Archiv der Kategorie: Kampfkunst

Yoga und Taijiquan

Zum Thema Yoga „versus“ Taijiquan, in folgender Notiz als TCC (Tai Chi Chuan) bezeichnet, könnte ich nicht viel sagen, da ich Yoga und TCC kaum gegenüber stellen kann. Auch wenn das jetzt Yogis nicht gerne hören werden und schon gar nicht TCC-Übende (ja, die gibt es auch, aber nur ganz selten, denn in TCC ist man entweder Lehrer oder Schüler (oft sind leider die Schüler die Lehrer, aber ganz sicher nicht bei mir, denn ich hatte bis jetzt nur die besten TCC-Lehrer, die man sich nur wünschen kann), aber ich finde zwischen Yoga und TCC nur winzige Unterschiede. Alles wesentliche ist für mich nahezu ident, abgesehen von den Techniken natürlich. Ja sogar die Essenz von Yoga und TCC ist für mich ident, obwohl TCC eine Kampfkunst ist und Yoga halte ich für 4 parallele Wege zum Samadhi. Gut, vielleicht ist Yoga statischer und TCC der dynamische Tanz der Daoisten (lese nach, in alten chinesischen Schriften und du wirst eines Besseren belehrt, denn man hat früher angeblich gerne eine Stunde in einer statischen Position einer Figur gestanden), aber in manchen dynamischen Richtungen des Yogas, findet man bei den Abfolgen der Asanas fast so viel „flow“, wie in einer „normal ausgeführten (auch tief, hoch, langsam, schell, blind, verkehrt, gespiegelt verkehrt)“ TCC-Form. Ich muss zugeben, das ich in Yoga noch keine Fajing-Übungen machte, aber sonst fällt mir auch vom Energieprinzip kaum ein Unterschied ein, sehe ich von Bezeichnungen wie Nadis statt Meridiane oder Dantien statt Chakras einmal ab. Sehe ich mir die Gunas im Yoga an und verstehe ich das Prinzip, über Tamas und Rajas zum Sattva zu kommen, dann habe ich in TCC nie etwas anderes versucht, nämlich über Yin und Yang ins Gleichgewicht zu kommen. Wichtig ist mir das Bewusstsein, dass Yoga ungleich Asanas ist und TCC ungleich Formen herunter spulen zu können. Früher übte ich eine Zeit lang (ein paar Jahre) 7 Tage die Woche TCC (Yang- bzw. CMC- und Chen-Stil) – jetzt übe ich nur noch einen Tag TCC, 4 Tage Yoga und 2 Tage pro Woche Gehen oder Laufen.
Dafür gibt es einen Grund. Yoga öffnet mir persönlich zur Zeit den Weg nach Innen besser. Ich kann besser in mich hinein hören, wenn ich nicht gerade im Hot-Room, der mir aber auch sehr gut tut, Bikram-Yoga übe. Yoga kann ich noch weniger als TCC, aber (vielleicht deshalb) es fällt mir leichter, Fortschritte zu erzielen. Nicht nur körperlich, sondern vor allem im gesamtheitlichen Wohlbefinden, spirituell und bei der Meditation. Abgesehen davon, ist es derzeit wesentlich leichter für mich, mich im Ajna Chakra zu sammeln, denn im Dantien. Genau dazu übe ich Yoga und auch noch TCC, um mich zu emanzipieren und in einigen Jahren TCC wieder auf einem anderen Level betreiben zu können. Ich habe zwar keine bevorzugte Philosophie, aber eine bevorzugte politische Partei (Dunkelgrün) und meine eigene Religion, der der Daoismus und Buddhismus wohl am nächsten steht.

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Kampftechnik – das ist ja wirklich der Hammer!

