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Hic Helmeloh’s Notizblog, hic salta und du wirst glücklich!

Zeige was du kannst, beweise was du behauptest und bringe Argumente vor, wenn du welche kennst. Dieses Motto gefällt mir zwar recht gut, aber genau so gern plaudere ich ab und zu einfach darauf los. So wie jetzt zum Beispiel, aber natürlich kann jeder gerne dazu argumentieren, falls es Argumente gibt, die für oder gegen meine Behauptung sprechen. Ich finde, dass wir zu sehr in der Vergangenheit und viel zu sehr in der Zukunft leben, statt zu versuchen, die Gegenwart zu erfassen. Das wäre eigentlich das Leichteste und trotzdem können wir es nicht. Ich schließe dabei von mir auf andere.
Es passiert mir seit Jahrzehnten immer wieder der gleiche Fehler, obwohl ich darauf achte. Kaum beginne ich irgend etwas, sei es ein Projekt, ein Freizeitbeschäftigung, ein … – irgend etwas eben, schon mache ich mir Gedanken, wie das weiter geht. Was werde ich morgen, nächstes Monat, Jahr machen. Wo werde ich da stehen und wie komme ich dort hin. Es wird geplant, gedacht, getagträumt und in der Zukunft gelebt. Ich hole Erkenntnisse aus der Vergangenheit zum Vergleich ein und baue auf meine Erfahrung, die doch keine seine kann, da ich ja immer den gleichen Fehler machte. In der Vergangenheit lebte ich ja auch hauptsächlich in der Zukunft, wenn ich jetzt also auf Erfahrungen aus der Vergangenheit zurück greife, muss das ein Griff ins Leere sein, denn die Erfahrungen der Vergangenheit, in der ich gedanklich hauptsächlich in der Zukunft lebte, sind sicher nicht die Gegenwart.
Ich erkenne also wie immer, dass ich eigentlich in der Gegenwart leben möchte. Je gegenwärtiger, um so besser, denke ich und erinnere mich an Nitzsches Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben und Sprüche aus dem Buddhismus und dem Taoismus. Ich erinnere mich an das „Loslassen“ und das „Nichterzwingenwollen“ im Taijiquan, wo man wie in Trance die Zukunft und Vergangenheit vergisst und selbst alle eigenen Absichten verwirft. Man versucht nur auf den Partner und eventuelle Aktionen zu achten und im Zentrum zu bleiben, sonst nichts und doch ist es fast unmöglich.
Oben erwähnte ich Sprüche und finde auf Hier und jetzt – Das Glück der Gegenwart folgendes Zitat, das ich in verschiedenen Variationen kenne, einmal ist der weise Mann ein Taijiquan Meister, einmal ein buddhistischer Mönch usw., aber der Sinn bleibt der Gleiche:

Ein weiser Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Aufgaben immer so glücklich sein könne. Da sagte der Mann: “Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich liebe, dann liebe ich …”
Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten: “Aber das tun wir doch auch! Was aber machst Du darüber hinaus?”
Der Mann antwortete nur: “Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich … ”
Wieder sagten die Leute: “Das tun wir genauso!”
Da entgegnete ihnen der Mann: “Nein! Wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon, wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.”

Zu Glück (Wikipedia) fällt mir auch der gute Artikel auf WeltOnline von Ariadne von Schirach ein: Das größte Glück findet man in der Gegenwart der beginnt mit:

Die Gegenwart entsteht innerhalb von Sekunden in unserer Wahrnehmung. In der Gegenwart zu leben, ist die beste Glückstrategie von allen. Jeder Moment ist einzigartig, unwiederbringlich, kostbar. Die richtigen Augenblicke zu finden, das ist eines der Geheimnisse des Glücks.

und vortrefflich endet mit:

Das Hier und Jetzt ist unser bester Verbündeter auf der Suche nach Glück. Und wir – Jäger des geborgenen Schatzes, Sammler einzigartiger Augenblicke und Besitzer herrlichster Subjektivitäten. Leider auch: Sklaven der Zwänge, Virtuosen des allgemeinen und besonderen Scheiterns, bedeutungslose Bewohner einer zufälligen Welt. Aber wie das so ist mit der Freiheit: Man muss nehmen, was man kriegen kann. Und eins, und zwei, und drei.

Jack Kornfield passt mir hier auch gut mit seiner Aussage zur Gegenwart:

Die meisten von uns sind ihr Leben lang von einem Wust von Projekten,
Erwartungen und Plänen für die Zukunft eingenommen,
sowie von Bedauern, Schuldgefühlen und Scham im Hinblick auf die Vergangenheit.
In die Gegenwart zurückzukehren bedeutet dem Konflikt ein Ende zu setzen.

Abschließend möchte ich noch mit einem Zitat eines Zitats auf einen für mich recht interessanten Artikel hinweisen: Liebe zur Sexualität von Von Stephan U. Neumann auf Christ in der Gegenwart.

Denn – so Revenstorf – „Liebe ist Sexualität. Doch ist sie noch weit mehr als das: Liebe ist Altruismus, Treue, Fürsorge, Hingabe. Liebe ist, wenn unser Ich weniger wichtig wird. Sie ist das Erweitern von Grenzen … In der Sexualität geschieht dies im Moment des Orgasmus … Das Ich löst sich vorübergehend auf, und wir sind eins mit dem Anderen. Die Erotik, wenn sie meditativ verstanden wird, kann diese Verbindung mit etwas Größerem bewirken, das außerhalb des Paares liegt.“

Hic Helmelohs Notizblog, hic salta. Wer seine Argumente nicht vorbringen kann, wo sie gefragt sind, hat meistens keine. Aber wie oben erwähnt ist ja plaudern hier auch erwünscht, solange Ansichten nicht als Fakten ausgegeben werden. Übrigens ist Hochstapelei keine Erfindung von heute, auch wenn sie vielleicht heute besonders aktuell ist, aber schon in Äsops Fabel reißt der Angeber Sprüche über seine Weitsprungleistung und soll deshalb sein Können „hier und jetzt“ beweisen – Hic Rhodos! Hic salta!

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