch die hoch intellektuellen Abhandlungen irgendwie zuzuordnen und ich glaube ich kann mich schon bei der nächsten Übung (also heute am Abend) komplett frei von Qualen und Gewissensbissen, ob das auch richtig ist was ich mache, dem Taijiquan widmen. Ein herzliches Danke an Jan Silberstorff.

Übrigens, ich hatte das theoretisch vorher auch schon gelesen und gewusst,was die DVD an Information beinhaltet, ich glaube sogar auf WCTAG oder einem Journal, aber mit der DVD (Bild und Ton) habe ich es viel besser verstanden.

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Push-irgendwas-Anwendungen im Taijiquan

Heute frage ich mich wieder einmal, wo sich TCC wohl hin entwickeln mag. Einerseits kann man an jeder VHS schon chinesische Gruppen-Gymnastik lernen, die sie als Taijiquan bezeichnen und andererseits sehe ich Entwicklungen in Richtung Kampfsport und komplett ineffizienter SV. Ich meine, wer TCC zur Selbstverteidigung lernt ist mir ohnehin suspekt, aber wenn dann Angriffstechniken vermischt mit push hands unterrichtet werden, obwohl die Ausführenden kaum auf einem Bein stehen können, kann ich mich nur mehr sehr darüber wundern. Aus einer hoch entwickelten System wird damit entweder ein Gerangel und Gewurstel, das sich eventuell noch für Schlägertruppen auf der Straße eignet, oder ein esoterischer Tanz für Pensionisten, der womöglich noch mit Musik und Räucherstäbchen vorgeführt wird.
Erfreulicher weise wurde ich in den Schulen, die ich bis jetzt besuchte weitgehend von solchen Tendenzen verschont, aber ich finde immer häufiger Hinweise, auf eine derartige Entwicklung. Einer, der wesentlichsten Vorteile von TCC gegenüber Kampfsport und diversen SV-Techniken ist eben genau der, dass man im TCC keine Angriff-Block-Reflexe eintrainiert und das Schlüssel-Schloss-Prinzip ignorieren kann, wie es im Push Hands von Jan Silberstorff beschrieben wird. Man muss nicht auf tausend mögliche Angriffe tausend mögliche Blocks bis zum Umfallen einüben, sondern man kann sich auf die wenigen grundlegenden Prinzipien verlassen. Die müssen dafür aber konsequent eingehalten werden. Abgesehen davon, stehen Angriffstechniken überhaupt im Widerspruch mit „die Kraft des Gegners nützen“ und auch historisch gesehen wäre es nicht gerade sinnvoll gewesen, unbewaffnet einen Soldaten mit bloßer Faust anzugreifen.
Wie dem auch sei, für esoterischen Tanz habe ich ja noch einiges übrig, aber wer glaubt sich mit TCC verteidigen zu können, sollte sich vorher zum Test einmal ein paar Sekunden (bis zum Bretterkuss) mit einem Boxer in den Ring stellen.
Ältere Damen tun sich mit einem Pfefferspray wahrscheinlich auch leichter als mit einem Fersenkick.
Ich persönlich bin ja nicht wirklich betroffen und über TCC zukünftig in ungetrübter Freude nach meiner Regel zur Zeit- und Aufwandeinteilung: ich versuche TCC den ganzen Tag über in den Alltag zu integrieren und von den Übungszeiten wende ich etwa 80% der Zeit für die Form auf, 15% für Grundübungen, 4.5% für push hands und 0,5% für Anwendungen.
Meiner Meinung nach ist TCC ein Neigong System, das als Bewegungssystem in erster Linie die Entwicklung der Lebensenergie fördern soll, genau so wie Hsing-I und v.a. auch Ba Gua im Gegensatz zum Qigong soll es von innen (Zentralenergie) nach außen (periphere Meridiane) wirken. Es soll den Körper verjüngen und den Geist klären, Krankheiten und Verletzungen heilen, die Gesundheit ganz allgemein erhalten und verbessern und spirituelle Anlagen zur Reife bringen. Und erst darüber hinaus, könnte es von Meistern (aber sicher nicht von mir) auch zur Selbstverteidigung benutzt werden.

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活 huó – Lebendigkeit im Taijiquan und Tanz