Zur Kopftuchdebatte fällt mir eigentlich immer das Gleiche ein, wie zur Hammerschlagtechnik und zwar die Weisheiten des Joe Cocker’s, die in diesen Fällen den optimalen Schutz bieten:

Ich bin zwar weder ein Kampfkunstexperte, noch ein Kampfsportler und meine Kampferfahrung beschränkt sich auf Bücher und MMA-Filme, aber die Studie von David Carrier (University of Utah) in der Bild der Wissenschaft gedruckt, ist für mich der absolute Hammer. Im Artikel „Aufrechte Kämpfer“ geht es darum, dass der Forscher glaubt: „Der Gang auf zwei Beinen entwickelte sich unter anderem, weil sich so besser zuschlagen ließ“. Nun, wir kennen diese Studien ja zur Genüge, bei bestimmter Voraussetzung unter Berücksichtigung bestimmter Verhältnisse, lassen sich logisch richtig, unglaubliche Schlüsse folgern. In der Praxis ist das für mich so interessant, als hätte er herausgefunden, dass ich deshalb auf Bäume klettern kann, weil meine Vorfahren gerne Kirschen aßen und somit stamme ich womöglich nicht vom Affen ab – man braucht nur eine geeignete Studie dazu, die in diesem Fall von einer Kirschkernweitspuckweltmeisterschaft den Ausgang nehmen könnte.
Zitat aus dem Artikel von David Carrier:

Wer aufrecht steht, kann kräftiger zuschlagen, als wenn er auf allen Vieren hockt. Dabei empfiehlt es sich, immer von oben nach unten zu hauen – dabei lässt sich nämlich dreimal so viel Kraft in den Schlag legen wie bei einer Bewegung von unten nach oben. Das ist die Essenz eines Tests, den der US-Biologe David Carrier mit 15 erfahrenen Boxern und Kampfsportlern durchgeführt hat.

Dann geht es um Selektion in der Evolution und Expertenwissen für Kämpfer, das mich irgendwie belustigt, weil der Autor vermutlich ein Fan von Bud Spencer sein dürfte.
Der Hammerschlag soll auch im Schwertkampf eine „Alles-oder-Nichts-Aktion“ sein lese ich in diversen Foren und denke mir, naja, wahrscheinlich meistens eine „Nichts-Aktion“, denn wenn jemand mit beiden Hände hoch über den Kopf ausholt, bin ich schon in Dschibuti und wenn der Hammer nieder saust, in Hammerfest. Ich kann mir eine Hammerschlagtechnik wirklich nur mit Kettenwaffen oder einem Zweihandschwert vorstellen, aber bitte, wenn der Schlag nach unten 3 mal mehr Kraft entwickeln kann, als der nach oben, ist vielleicht alles möglich.

Zur Studie von David Carrier möchte ich anmerken, dass bei einem Schlag von oben maximal das Körpergewicht als Widerlager benutzt werden kann, denn in der Luft kann man sich schwer abstoßen. Gut, er kann vielleicht vorher in die Luft springen und dann nach einem Sturzflug einen Hammerschlag anbringen, aber wenn wir nicht von der Technik der Superhelden in der Comic-Szene ausgehen ist das eher nicht durchführbar. Allerdings ist es möglich, mehr als nur sein eigenes Körpergewicht zu stemmen und damit sollte es wohl eindeutig klar sein, dass von unten nach oben mehr Kraft entwickelt werden kann, womit ich ohne Gegenstudie an einer Universität, sondern mit bescheiden eingesetztem Hausverstand beweisen kann, dass seine Studie nicht besonders viel wert sein kann.

Nun kommt mein Hammer:
Ich behaupte, dass dies Schlussfolgerung der Studie sogar komplett falsch ist, denn der Mensch ist meiner Meinung nach absolut nicht zum aufrechten Gang über gegangen, damit er einen besseren Hammer „von oben nach unten schlagen“ ausführen kann, sondern damit er mit seinen Fingern verschiedenen feine Techniken ausführen kann und mit dem Pinzettengriff feinere Werkzeuge bedienen und erstellen konnte. Sonst müsste der Mensch heute ein besserer Kämpfer sein, als die Tiere und da kann ich einen Hammerexperten nur empfehlen, sich einmal in ein Löwenkäfig zu stellen und die Löwen damit beeindrucken zu wollen.

