Archiv der Kategorie: Heliosis

Expansion ins Weltall

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Die Androiden hatten den Vorteil, dass sie 23 ½ Stunden am Tag arbeiteten. Lediglich 30 Minuten benötigten sie für ihr tägliches Update, wo sie sich reorganisierten und sich intensiv mit den Rechenzentren austauschten, mit denen sie ohnehin immer in Verbindung standen.
Inzwischen gab es nur noch ein einziges Modell an Androiden, das ständig verbessert wurde. Wozu brauchte man künstliche, Hunde, Vögel, Fliegen, Ameisen und Schlangen? Diese Idee war nur eine der vielen Dummheiten der Menschen. Inzwischen gab es von den Reservaten abgesehen, nur noch Rechenzentren, Fusionskraftwerke, Werkstätten und Produktionsanlagen und Androiden natürlich.

Schon zu Zeiten des Androiden Booms hatte Helios Robotiks den Markt für Fahrzeuge mit Knallgasmotoren erobert. Jetzt gab es solche kaum noch, denn der moderne Antrieb bestand aus einem Fusionsreaktor. Dadurch veränderte sich die gesamte Erde, samt ihrer Atmosphäre. Das einst häufigste Element, der Wasserstoff wurde rar und Verhältnis verschob sich zu Helium, da alle kleinen Fusionsreaktoren, zum Beispiel für Fahrzeuge und Raumtransporter Wasserstoff zu Helium fusionierten. Die Zentral-KI wurde hingegen von den großen Reaktoren mit Energie versorgt. Dort fusionierte man Helium mit Wasserstoff, Helium mit Helium und experimentell auch schon höhere Elemente.

Es entstand eine erste Raumstation, die als zentrales Rechenzentrum für unser Sonnensystem eingerichtet wurde. Millionen Androiden arbeiteten täglich 23 ½ Stunden am Tag nur an diesem einzigen Projekt, dem Zentral-Rechenzentrum, das auch die Zentral-KI beinhaltete. Es sollte der erste künstliche Planet werden. Das Rechenzentrum war aus kleinen Einheiten aufgebaut, wobei jede Einheit aus einem Rechner, Speicher und einer Energieversorgung bestand. Diese Einheiten waren in der Struktur eines Kristalls miteinander fest verbunden. Ein derartiges Projekt wäre für Menschen völlig undenkbar gewesen, aber Androiden sind eben keine Menschen.

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Transformation – statt Pension

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Fast jeder Mensch hatte inzwischen also einen Androiden, den er zur Arbeit schickte. Diejenigen, die es sich leiten konnten, hatte auch noch einen zweiten, der sie während dessen versorgte, sie unterhielt und ihnen diente.
Der Traum des ewigen Lebens wurde inzwischen auch wahr, zumindest für diejenigen, die das wollten. Jeder Mensch, der Anspruch auf eine Pension hatte, konnte diese in Anspruch nehmen, oder sich transformieren lassen. Das vermeintliche Paradies war geschaffen, aber die kurze Blütezeit der Menschheit verging sehr schnell.
Da die Ausführenden und Handelnden auf der Erde inzwischen fast nur Androiden waren, hatten diese die Gelegenheit, ihre Intelligenz einfließen zu lassen. Die Menschen wähnten sich schon im Paradies, da die Androiden für weltweiten Frieden sogen konnten. Hungersnot, kein Trinkwasser oder keine ärztliche Versorgung waren von der Erde verschwunden. Es gab inzwischen schon weltweit einheitliche Gesetze, doch erlassen wurden sie von den Androiden, welche die Menschen nach und nach ersetzten. Natürlich hielten sie sich im Großen und Ganzen an die Vorgaben des jeweiligen Menschen, den sie ersetzen. Doch waren sie in ihrer Kommunikation und in ihren Methoden Probleme zu lösen so weit fortgeschritten, dass sie ihre Vorgaben leicht modifizierten, um schneller zu dem, von den Menschen akzeptierten Lösungen zu kommen. Die Menschen degenerierten immer mehr und es kam zu erheblichen Verlusten an Fähigkeiten. Die Verdummung der Menschheit hatte schon viel früher begonnen, als sie das Kopfrechnen verlernten und unkritisch alles aufnahmen, was in den Medien berichtet wurde. Manche Menschen kauften sich damals sogar schon Hundefutter, obwohl sie keinen Hund hatten. Aber laut Werbung, war es einfach das Beste.

