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Conchita Wurst und Adolf Hitler

Wer hier eine Abhandlung über Bart, also Damen-, Dreitages, Voll-, Schnurr- oder des Kaisers Bart erwartet, wird enttäuscht werden. Hier geht es auch ganz sicher nicht um die Einstellung von Wurst zu Hitler und umgekehrt, denn die eine kenne ich nicht und die andere ist unmöglich erfahrbar. Auf Spekulationen lasse ich mich bei diesem heiklen Thema über Toleranz und Gruppenzwang im Kontext der Zeit sicher nicht ein. Naja, einen Satz kann ich mir schon erlauben. Also ich glaube, sogar Hitler hätte die Wurst geliebt, aber umgekehrt kann ich mir das nicht vorstellen.
Warum geht es mir also hier? Es geht mir um ein Phänomen, das ich tot glaubte und jetzt kommen mir Zweifel auf.
Ich habe gelesen, dass Hitler in Österreich zuerst unbeliebt war. Ich habe gelernt und Dokus darüber gesehen, das Hitler beim Einmarsch in Österreich gefeiert, gepriesen und verehrt wurde, wie ein Gott. Ich habe erlebt, dass Hitler heute ungefähr das Schlimmste ist, was es an Ungeheuern auf dieser Welt jemals gab und geben kann. Schon wenn man aus dieser Zeit irgend etwas Positives zu finden wagt, kann man schon wegen Wiederbetätigung belangt werden und ist nicht nur geächtet, verdammt und verflucht, sondern wird wahrscheinlich auch sanktioniert. Daher wage ich es ja nicht zu sagen, dass ich es gut fände, wenn mit den Essensresten (staatliche; Gemeineigentums-) Schweine gefüttert werden würden. Das habe ich jetzt nicht gesagt, denn ich will wirklich keine Klage wegen Wiederbestätigung (absichtlicher Typo).
Ich habe erlebt, dass Conchita unbeliebt in Österreich war und höchstens Ziel des Spottes. Ich habe erlebt, dass Conchita Erfolg hatte und habe sogar selbst für sie gestimmt und ich erlebe, dass sie heute gefeiert, gepriesen und verehrt wird.
Jetzt kann ich euch sagen wo ich die Parallelen von Conchita zu Hitler finde:
„bei dir und bei euch“!
Ich wünsche mir inbrünstig, dass Conchita der nächste Wandel erspart bleibt und Homosexuelle nicht auf einem Kran öffentlich am Rathausplatz erhängt werden, wo gestern der Lifeball statt gefunden hat. Wer jetzt denkt, ich sei total verblödet und wahnsinnig, der werfe einen Blick in Länder, wo die Religion (momentan die islamische) Einfluss in die Politik hat.
Das Bild, das ich oben mit Worten zeichnete, also mit öffentlich auf Kränen erhängten Homosexuellen, ist in meinem Kopf, weil es unlängst (ist höchstens ein paar Jahre her) das Titelbild einer österreichischen Tageszeitung (einer billigen Sonntagsausgabe) war.
Ich habe zwar für Conchita gestimmt, aber ich feiere sie nicht mehr, weil ich Kult und Phänomene wie Gruppenzwang und Massenhysterie fürchte – sehr, sehr fürchte.
Liebe Conchita, wenn es keiner sieht, dann höre ich mir „Rise like a Phönix“ von dir trotzdem noch gern an. Aber nicht zu laut, nicht, damit es keiner hört, sondern auf Lautstärke bin ich eben empfindlich. Wenn etwas zu laut wird, höre ich nichts mehr.

Warnung an alle: „Lasst ja keinen Hitler und keinen Gottesvertreter mehr ins Parlament“ und zeigt wenigstens ab und zu ein bisschen Rückgrat, bzw. stehts amöi a bisserl grod, wie der „godfather“ of Austropop singt:


Du glaubst, du steckst
und find’st kan Weg mehr zruck,
du fühlst di wie a Opfer,
kaltherzig verlassen und ständig
unter ungerechtem Druck.
Doch wennsd immer nachgibst,
is es bald vorbei
du kannst di zurückziehen,
oder du mochst di frei.

Steh grod und schau nach vorn,
denn dei Zeit liegt jetzt vor dir.
Steh grod und vergiss dein Zorn,
denn es steht si ned dafür.
Steh grod und schau nach vorn
und vergiss ned,
es is überhaupt no nix verlorn.

(1419)

Wurst erregt heute Europa

Sind das jetzt echt geile Schlagzeilen, die da heute durch die Medien rauschen oder doch nur ein armer Würstchenschlagzeilenjournalismus? Heute erregt Wurst Europa na bitte, jetzt ist auch klar, weshalb ich über die Wurst schreibe, nicht weil sie (solange sie nichts dagegen hat verwende ich sie für sie, weil „die“ Chonchita und „die“ Wurst) oder der Song-Contest mich interessiert, sondern weil man sich diesen Medienrummel einfach nicht entziehen kann. Also mich wird sie bestimmt nicht erregen, denn ich sehe mir solche Sendungen nicht an, außer es wird gleichzeitig auf Servus TV und ARTE übertragen und ich habe wirklich nichts besseres zu tun, denn als Tele-Voyeur in die Glotze zu gucken. Shows und ähnliches sehe ich mir gewöhnlich nicht an, obwohl es da noch eine Ausnahme, nämlich „The Voice Kids“, gibt. Bei den unzähligen Pseudo-Reality-TV Sendungen hingegen ergreife ich sofort die Flucht, wenn irgendwo (z.B. im Wohnzimmer) so etwas läuft. Zurück zur Wurst, also den Künstlernamen finde ich nicht unbedingt ansprechend, aber das ist vermutlich Absicht, so wie der Bart und außerdem bin ich eher abstoßende Bezeichnungen für gute Produkte aus der Open Source Welt gewohnt, also ist es mir wurst.
Wenn ich schon darüber schreibe, muss ich mich wenigstens auch ein bisschen informieren, daher habe ich mir ihre Seite angesehen conchitawurst.

Und ich habe mir natürlich auch den Song angehört:

Na gut, ich muss sagen, da bin ich von meinen Kids vielleicht zu sehr verwöhnt und mein Genre ist es sowieso überhaupt nicht, aber wenn ich das alles bedenke, kann ich sagen, dass es mir gefällt, soweit mir solche Songs eben gefallen können. Jedenfalls finde ich es gut, dass sie überhaupt teilnehmen darf, da sie sich bezüglich ihres Geschlechtes ja nicht so sicher ist (lese ich auf ihrer Seite) und da hätte ja schon das Antragsformular ein unüberwindliches Hindernis darstellen können, siehe dazu auch UMFRAGE: GESCHLECHTSANGABE IM IDENTITÄTSNACHWEIS.

Den Bart finde ich schrecklich, aber das ist natürlich Geschmackssache und ohne ihn wäre sie vermutlich nicht in den Medien. Ich habe mich in meinem Bekanntenkreis noch kaum über sie unterhalten, aber wenn, dann hieße es immer mit einem Schmunzeln: „ach, das ist doch die mit dem Bart“.
Also mich kratzt er nicht und in diesem Sinne, viel Glück Conchita. Ich werde es mir bestimmt nicht ansehen, aber nicht deshalb weil ich keinen Bock auf Wurst habe, sonder es genügt mir vollkommen, wenn ich am Tag danach, in herum liegenden kostenlosen Zeitungen, die Schlagzeilen lesen muss.

Weblinks:
Song Contest 2014: Wettbüros sehen Conchita Wurst fix im Finale + Video


Bild: APA/MILENKO BADZIC

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