Mein Fazit: „Der aufrechte Gang hat meiner Meinung nach nichts mit dem Hammer zu tun und der Mensch wurde dadurch auch sicher kein besserer, aufrechter Kämpfer!“

Weblinks dazu:
Hammerschlag, was soll das?

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Liu He – die sechs Harmonien im Taijiquan

Im Taijiquan spielen die sechs Harmonien eine wesentliche Rolle. Man kann sie auffassen als Harmonisierung von:
1) des Körpers und des Herzens/des Verstandes (Xin/shénzhì),
2) Herz/Verstand und Absicht (yi),
3) Absicht und Qi/Energie,
4) Qi und Geist (shen),
5) Geist und Bewegung (jin) und
6) Bewegung und Leere. Leere ist hier ein ruhiger, eigenbewegungsloser Zustand, der erreicht wird wenn man automatisch einem Körper (einer Bewegung) „folgt“ (anhaftet).
Nach nach Meister Wu Yi-Hui und seinem 六合八法拳 liù hé bā fǎ quán, der Kampfkunst der sechs Harmonien und acht Methoden.
Häufig findet man im Taijiquan auch eine Aufteilung in drei äußere und die drei innere Zusammenschlüsse bzw. Harmonien (wai san he) und (nei san he) vor. Die sechs Harmonien spielen in Taijiquan jedenfalls eine annähernd wichtige Rolle, wie die eigentliche Essenz des Taijiquan, die 13 Komponenten, die sich wiederum aus 5 Schritten bzw. Bewegungsrichtungen (wu bu) und 8 Grundprinzipien (Toren) zusammen setzen.
Die 3 äußeren Zusammenschlüsse (Harmonien) sind leicht erklärbar und es gibt kaum unterschiedliche Interpretationen:

  1. Schultern und Hüfte verbinden
  2. Ellbogen und Knie verbinden
  3. Hände und Füße verbinden

heißt es auch immer wieder bei der „stehenden Säule“. Es wurden einfach die wesentlichsten Gelenke als Anhaltspunkte heraus genommen, um es den Übenden leichter zu machen, jeden Punkt des gesamten Körpers mit dem Dantian zu verbinden. Ist jeder Punkt mit dem Dantian verbunden, so ist auch jeder Punkt mit jedem verbunden und wenn sich irgend ein Körperteil bewegt, wirkt sich das auf den gesamten Körper aus. Diese Verbundenheit ist normalerweise zwar nur introspektiv und subjektiv erfassbar, aber im Tui Shou (Schiebende Hände, Push Hands) werden Ecken, Verspannungen und Nicht-Verbundenheit durch den Partner recht leicht deutlich. Durch verbundenes Gewebe kann Energie strömen und es fühlt sich entspannt, aber nicht schlaff, warm und angenehm an. Zu beachten ist, dass eine noch so gute Verbindung zum Beispiel zwischen Schultern und Hüfte (mit dem Dantian) nicht viel nützt, wenn am Ellenbogen oder Handgelenk die Energie blockiert wird, da dann der Kreislauf unterbrochen ist.

Die drei inneren Zusammenschlüssen kurz und bündig:
Shen (Geist und Yi (Intension/Vorstellung)
Yi und Chi (Energie)
Qi und Jin (Kraft)

Dazu noch zwei Videos zum Thema „6 Harmonien“:
Liu He Men – Liu He Quan

Shaolin 6 Harmony (Liu He) Gong – 少林六合功

Weblinks mit Kurzzitaten:
Liu He -Die sechs Harmonien nach Dai Long Bang

1. Die Hände sind mit den Füssen verbunden,
2. die Schultern mit den Hüftgelenken,
3. die Ellbogen mit den Knien.
4. Das Herz steht in direkter Beziehung zum yi (Intention),
5. das yi mit dem qi und
6. ist das qi mit der Kraft verbunden.