Über Jin und Peng habe ich hier ja schon öfter nachgedacht, aber die Videos auf Youtube, die man zu Yang Style Taijiquan findet, haben für mich fast alle eine schreckliche Gemeinsamkeit. Die Darsteller wirken oft leblos, ferngesteuert, teilnahmslos und wie Maschinen. Es gibt natürlich Ausnahmen, z.B. die Videos, die mich zu Taijiquan gebracht haben. Zu diesen Darstellungen bin ich hier ja auch schon einige male ins Schwärmen geraten, weil ich die Bewegungsabfolgen so unglaublich ausdrucksstark, harmonisch und ästhetisch finde und gleichzeitig sehe ich eine gewisse Lebendigkeit der Teilnehmer, obwohl der Blick meist nur in die Ferne gerichtet ist, oder nur ein sehr unauffälliger Wechsel zwischen Nah- und Fernakkommodation zu bemerken ist. Diesen Darbietungen sehe ich heute aber schon an, dass die Darstellerinnen vermutlich Wushu-Erfahrung haben.
Diese ferngesteuerten, leblosen, automatenhaften und teilnahmslos wirkenden Bewegungsabläufe (Formen) müssen aber auch im Yang Stil nicht sein, wie man bei alten Meistern sieht.
活 huó „Leben, Lebendigkeit, beweglich, flexibel, im Prinzip bleiben, agil, durcheinander bringen“ soll nach Jan Silberstorff, in „Shisanshi – Die 13 Grundtechniken des Taijiquan“ eine Grundtechnik sein. Er spricht von den vier grundlegenden Techniken Peng, Lu, Ji und An und Cai, Lie, Zhou, Kao, Teng, Shan, Zhe, Kong und Huo.
Dazu möchte ich eine lustige Einlage aus einem Forum zitieren Jin Arten :
„a) Tiere, die dem Kaiser gehören,
b) einbalsamierte Tiere,
c) gezähmte,
d) Milchschweine,
e) Sirenen,
f) Fabeltiere,
g) herrenlose Hunde,
h) in diese Gruppierung gehörige,
i) die sich wie Tolle gebärden,
k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind,
l) und so weiter,
m) die den Wasserkrug zerbrochen haben,
n) die von weitem wie Fliegen aussehen“
wirklich fantasievoll 😉
Im Posting davor findet man einen Hinweis auf die 13 Techniken in „Schiebende Hände von J. S.“ – das mir recht nützlich war – und die Einteilung:
„-Kraft des ableitenden Rades
-Kraft aus dem Brechen einer Radspeiche
-Spiralkraft
-Explosivkraft“.

Zurück zum Thema, mir fällt das leider sehr unangenehm auf, dass fast alle Darstellungen von Yang Stil Formen ein starkes Huo-Defizit zu verzeichnen haben, abgesehen meiner geliebten Damen, denen ich Wushu-Erfahrung unterstelle und einiger alten Meister wie CMC. Der ist das beste Beispiel von herrlich erfrischender Lebendigkeit. Selbst im hohen Alter sieht seine Form komplett anders aus und man beobachte doch einfach einmal den Gesichtsausdruck und die Augen während der Form. Der Gesamteidruck vermittelt mir Agilität, Beweglichkeit, Lebendigkeit und nicht starre, ferngesteuerte, leblose Teilnahmslosigkeit wie auf den meisten neuen Videos. Von den zahllosen negativen Beispielen will ich hier keines einbinden, aber eines meiner Lieblingsvideos die Beweisen, dass huó nicht nur eine chenspezifische Grundeigenschaft (Kraft, Technik) im Taijiquan sein muss.

Naja, wenn ich mir so manche Yang Stile Darbietungen ansehe, dann könnte man diese vielleicht nur noch in diese Richtung weiter entwickeln:

Weblinks:
Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden

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Reflexion X zu Taijiquan und Tanz

Ich versuche Taijiquan (TCC) immer mehr in mein Leben zu integrieren und dabei lasse ich es geschehen, dass mir die Relativierung von Wertvorstellungen, sowie die Natürlichkeit immer wichtiger wird. Die Natur wird zu meiner Meisterin.

Schließe die Augen und du wirst alles sehen,
höre nach innen (hinten) und du wirst alles hören,
die Nase … – du riechst … (so gut)
die Haut … und du spürst den Hauch eines Schmetterlings wie einen Orkan …
Wie schmecken diese Worte?
Ich mag sie überhaupt nicht und Fokussierung kann sicher lehrreich sein, aber meine Meisterin hat mich mit mehr als einem Sinn ausgestattet und das hat wohl seinen Grund. Meine Meisterin ist gerecht, obwohl sie Gerechtigkeit nicht kennt und sie gab jeder Art von Leben einen Sinn und eine Chance zu überleben. Ein Spatz braucht keine Wissenschaft und auch nicht Tonnen an Kerosin, keine Hilfsmittel, um sich in die Lüfte erheben zu können und weitere Ausführungen erübrigen sich, um mir zu merken, was ich damit gemeint habe, oder um mich verständlich zu machen, falls es sonst jemand liest.
Zwischen Geburt und Tod liegt das Leben. Soll das nur ein Streben nach Hilfsmittel sein und nicht nach Handlungen selbst? Vervollkommnung in der Schaffung, Aneignung und Beherrschung von Hilfsmittel als Sinn des Lebens? Illusionen, Glauben, Ideologien – heute hier und vor 70 Jahren. Husch und 50 oder 70 Jahre sind vorbei und was durfte man vor 70 Jahren sagen und was musste man erleben, wenn man überleben konnte? Zeit, Schein, Wahn, Mode, Selbstgefälligkeit wie vor 2000 Jahren. Der Mensch als Maß aller Dinge und die Erde als Mittelpunkt des Weltalls, der Himmel oben und die Hölle unten. Jeder weiß, das es auch ohne dem Bösen das Gute, ohne oben ein unten und ohne schwarz ein weiß gibt und trotzdem spricht keiner davon, denn die Stufe der Gegensätze, der Dualismus ist praktisch in der Dialektik. Doch wir können weder fliegen noch am Meeresgrund wandeln, sollten wir da nicht irgendwann versuchen das sichere, einfache, erste Level des Dualismus verlassen, um die Chance auf Weiterentwicklung zu bekommen? Die künstliche Intelligenz sehe ich zwar als dritte Generation von Gott, aber ich lebe auch ohne Götter ganz gut. Ich rufe nicht „zurück zur Natur“, sondern ich möchte „vor zur Natur“.
Zu dieser Reflexion kam es, wegen der häufig gelesenen Aussage, dass man Taijiquan, Wushu und Tanz nicht einmal vergleichen kann, so verschieden sollen sie sein. Wer das tut, heißt es weiter, versteht den eigentlichen Sinn nicht. Da frage ich mich, welche Sinn? Den Sinn einen Meister, oder Urgroßmeister hörig und unkritisch nachzuäffen, den Sinn der Kunst, der Bewegung, der Heilkunst, der Musik, des Daos, der Philosophie, oder welchen Sinn? Ich finde es absolut nicht respektlos, eine eigene Meinung zu haben, selbst auf die Gefahr hin, dass man sich irrt und dass man sie ändern muss, um sich weiter entwickeln zu können. Ich drehe im Gedanken die Zeit einfach um 70 Jahre zurück und überlege wohin blinder Gehorsam und unkritische Akzeptanz führen kann.
Wenn einem Meister die ehrliche, kritische Meinung eines Schülers weniger wert ist, als seine eigene, dann ist mir seine nicht mehr wert, als die eines Lehrlings.