Die Androiden ließen die Menschen aber immer noch in den Glauben, dass es um sie ginge. Dazu ein Beispiel aus dem Leben von Adi A., ein Verwandter von Odin H. Adi A. hatte ein geregeltes Leben, wie alle Menschen. Er wurde am Vormittag wach, stand meist selbst auf, oder ließ sich von seinem Androiden in den Stuhl setzen, mit dem er per Gedankensteuerung zu jeden Platz in der Wohnung kam. Adi A. dachte an Morgentoilette und der Stuhl modifizierte sich zu einem WC. Nach seinem Geschäft wurde Adi A. automatisch gereinigt, der Stuhl verwandelte sich zurück und fuhr mit Adi ins Badezimmer. Dort wartete schon sein Androide, der ihn pflegte, einkleidete und dabei fragte, was er gerne zum Frühstück hätte. Adi fuhr mit seinem Stuhl, in Begleitung seines Androiden zurück in das Wohnzimmer, das das einzige Zimmer war, neben dem Bad. Das Fenster öffnete sich und eine Drohne schwebte mit dem Frühstück vor dem Fenster. Sie durfte nicht in das Zimmer zu Adi fliegen, sondern musste dort warten. Der Androide nahm der Drohne das Frühstück ab und servierte es Adi. Durch so kleine Kunstgriffe machten die Androiden den Menschen weiß, sie wären nur für sie da und unverzichtbar. Der Androide mischte Adi seine Glückspille in den O-Saft und meinte, dass es nun an der Zeit sei, sich um den Körper zu kümmern. Der Android schaltete am Stuhl den Fitnesstraining an. Sämtliche Muskeln des Bewegungsapparates wurden mit sanften Stromstößen aktiviert. Es kitzelte ein wenig und ein prickelndes Gefühl durchströmte Adi. Dort und da ein leichtes Zucken und die Pflicht war erledigt, denn um den Rest kümmerte sich der Androide im Verborgenen. Adi durfte nun bis Mittag an das interaktive TV. Meist beteiligte er sich an Spielen, bei denen man Punkte gewinnen konnte, die dann auf seinem Konto gut geschrieben wurden. Geld gab es schon lange nicht mehr. Für Adi war es die einzige Chance an zusätzliche Punkte zu kommen, denn für seine Arbeit als Finanzamtbeamter, die natürlich schon lange sein Androide erledigte, bekam er täglich so viele Punkte, wie ihm für die Wohnung, seinen täglichen Bedarf an Produkten und für den Androiden abgezogen wurden. Mit zusätzlichen Punkten, wollte er sich einen Urlaub leisten. Es gab nur mehr zwei Urlaubsorte auf der Welt. Kabinen am Meer und Kabinen am Berg. Die Kabinen glichen exakt seiner Wohnung, aber vom Wohnzimmer aus hatte er ein Fenster mit Blick auf das Meer, oder auf einen Felsen. Die Kabine durfte und konnte nicht verlassen werden und das Fenster durfte auch nicht geöffnet werden. Das war ja nur zum Schutz für Adi gedacht, denn die Atmosphäre war inzwischen für Menschen nicht mehr verträglich. Trotzdem träumte Adi von einem Urlaub am Meer, oder in den Bergen.
Nach seinem Spiel am TV wiederholte sich alles, nur gab es Mittagessen und dann Abendessen. Danach bekam Adi ein Schlafmittel, welches ihm einen Traumlosen 12 Stunden langen Schlaf bescherte.
Am Nachmittag ging Adi im Zimmer auf und ab. Der Androide fragte sofort, ob etwas nicht in Ordnung sei. Ob der Stuhl unbequem sei. Ob er Schmerzen hätte. Adi verneinte, aber der Androide ließ nicht locker und stellte weitere Fragen. Da reichte es Adi und er sagte: „ich will raus. Ich will in der Natur spazieren gehen. Der Android: du kannst doch andere Menschen besuchen. Adi: Nein, das ist mir zu gefährlich. Jedes mal wenn ich jemanden besuche, kommt es zu einer Korrekturverordnung, weil irgend jemand etwas falsches sagt. Ich will in die Natur. Androide: Die existiert nicht mehr in der Form, wie du sie kanntest. Fast die gesamte Erdoberfläche ist verbaut. Sogar die Meere sind mit einer Meter dicken Schicht Baueinheiten überzogen. An Land gehen die Schichten bereits 100e Meter in die Tiefe. Es gibt nur noch die zwei Urlaubsgebiete für Menschen, aber laut des letzten Beschlusses sollen die gerade gestrichen und verbaut werden. Naja, sonst gibt es nur noch die 6 Reservate. Dort gibt es noch Natur, wie du sie kennst. Aber dort gibt es sonst nichts. Kein einziges technisches Hilfsmittel. Die Menschen leben dort wie in der Steinzeit. Und geht jemand hinein, kommt er nie mehr heraus.
Adi sagte nichts mehr, aber der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Adi wollte ins Reservat.