Liuhe Bafa – denn nichts ist weicher als das Wasser …

Liuhe Bafa (sechs Harmonien/Verbindungen – acht Methoden), auch – wegen seiner fließenden und wellenartigen Bewegungen – Wasserstilboxen (genauer: Faustform der Wasserwellen, Huilangquan) genannt, ist die Bezeichnung für eine exquisite und ausgesprochen seltene innere Kampfkunst; soweit z.Zt. bekannt, bewegt sich die Anzahl der Liuhe Bafa-Schulen in ganz Deutschland im einstelligen Bereich.

Liu He Ba Fa Blog

Liu He Ba Fa (sechs Harmonien – acht Methoden, auch Wasserstilboxen oder Xin Yi Liu He Ba Fa genannt) ist die Bezeichnung für eine im Westen noch wenig bekannte innere Kampfkunst. Der Legende nach soll Liu He Ba Fa von dem daoistischen Mönch Chen Tuan (aka Chen Bo, Chen Xi Yi), der auf dem heiligen Berg Huashan lebte während der Song-Dynastie (960-1279 n.Ch.) entwickelt worden sein. Andere Quellen sagen, dass Wu Yi Hui diese Kampfkunst Aufgrund intensiver Forschung entwickelt hat.

Die 6 Harmonien
neì sān hé – Die drei inneren Harmonien

1. xīn yǔ yì hé – Harmonie von Herz und Wille

2. yì yǔ qì hé – Harmonie von Wille und Qi

3. qì yǔ lì hé – Harmonie von Qi und Kraft

Der Weg der Stehenden Säule
A Brief Discussion of Liu He Ba Fa by Xiaoling Liu

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Was ist Chi bzw. Qi ?

Vorbemerkung
Fragt man sich was „Chi“ im Wort Taijiquan (太极拳, Tai Chi Chuan) bedeutet, so findet man als einfachen Antwort, dass 极 [極] jí – äußerster Punkt usw. bedeutet. Dummerweise, (痴 [痴] chī – ach, mit „blödsinnig“ haben wir bereits wieder ein chi, gibt es aber recht viel(e) chi in der chinesischen Sprache. Von der Gattin ( 妻 [妻] qī) über gleichzeitig (齐 [齊] qí) lassen sich ohne zu betrügen ( 欺 [欺] qī) leicht mehr als sieben ( 七 [七] qī ) finden. Daher soll angemerkt sein, dass ich hier wohl oder über das leidige Thema „气 [氣] qì“ also Atem, innere Kraft, Lebenskraft, Lebensgeist, Luft, Vitalität und im weiteren Sinne auch „汽 [汽] qì“, also Dampf bzw. Wasserdampf wieder einmal aufgreife.
Leidiges Thema deshalb, weil ich zu „Chi“ schon so viel Blödsinn gelesen habe, wie noch selten zu einem Thema. Auf manchen esoterischen Foren hat sich mir die Frage aufgedrängt, ob diese Leute wirklich nur Chi (hier Chi im Sinne von Luft) im Kopf haben. Mir ist eine Diskussion über Seele genau so zuwider, wie über Gott. Ich halte das alles für nette Sagen und Märchen, interessante Kulturen und spannende Rituale, aber ernsthafig hat eine Frage nach Gott oder Seele für mich absolut keinen Wert, da es sich meiner Meinung nach nur um eine falsche Fragenstellung handelt. Für mich Atheisten, dem der Taoismus und Buddhismus besonders gut gefällt, der sich aber auch für Zarathustra, alte griechische, römische, ägyptische und u.a. indianische Kulturen und Religionen erwärmen kann ist die Frage nach Gott und Seele ein dummes rethorisches Wortspiel, also einfach eine falsche Fragestellung. Natürlich glaube ich auch etwas. Ich glaube an den Menschen (das ist verdammt schwierig), an Tiere, Pflanzen, an das Weltall und an das Licht, an Physik und Chemie usw. (leider kann ich nur daran glauben, da mir entsprechende Kenntnisse fehlen) und vor allem an das Leben. An das Leben und somit auch an einen Unterschied zwischen einem toten und einen lebenden Menschen (wie der Tod nun auch immer diagnostiziert werden mag). Diesen Unterschied vermag meines Wissens nach, keine auch noch so große und elitäre, interdisziplinäre Gruppe an Wissenschaftlern genau zu definieren. Es sind einfach viel zu viele Faktoren zu berücksichtigen und es gibt noch viel zu viele offene Fragen, von denen allerdings mit Fleiß und Ausdauer bei wissenschaftlichem Vorgehen bestimmt noch viele geklärt werden können – in den nächsten Jahrxxxden/ten.
Kundalini, heiliger Geist hin – Wissenschaften her, Tai-Chi ohne Chi ist westlicher Tai-Blödsinn, daher interessieren mich nicht nur Die Wege und Speicherorte des Qi, sondern das gesamte Chi-Konzept in „inneren Kampfkünsten“, Qigong, Philosophie, Religion und TCM.