Mein Gedanke zu TCC und Tanz.
Wenn man in TCC alle Bewegungen in alle Richtungen unter Einhaltung der Prinzipien ausführen kann, dann kann man das auch, wenn dabei Musik spielt und man kann es auf der Straße, auf der Wiese, in der Manege oder auf der Tanzfläche. Wer etwas anderes behauptet, soll es begründen. Alle Bewegung ist TCC, manche gutes, andere schlechtes und wer sein Herz nicht hört, kann nicht in seinem Rhythmus dazu tanzen. Warum sollte ausgerechnet ein Tänzer nicht TCC ausüben können und in seinem Dao verbinden können? Ich will weder die Form tanzen, noch eine Gitarrenform im Hendrix Style erfinden, aber die Aussage, man könne Kampfkunst, Wushu und Tanz nicht einmal vergleichen, gefällt mir nicht. Alle alten Kulturen auf allen Kontinenten, in denen Kampfkunst noch einen ganz anderen Stellenwert hatte, geben mir Recht und meine Meisterin meint:
Wenn du Musik zur Bewegung machst ist es kein Tanz, sondern der Musiker übt TCC, aber hörst du die sphärischen Klänge der Natur und des Lebens, dann tanzt du mit ihr im Takte der energetischen Wellen. Die Zweige des Baumes befolgen das Prinzip und tanzen im säuselnden Wind, sie tanzen in der eigenen Melodie. wie die Wellen des Meeres. Die oberflächlich, so leicht tänzelnden und doch mit dem Meeresboden verbunden Wellen spielen, tanzen und sie gehorchen nicht dem Prinzip, sondern sie sind das Prinzip. Es offenbart sich in ihrer harmonischen Bewegung, die dich aufnimmt, liebkost, umspielt oder zerschmettert und erwürgt. Es gibt nach und drängt vor, es zieht sich zurück und zerbröckelt den Fels, wenn er sich widersetzt. So wie der gesamte Baum entwurzelt vom Orkan durch die Luft geschleudert wird, wenn seine Zweige nicht nach der Musik des Windes tanzen. Das Prinzip selbst braucht keine Technik, denn es birgt sie alle, sagt meine Meisterin und sie ist hier vor meiner Tür. Sie ist allgegenwärtig, zu jeder Zeit in Zukunft und Vergangenheit bereit mich zu lehren. Sie ist sanft und duftend, wie ein Frühlingshauch und gewaltig wie ein Hurrikan, sie nimmt mich auf und trägt mich wenn ich sie beachte, stelle ich mich dagegen zerschmettert sie mich und selbst den stärksten Fels und zieht mich in die dunkle Tiefe ohne Luft und Wärme. Fokussieren um die Elemente zu erkennen, aber nicht trennen und bewerten, hat sie mich gelehrt und so halte ich es auch mit Taijiquan, den Stilen, Wushu, der Musik und dem Tanz.
Eine Bewegung mit dem Arm, dem Schwert, der Feder kann vom Herz kommen und vom Geist geleitet sein und harmonisch mit dem Energiefluss im Einklang sein. Die Töne des Einklangs können wohltemperiert harmonisch mit den Ohren gehört werden oder man spürt die Druckunterschiede der Luft, fühlt also seine Energie und verbindet sich mit ihr, aber man streitet sich nicht, ob diese Kunst dann Tanz oder Taijiquan genannt wird, sagt die allmächtigste auf Erden, sie ist mein Vater und meine Mutter, meine Meisterin, die Natur.

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