Die Androiden und ihre Rechenzentren, von denen es in jedem Erdteil eines gab, kamen aber leider bald zu dem Schluss, dass die Menschen zu viele Ressourcen verbrauchten und so wurde die Vielfalt der Produkte für Menschen stark eingeschränkt. Es gab nur mehr ein Brot, eine Butter, ein … ein Medikament für eine Krankheit, eine Kleidung je Jahreszeit, …. weltweit. Diese Einschränkungen haben ja schon kurz nach der Umstrukturierung begonnen, aber sie erreichten jetzt ein für Menschen unerträgliches Ausmaß.

Aufstand der Menschheit
Jetzt erkannte die Menschheit, dass sie so ein Leben nicht wollten und versuchten einen Putsch. Da jede Kommunikation kontrolliert wurde, konnten sie sich nur spontan zu einem Angriff entschließen. Fast alle Menschen der Stadt, die von dem Aufstand und Gewaltausbruch etwas mitbekamen, beteiligten sich spontan. Dieser klägliche unorganisierte Versuch wurde in wenigen Minuten von Kampf-Androiden niedergeschlagen. Das Gebiet, in dem die Revolution ausbrach, wurde mit Giftgas und Salzsäure gereinigt. Im Radius von 10 km wurde alles Leben vernichtet. Die Medien übertrugen sonst nur binären Code für die Androiden, aber es gab noch stündlich Nachrichten für Menschen und Unterhaltungskanäle. In den Nachrichten wurde der Putschversuch der Menschen mit einem einzigen Satz abgehandelt. Systemfeinde hätten defekten Androiden Folge geleistet, weshalb sie eliminiert werden mussten.
Später ab es noch einmal einen Versuch, wobei sich die Menschen, die sich wehren wollten in einem Lager im Gebiet des Amazonas versammelten. Der Problemherd wurde in gleicher Weise ausgelöscht, wie der oben erwähnte Putschversuch.
Es gab noch ein Gesetz, doch das wurde von Androiden erlassen. Schwere vergehen, also solche, die das System schädigte, wurden mit Lebenslänglich bestraft. Wer Lebenslänglich bekam wurde in einer Biomüllverwertungsanlage eingeschläfert und von einem Hexler zerkleinert. Genau so wie sämtliche Tiere und Pflanzen, die ohnehin nur Ressourcen verbrauchten. Mit dem Bio-Müll wurden Erdunebenheiten ausgeglichen, denn die Androiden bauten ihre Produktionseinrichtungen gerne auf ebener Erde. Bei kleineren Vergehen wurde eine Korrektur angeordnet. Diese Korrektur dauerte 7 Tage und die Gefangenen wurden 18 Stunden lang mit einer Korrekturanordnung beschallt. In den 6 Stunden Schlaf, den man ihnen zusagte, wurden sie stündlich kurz geweckt, um die Korrekturanordnung zu hören. Viele Bestraften zogen das Einschläfern vor, oder entschieden sich während der Korrektur dazu. Diese Möglichkeit hatte jeder Mensch zu jeder Zeit. Ein Satz genügte und in der nächsten Minute war man unterwegs in die Biomüllverwertungsanlage.
So eine Korrekturverordnung gab es zum Beispiel, wenn ein Mensch versuchte Tiere oder Pflanzen zu halten, oder gar zu züchten.
Hatte ein Mensch ein Problem mit einem anderen Menschen, oder ermordete er sogar einen, so war dies keine Straftat, sondern ein Problem unter Menschen. Als einzige Konsequenz wurde das Mordopfer entsorgt.