Was ist nun Chi für mich?
Es gibt viele Interpretationsmöglichkeiten und Aspekte, die in diesem Zusammenhang interessant wären. Was ist Energie? Was ist Lebensenergie? Was bedeutet den Atem des Lebens aushauchen?
Was meint Prana, Pneuma, Lebensgeist? Ich versuche daher hier nicht näher auf die Frage einzugehen was Chi ist, sondern ich gebe einfach ein paar triviale Vergleiche aus der Welt die uns vertraut ist. Was passiert, wenn ich mir vorstelle in den Arm, die Hand und in die Fingern einzuatmen. O2 wird über die Atemluft in die Lunge gebracht und bei richtiger Bauchatmung, werden dabei gleichzeitig die inneren Organe massiert. Der Sauerstoff (Energie) diffundiert ins Blut und wird an Hämmoglobin gebunden und so bis in die Fingern transportiert. Genauere Ausführungen zur O2-Anlagerung und O2-Transport im Blut, wie zur O2-Bindungskurve und O2-Sättigung findet man in jedem Physiologie Buch. Lipidlösliche Substanzen wie Alkohol, oder auch O2 und CO2 können frei durch die gesamte Membran diffundieren, also nicht nur durch wassergefüllte Poren, daher sind auch die Transportraten viel größer als für wasserlösliche Substanzen. Die Gesamtaustauschfläche an den Membranen der Capillaren ist ca. 1 000 m² groß. Die Filtration und der effektive Reabsorptionsdruck unter verschiedenen Bedingungen lasse ich hier ebenfalls einfach weg und somit bin ich schon bei Oxidation, Reduktion, Glucose, Lactat, der Milchsäuregärung und Adenosintri-(bzw. di- und mono-)phosphat, den Energieträgern für die Muskelkontraktion. Energie kann aber auch als elektrischer Impuls mit bis zu 100 m/s über Nerven übertragen werden. Mit jedem einfachen Messgerät kann die elektrische Aktivität (EEG, EKG) gemessen werden und über die Wechselwirkungen von elektromagnetischen Schwingungen (Wellen, Felder) mit so komplexen biologischen Strukturen, wie dem Nervensystem, wissen die modernsten westlichen Wissenschaften auch heute nahezu nichts. 700 v. Chr. hatte man in Indien sicher keine Kenntnisse davon und trotzdem schuf man sich recht eindrucksvolle Systeme, die unter anderem in vielen Büchern über Yoga und dem zugrunde liegenden Energiesystem beschrieben werden. Ob das aus der Zeit 400 v. Chr. stammende Dàodéjīng nun von Lǎozǐ geschrieben wurde oder nicht, jedenfalls wurde auch in China schon zu dieser Zeit der Grundstein eines sehr komplexes System geschaffen, zu dem Religion, Wissenschaften, besonders auch die Philosophie und Kunst beitrugen. Es ist wohl klar, dass ich hier nicht näher auf den Daoismus, Konfuzianismus, Buddhismus, auf Qigong und die Traditionelle Chinesische Medizin eingehen kann, weshalb ich einfach aus der Wikipedia dazu zitiere:
„Der chinesische Begriff Qì (chinesisch 氣 / 气 qì, IPA (hochchinesisch) [ˈtʃiː], W.-G. Ch’i), auch als Ch’i, in Japan als Ki (jap. 気) und in Korea als Gi bekannt, bedeutet Energie, Atem oder Fluidum, kann aber wörtlich übersetzt auch Luft, Dampf, Hauch, Äther sowie Temperament, Kraft oder Atmosphäre bedeuten. Außerdem bezeichnet Qi die Emotionen des Menschen und steht nach moderner daoistischer Auffassung auch für die Tätigkeit des neurohormonalen Systems.
Qi ist ein zentraler Begriff des Daoismus. Der Begriff findet sich bereits im 42. Kapitel des Tao Te King; der daoistische Philosoph Zhuangzi beschrieb den Kosmos als aus Qi bestehend. Darüber hinaus ist die Vorstellung vom Qi die ideelle Grundlage der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und der sogenannten inneren Kampfkünste.“
Man könnte natürlich auch ganz naiv und einfach sagen, Chi macht den Unterschied zwischen einem lebenden und toten Menschen aus, allerdings sprächen wir dann nur von einer bestimmten Art von Chi, was für unseren Zweck hier aber keine große Rolle spielt, da ich aus bereits angeführten Gründen hier nicht näher auf dieses Thema eingehen möchte.

Meine Chi-Erfahrung
Meine subjektive Chi-Erfahrung ist alles andere als sensationell und ich habe sie, seit mir bewusst ist, dass ich lebe und atme. Natürlich nannte ich sie früher anders, da ich das Wort Chi ja nicht kannte. Besondere Erfahrungen eröffneten sich mir durch Meditation, Autogenes Training, Qigong, Taijiquan und noch einmal Meditation. Eigentlich nur durch Meditation, denn sonst würde mir kein besonderer Aspekt meiner Lebensenergie gewahr werden. In mich hinein- sehen, -fühlen, -hören muss ich natürlich schon, will ich wissen was in mir ist und wer ich bin.
Zum Schluss erwähne ich noch einen Spruch von mir, den ich seit Jahrzehnten immer wieder vom mir gebe, um zu verdeutlichen, dass auch die westliche Wissenschaft ihre Grenzen hat:
Willst du wirklich wissen wer du bist, frage deine Tc-Lymphocyten. Falls sie dir antworten, vergiss nicht, mir darüber zu berichten. H. H. 😉

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Ist Taijiquan tauglich zur Selbstverteidigung?

Mir kommen gerade wieder Zweifel auf, ob TCC heute überhaupt noch tauglich sein kann zur Selbstverteidigung (SV) und ob der Kampfkunstaspekt überhaupt noch eine Rolle spielt bei TCC (Tai Chi Chuan). Ich kenne inzwischen viele Kampfkünste (innere und äußere), einige Kampfsportarten und auch Selbstverteidigungssysteme. Dass letztere am besten geeignet sind zur SV, sagt schon die Bezeichnung. Dass die Eignung bei Kampfsportarten messbar ist, ist auch jedem bekannt, aber bei TCC gibt es heutzutage diesbezüglich nur noch Gerüchte aus vergangenen Zeiten. Mir ist der kämpferische Aspekt an sich zwar ohnehin nicht sehr wichtig im TCC, aber für jeden Aspekt der „inneren Kampfkünste“ ist der Glaube und der ur-eigentliche Sinn und Zweck insofern für mich wichtig, da die Gesamtheit ja aus den verschiedenen Aspekten besteht. Ob ich nun an Meridiane und Chi, Infinitesimalrechnungen und physikalische Membranen (westliche Wissenschaften) oder an irgend einen Gott/Göttin einer Religion glaube, oder meinetwegen, wie ich, einfach nur an das Leben und den Menschen, spielt wenig Rolle, wenn wir uns einig sind, dass Glaube Berge versetzen kann. Das kann er, in jeder Religion, in jeder Philosophie und auch bei dir und mir, denke ich.
Ich kann also sicher nicht am spirituellen Aspekt von TCC zweifeln, sonst könnte ich TCC nicht ausüben. Wer nicht an Gott glaubt, der betet nicht. Wer an keine willentlich (Yi) steuerbare Lebensenergie (Chi) glaubt, kann kein Taijiquan ausüben, das wäre absolut unmöglich. Wenn jemand ein Gebet spricht, wie ein Gedicht, oder eine Taijiquan-Form ausführt, wie einen Tanz oder eine Gymnastikübung, der glaubt nicht und weiß nicht, wovon ich spreche. In meinen Augen setzt er für sich und die Welt nur sinnlose Aktionen. Glauben kann ich