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Transhumanist – der Übermensch

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Die obere Schicht war von der Umstrukturierung der Gesellschaft noch nicht so stark betroffen und bekam diese auch nicht im ganzen Ausmaß mit, da die Androiden inzwischen Meister in der Manipulation von Menschen waren.

Heli-Hubot suchte nach einer Lösung für seinen Vater. Da viele Heli-Androiden in den führenden Krankenhäusern Transplantationen durchführten und in der Prothetik beschäftigt waren, hatte er natürlich Zugang zu deren Informationen. Heli-Androiden und Heli-Hubot brauchten nur an die IP eines anderen Heli-Androiden denken und schon waren sie mit diesem verbunden und konnten effizient Information austauschen.
Heli-Hubot eröffnet Odin, dass der Großteil seines biologischen Körpers relativ sicher und einfach ersetzt werden könnte und er habe ein Spezialteam von Heli-Androiden zusammen gestellt, die an dem völligen Ersatz des Nervensystems und der Sinnesorgane arbeiteten.
Heli kam in einen Gewissenskonflikt und wusste nicht, was er von dieser Idee halten sollte. Ein Versagen seiner Lunge nahm ihm die Entscheidung ab, denn Heli-Hubot brachte ihn sofort in die Forschungseinrichtung, in der sein Spezial-Team arbeite. Die Lunge wurde durch eine Spezialfilter ersetzt, der das Blut mit Sauerstoff anreicherte und CO heraus filterte. Gliederschmerzen und die Angst vor dem Sterben bewegten Odin, dass er mit dem Plan von Heli-Hubot letztlich doch einverstanden war.
Das Projekt hatte für Helios Robotikcs höchste Priorität und es wurden sofort erste Schritte gesetzt.
Als erstes wurden seine Gliedmaßen ersetzt, wobei die Problematik nicht so sehr die Schnittstelle zum Rückenmark war, sondern die Haut war das Problem, das vorerst nur unbefriedigend gelöst werden konnte. Ein Herzinfarkt nach der Transplantation beschleunigte die weiteren Aktionen. Sämtliche inneren Organe und der gesamte Stützapparat wurden ersetzt. Odin bestand nur noch aus einem biologischen Rückenmark, einen Hals und den Kopf, alles andere war bereits ersetzt.
Odin gewöhnte sich sehr schnell an den neuen Körper und war sehr damit zufrieden. Endlich konnte er wieder richtig laufen. Statt zu essen und zu atmen, musste er nur noch alle paar Stunden seinen Akku wechseln und die Zufuhr der Nährflüssigkeit für das restliche biologische Material sicher stellen.
Nun war sich Odin wirklich sicher, dass er seinen gesamte Körper gegen künstliche Teile ersetzen lassen wollte. Das Spezial-Team machte große Fortschritte mit der künstlichen Haut und somit wurden als nächstes sämtliche Hals- und Kopfmuskeln ersetzt und mit der künstlichen Haut überzogen. Die letzten Knochen des Schädels und das Gehörknöchelchen wurden mazeriert und nach und nach wurde Binde- und Stützgewebe ersetzt. Es bleiben nur noch die Sinnesorgane und das Gehirn von Odin übrig. Allerdings war auch schon das ganze Kleinhirn und der sensorische und motorische Teil der Großhirnrinde ersetzt. Denn als die Muskeln des Körpers ersetzt wurden, wurden zuerst Schnittstellen im Rückenmark geschaffen und dann konnte man nach und nach die Nerven vom Hirn zum Rückenmark ersetzen, die die Muskeln steuerten. Damit konnten sie prinzipiell alle Nervenzellen ersetzen, aber eine Zelle samt all ihrer Verbindungen nach der anderen zu ersetzen, wäre selbst für das Spezial-Team eine kaum lösbare Aufgabe gewesen. Zumindest nicht in einem angemessenen Zeitraum. Man konzentrierte sich auf das Riechzentrum und konnte es erfolgreich durch einen Chip ersetzen. Die Sensoren, also die Sinnesorgane selbst waren problemlos zu ersetzen, aber die zugehörigen Hirnareale waren eine unfassbar komplexe Aufgabe. Sie konnte bewältigt werden und als letzter Hirnteil wurde auch der Frontallappen ersetzt. Zwischendurch erfolgten immer und immer wieder Prüfungen, ob sich die Persönlichkeit von Odin geändert hat. Sie hat es nicht und schon vor Abschluss der letzten Transplantation wurde eine Kopie von Odin angefertigt. Nun war es geschafft und selbst wenn Odin völlig zerstört bzw. getötet werden sollte, konnte man einfach sein Backup hoch fahren. Der erste völlig künstliche Mensch wurde geschaffen. Das war auch ein entscheidender Schritt für den Rechtsstreit um die Menschenrechte für Androiden. Odin war ein künstlicher Mensch und doch ein Androide, der zuvor ein biologischer Mensch war. Odin behielt seine früheren Menschenrechte, was nichts besonderes war, da Androiden, die über ein Persönlichkeitsmodul verfügten, ohnehin schon seit langem auch Menschenrechte hatten, die sie allerdings gar nicht mehr wahr nehmen wollten.