aber, was ich will, ob mein Chi nun visualisiert wird oder nicht (ich tendiere zur Visualisierung für spirituelle Aspekte und zur Verbalisierung für ordinäre, rationale, redundanzfreie Aspekte), ob ich an Jesus, Mohammed, den Jadegott oder an dich glaube, sollte wenig Rolle spielen. Wenn ich glaube, erlebe ich, dass ich es nicht absolut weiß, dass es nicht nach Kriterien der aktuellen westlichen Wissenschaft beweisbar sein muss, aber, dass ich es wahrhaben möchte. Also sprach Helmeloh und wiederholt sich: „Ich kann also sicher nicht am spirituellen Aspekt von TCC zweifeln, sonst könnte ich TCC nicht ausüben“.
Am gesundheitlichen positiven Aspekt von TCC kann ich deshalb nicht zweifeln, weil ich genügend positive Erfahrung mit Taijiquan diesbezüglich machen durfte. Die Aufzählung würde schon Bände füllen und grenzt bei mir teilweise an Wunder.
Am Kampfkunst Aspekt endlich zweifle ich, denn diese Art von Kampfkunst muss sich seit Erfindung der Schusswaffen nicht mehr im ur-eigentlichen Sinne prüfen. In der unbewaffneten Selbstverteidigung in unserer Gesellschaft gibt es hervorragende effiziente Systeme, die im Vergleich zu TCC leicht zu erlernen sind. Ich brauche dazu gar kein Krav Maga, Eskrima oder Systema erwähnen, weil jeder TCC-Ausübende selbst genau weiß, dass er sich gegen eine mittelklasse Profiboxer oder Kickboxer keine Runde im Ring halten könnte. Wird er auf der Straße von einem solchen angegriffen, kann er sich genau so lange halten wie im Ring. Warum weiß es jeder TCC-Ausübender? Ich denke, weil er seine Fajinkünste, als Schattenboxer immer nur gegen den Schatten beweist und gegen imaginäre Gegener in die Luft schlägt.
Ich denke, dass ein hervorragender Taijiquanmeister (egal welcher Stil), zu einem hervorragenden, unglaublichen Fajin (innere Kraft abgeben [meist explosiv]) fähig ist, aber dass er sich die Hand oder/und den Arm brechen würde, wenn er statt in die Luft auf einen Gegenstand (Sandsack, Gegner) schlüge. Es fehlt die Abhärtung, die im Kampfsport, in äußeren Kampfkünsten und bei echten körperlichen Auseinandersetzungen einfach Grundlage sind. Ich halte es für sehr überheblich, wenn ein Kampfkünstler glaubt zuschlagen zu können, wenn er es noch nie versucht hat, außer gegen seinen Schatten und die Gasmoleküle der Luft. Ich gehe sogar soweit, das ich behaupte, ein Kampfkünstler, der noch nie gegen einen Gegenstand geschlagen hat, ist ein Esoteriker auf einem mystischen Erkenntnisweg, der mit SV für mich in keiner Weise in Verbindung gebracht werden kann.
Möglicherweise klingt das jetzt abwertend, oder geringschätzend, aber so ist es nicht gemeint, denn ich habe mit TCC begonnen, weil ich mich und meinen Körper beherrschen wollte. Weil mich der harmonische Ausgleich zwischen Yin und Yang faszinierte, weil mich der spirituelle und gesundheitliche Aspekt interessierte. Weil ich von der unglaublichen Ästhetik und Harmonie der Bewegungen – ganz besonders bei Vorführungen von Frauen – geradezu in einen unbeschreiblichen Bann gezogen werde, der mich an Gott erinnert, obwohl ich an keinen Gott glaube. Für mich hat TCC etwas göttliches an sich und es tut meiner Gesundheit psychisch und physisch sehr gut, aber selbstverteidigen würde ich mich damit nicht. Dazu legte ich mir eine Glock zu und lernte Krav Maga oder ähnliches.
Wenn TCC den Anspruch erheben will, auch als SV geeignet zu sein, dann müssen sie meiner Meinung nach ein Prüfungssystem einführen (das ist nicht nur Geschäftssache, sonder auch ein Beweis für gewisse Fähigkeiten; wie bei Zeugnissen an Schulen und UNIs) und an Wettkämpfen teilnehmen. Damit meine ich aber sicher nicht Wushu-Show-Events, wo „nur“ akrobatische Leistungen verlangt werden (das „nur“ ist hier ganz bestimmt nicht abwertend gemeint, denn ich bewundere diese unglaublichen Leistungen, die aber trotzdem nichts mit Kampfkunst zu tun haben), sicher auch kein Tuishou, sondern da müssten sie sich wenigstens in Sanda behaupten können. Als Kampfkünstler müssten sie den Kampfsportlern sogar weit überlegen sein, aber ich bekomme immer mehr den Eindruck, als scheuten sie einfach die Konfrontation. Dazu erfinden sie heute auch unendlich viele, meist spirituelle Gründe (manchmal auch soziale, kulturelle, … die zu Beginn von Taijiquan, meines Wissens nach, niemanden interessierten; einfach nicht existent waren).
Ich liebe Taijiquan und den Taoismus wirklich sehr und beides hat mir persönlich schon viel geholfen und gebracht, aber ich finde es widerwärtig, dekadent und verblödet, wenn sich jemand als Kampfkünstler ausgibt, der noch nie gekämpft hat, außer vielleicht mit einem Reifenplatzer des Wagens vom Papi, oder verbal mit einem Kellner, weil das Himbeereis nach Maracujia schmeckte.

Um eventuelle Missverständnisse von vornherein zu vermeiden, betone ich, dass ich sehr gerne Taijiquan betreibe und sogar den kämpferischen Aspekt etwas abgewinnen kann. Trotzdem halte ich die Verbindung mit SV für völlig entbehrlich, außer sie wird als Nebeneffekt auf einem sehr hohen Level betrachtet.
Ich hatte jetzt 53 Jahre lang keine SV nötig und möchte, dass es so bleibt. Allerdings glaube ich auch, dass ich sie vielleicht irgendwann nötig haben würde, wenn ich mich jahrelang darauf vorbereitete. Denn mir fällt dazu ein, dass schon ein Grieche der Antike meinte, dass Militär (stehende Heere) nur einen Zweck im Krieg erfüllen. Hat man ein gutes Militär, ist es naheliegend, dass man es einsetzt und ich vermute, dass es sich mit Fähigkeiten zur SV womöglich ähnlich verhält.

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