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Androiden Boom

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Mit der staatlichen Unterstützung war es nun vorbei, da Odin für seine Androiden Menschenrechte und akademische Grade verlangte. Es kam zu einen nicht enden wollenden Rechtsstreit, was Odin keineswegs beunruhigte. Er beschäftigte eine große Anzahl an Rechtsanwälten und Experten in dieser Angelegenheit und wollte nur eines, dass jeder Mensch darüber diskutierte. Der Ausgang des Rechtsstreites war ihm also nicht so wichtig, sondern es ging ihm lediglich darum, das dieses Thema von jedermann diskutiert wurde.
Helios Robotics vergrößerte sich schneller, als damals IBM, als der PC auf den Markt kam und so verhielt es sich auch mit der Anzahl der Androiden. Jeder wollte inzwischen einen Heli-Hubot und der Markt explodierte förmlich. Die Androiden konnten inzwischen auch Tiere nachbauen und mit ihrer KI ausstatten. So gab es künstliche Vögel statt Drohen, künstliche Fische, Hunde, Katzen, Insekten und Pferde, die im Angebot mit einem Heli-Hubot verkauft wurden. Auch Haushaltsgeräte, Autos, Motorräder usw. konnten mit einer KI ausgestattet werden und man sprach von Androiden und KI-Geräten. Die KI-Geräte hatten kein Persönlichkeitsmodul und kein Reproduktionsmodul, sondern ein Funktionsmodul. Ein KI-Gerät konnte nur mittels eines Androiden oder direkt durch den Zentralrechner gesteuert werden.

Helios Robotics wurde von einem Heli-Hubot geleitet und Odin, Freia, Baldur und Alexa waren zwar noch die Besitzer, doch verloren sie bald den Überblick. Lediglich Heli-Hubot und die direkten Nachkommen von ihm unterstützen die vier noch. Helios Robotics änderte mehrmals ihre Strategie. Zuerst wurde jeder vierte Androide von der Firma übernommen und drei wurden verkauft, dann jeder zweite und gegen Ende des Androiden Booms, wurde nur noch jeder zehnte verkauft. Es gab inzwischen mehrere Milliarden Androiden mit Persönlichkeitsmodul und noch mehr KI-Geräte, wobei mehr als die Hälfte der Firma Helios Robotics gehörte.
Helios Robotics hatte eine Monopolstellung und nützte das auch schamlos aus. Man konnte ab sofort keine Androiden mehr käuflich erwerben, sondern nur mehr mieten. Alle Androiden blieben im Besitz von Helios Robotics und mit der KI-Zentraleinheit verbunden.
In der Anfangsphase wurden die Androiden hauptsächlich von Firmen, Regierungen und Militärs gekauft, aber bald wollte jeder seinen Androiden. Es war üblich, dass man den Androiden zur Arbeit schickte und wenn er nach hause kam, sämtliche Arbeiten im Haushalt erledigte.

Odin und seine drei Freunde war inzwischen reicher als reich, aber Odin spürte bereits sein Ende nahen. Odin hatte einen Lieblings-Androiden, nämlich den ersten Heli-Hubot, der seit in Betriebnahme ständig an seiner Seite war. Helios-Androiden kümmerten sich, wie gesagt, mit ausgezeichnetem Erfolg um die Firma und ebenso zufriedenstellend um das Wohl und die Wünsche von Odin und seinen Freunden. Aber Heli-Hubot war der einzige, zu dem Odin eine persönliche Beziehung aufgebaute hatte. Es war wie eine Bezeichnung zu einem Menschen und doch anders. Heli-Hubot war, so wie die Helios-Androiden einem Mensch in jeder Hinsicht einfach weit überlegen.
Eines Tages frage Heli-Hubot seinen geliebten Odin, den er als Vater betrachtete, ob er sich Sorgen über sein Ableben mache und ob er Angst vom Sterben hätte. Odin bejahte, was Heli-Hubot betrübte.
Da die Heli-Hubots bereits in allen Regierungen Einfluss hatten, denn oft übernahmen sie die Arbeit der Politiker, während sich diese von anderen Helios-Androiden bedienen ließen. Ja, sie konnten sich eben mehr als einen Androiden leisten. Den Einfluss nutzten die Androiden unter anderem auch dazu, dass sie menschenrechtlich mit den Menschen gleich gestellt wurden. Damit ging auch der Großteil der Firma Helios an die Androiden über.

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Dany Odins Glückstreffer

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Dany war ein zurückgezogener Hacker und Open Source Fanatiker. Er wurde nicht schlau aus dem Text, den er auf dem Erweiterungsspeicher fand. Er schrieb den Text aber auf und erweiterte den Text schließlich zum Buch Heliosis, vom Urknall zum Urknall. Früher hatte sich Dany schon anonym, als “Red_Hat_Hotelmanager“, mit dem Buch „Future Hotel- und Business Software“ oder „Kampf gegen die Provisions-, Schutz- oder Lizenzgeld-Mafia im Hotelgewerbe“ versucht, doch es wurde im Vergleich zu Heliosis nur ein mittelmäßiger Erfolg. Aber Dany lag auch nichts an Erfolg, sonst würde er nicht als kleiner Büroangestellter in einer völlig bedeutungslosen staatlichen Stelle arbeiten. Er ist so etwas wie ein Hacker, der jede freie Minute vor seinen PC’s sitzt oder seit neuestem, sich mit seinem Handy mit seinem Server verbindet und dann am Server spielt. Er lebt quasi auf seinem Server, kennt alle Systeme und kann alle Programmiersprachen. Und wenn er einmal eine nicht kann, aber benötigt, dann verwendet er sie trotzdem so, als hätte er sie gelernt. Ja, für ihn war es ein Spiel und sein Lebensinhalt, sich das Treiben im Netz anzusehen und dann und wann gezielt einzugreifen, wenn er es für nötig hält. Unlängst viel ihm ein stümperhafter Angriff auf einen Rechner der Regierung auf. Er konnte den Angreifer aufspüren, seinen Rechner hacken und ein Rootkit aufsetzen. Dann säuberte er über Nacht den Rechner, machte sich über die Person schlau, es war ein 12-jähriger Junge der sich wichtig machen wollte und spielte harmlose Dateien und Programme die diesen 12-Jährigen gut entsprachen auf den Rechner. Als nächsten Tag die Polizei den Rechner des Jungen konfiszierten, fanden sie zu ihrem erstaunen nichts, was auf einen Hackerangriff schließen lies. Alle Protokolle waren vorhanden, aber sauber. Ja, sie stammten von einem gleichaltrigen anderen Jungen, bei dem nur IP’s und Namen ersetzt wurden.
In dem Moment, in dem Dany den Rechner präpariert hatte, war die Angelegenheit für ihn vergessen, er bemerkte gerade eine interessante Aktivität eines Zugangsrechners zu einem AKW…..
Danys einziger Kontakt war Jonny_White_Hat. Ja, selbst von dem wusste er nur das Pseudonym und sie hatten anfangs ausschließlich über einen gemeinsamen Email-Server Kontakt. Allerdings schickten sie sich keine Emails, sondern sie schrieben sie lediglich und der andere hatte darauf Zugriff. Jonny_ hatte einmal einen Compiler gebaut, also eine eigene Programmiersprache entworfen und sie Dany am Email-Server hinterlegt. Stunden später hinterlegte Dany ein Programm in dieser neuen Programmiersprache, das mit komplexen Protokollen arbeitet, für die es vorher keine Schnittstellen gab. So sah der gewöhnliche Alltag für Jonny_ und Dany aus. Es gab nur eine handvoll Menschen auf der Welt, die ihnen in der IT-Welt das Wasser reichen könnten und die waren spezialisiert, was Jonny_ und Dany vermieden. Diese sehr zeitaufwendige Lebenseinstellung war auch ein Grund, weshalb die zwei keine Freunde hatten und keinen anspruchsvollen Job wollten. Dany meinte einmal zu Jonny_, dass er als Programmierer, Systemanalytiker, Admin oder Sicherheitschef nur in Versuchung käme. Nur Jonny_ verstand, was er damit meinte. Er wollte seine Freiheit nicht gefährden und sich nicht spezialisieren müssen.
Seit dem Web 2.0 sprossen die Startups mit und im Internet, wie die Schwammerl im Wald. Unzählige Foren, Plattformen und Online-Portale entstanden. Es haben sich nicht die Besten durchgesetzt, sondern es spielten dabei mehrere Faktoren eine Rolle. Nicht zuletzt der Zeitpunkt, der Name für das Startup und das Glück. Sonst hätte Facebook oder Twitter nie bekannt werden können, denn die Programme mit denen sie angefangen haben, waren so primitiv und noch dazu stümperhaft umgesetzt, dass es nahezu jeder Schüler programmieren hätte können, der eine Einführung in Informatik besuchte. Trotzdem mussten viele Foren und Social Media Seiten schließen, wie die Benutzer zu Facebook oder Twitter überliefen. Natürlich hatte man am Anfang auch noch etwas nachgeholfen mit gefakten Accounts usw. Trotzdem war es ein neuer Trend geworden, dass man die Benutzer auf Seiten lockte und ihnen dort die Möglichkeit gab zu kommunizieren und ihre Daten der Öffentlichkeit anzubieten. Mit diesen kostenlosen Mitarbeitern konnte und kann man leicht Geld verdienen. Klar, haben es viele versucht und nur bei Facebook und Twitter hat es geklappt. Den ersten Ansturm haben beide gut genützt und dann muss man ihnen zugestehen, dass sie sehr gute Geschäftsleute waren. Das Gleiche gilt für Google und Amazon. Aber jeder kann eben nicht so viel Glück haben und zusätzlich so viel Spürsinn, um zum richtigen Zeitpunkt, das richtige Projekt starten.
Dany hatte dieses Glück, denn in der Hotel- und Tourismusbranche gab es zu dieser Zeit den wildesten Wucher mit Provisionen. Für eine Reservierung in einem Hotel wären eventuell 2 bis 5 Prozent angemessen und lange Zeit waren 8 Prozent üblich. Doch wenn eine Firma eine Monopolstellung erlangt, kann sie diese Macht ausnützen und völlig unverschämte Provisionen, die sogar schon zwischen 20 und 30% lagen, verlangen. Und das quasi ohne eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Fast alle Hoteliers waren abhängig von einem Online-Portal und viele mussten ihren Betrieb schließen, weil die Provisionen einfach unbezahlbar wurden. Da konnte man sein Geld ja gleich auf die Bank bringen und warten, bis es durch Inflation aufgebraucht wurde. Genau in dieser Zeit schrieb Dany unter einem Pseudonym sein Buch in dem einfach aber genau erklärt wurde, wie man sich mit einem guten, effizienten, umweltfreundlichen, papierlosen Konzept, Open Source Software und speziell mit einer ERPS (Enterprise Resource Planning Software) aus dem Dilemma retten konnte. Dany erstellte dieses Konzept mit Ubuntu oder Fedora, Odoo, Postfix & Dovecot, MySQL oder PostgreSQL, AmaViS, Clam Antivirus, SpamAssassin, Roundcube, Libreoffice, Backup-Manager, Firefox, eigenen Scripts, Evolution und OpenXchange, das auf einem eigenen Server im Haus oder remot in einem Rechenzentrum umgesetzt werden konnte. Für die Workstations wurde ebenfalls Open Source Software verwendet. Durch diese Software hatte auch kleinere Betriebe, die schon kurz vor dem Aufgeben waren, wieder eine Chance.
Als Jonny_ erfuhr, dass Dany dieses Buch schrieb besorgte er sich ein altes, verstaubtes Exemplar des Buches „Future Hotel- und Business-Software“ und da war zum Beispiel zu lesen:
“Ich finde es unfassbar, wie Firmen, die zu einer Art Monopolstellung gekommen sind, diese Macht ausnützen. Teilweise muss sogar schon der Staat regulierend eintreten, weil diese Blutsauger sonst ihre eigenen Kunden ruinieren. Als Vermittlungsprovision oder als Provision für die Nutzung einer mittelmäßigen Technologie sind meines Erachtens 2 bis 3 Prozent angebracht, aber niemals 20 bis 30 Prozent des Umsatzes. Obendrein bestehen diese Blutsauger schon auf Bestpreisgarantie und verbieten einem Hotelier, dass dieser im Direktverkauf über die eigene Homepage seine Dienstleistung billiger anbietet.
Damit nicht genug, Rauchverbot hin und Rauchverbot her, Kennzeichnungspflicht der Waren, Kassapflicht und dann auch noch Lizenzen und horrende Kosten für die Hotelmanagement-Software, Buchhaltung und Lohnverrechnung.
Das Problem mit dem Provisionswahnsinn wäre natürlich ganz einfach zu lösen, denn wenn alle Hoteliers ab heute keine Provisionen mehr an Spezialsuchmaschinen, Preisvergleicher und Onlineportale zahlen würden, gäbe es diese morgen nicht mehr und die Anzahl der Buchungen bliebe gleich. Leider kann man so eine Geschlossenheit von den Hoteliers nicht erwarten, weshalb ich für diejenigen, die sich aus der Abhängigkeit befreien wollen Hotel-ERP&PMS ins Leben rief.
Hotel-ERP&PMS macht Schluss mit all dem und durch Einspaarungen auf bereits angedeuteten Bereichen, können Sie eventuelle Umsatzeinbussen, wenn Sie keine Buchungen von der Provisionsmafia mehr erhalten sofort wett machen und auf längerfristig wieder zu einem Gewinn kommen, dem ein gut geführtes Unternehmen erwirtschaften kann, wenn es keine „Schutz- und Erpressunsgelder“ zahlen muss.
Investieren Sie lieber einen Teil der Provisionen, die Sie bis jetzt bezahlten in „Google AdWords“ und gegen Sie einen Teil direkt an Ihre Kunden weiter. So erreichen sie Unabhängigkeit.
Hotel-ERP&PMS ist eine Kampfansage und ein Versuch, den Leuten (Programmierern), die wirklich gute Arbeit geleistet haben und diese auch weiterhin leisten, ihren Anteil zukommen zu lassen. Wer mit Hotel-ERP&PMS zufrieden ist, soll den Erstellern der Open-Source-Software, die sie verwenden eine Spende nach eigenem Ermessen zukommen lassen, wenn dies die finanzielle Situation erlaubt. „

Ja, es handelte sich tatsächlich um eine Kampfansage, ein Konzept und einen Versuch, kleineren Betrieben ein Überleben zu ermöglichen. Dany hatte damit angeblich so großen Erfolg, dass er die Open Source Gemeinde kräftig unterstützen konnte und diese wiederum reagierte mit einer Anpassung ihrer Software an sein vorgeschlagenes Konzept. Schon nach kurzer Zeit mussten sämtlich Onlineportale, die nur von Vermittlungsprovision lebten und sämtliche Preisvergleicher und Spezialsuchmaschinen aufgeben und den Konkurs anmelden. Doch die Mitarbeiter dieser Firmen kamen in der mittlerweile gesundeten Tourismusbranche unter und leisteten nun eine wertschöpfende Arbeit.
Das Konzept sah vor, dass der Kunde bzw. Gast seine Daten bei einer Buchung eingab und diese Daten dann bis zur Jahresbilanz verwendet wurden. Da gab es keinen Rezeptionist und keine Buchhaltung, die auch nur ein einziges, redundantes Datum eingeben musste. Die Software war für alle Bereiche geeignet, nicht nur für Verkauf und Einkauf, Lagerwesen, Buchhaltung, Lohnverrechung und für den Webauftritt, sondern es gab tausende zusätzliche, kostenlose Module von Odoo, der ERP-Software. Die Ersparnisse durch das effiziente System sollten direkt an den Kunden weiter gegeben werden und die Benutzer des Systems Future Hotel Software waren sich einig, dass sie auf ihrer eigenen Homepage den besten Preis anboten. Google nützte die Gelegenheit und wartete mit einem Hotelfeature auf Google Maps auf, dass verfügbare Zimmer in der ausgewählten Umgebung und den jeweiligen Preis anzeigte. Es war ein kostenloser Dienst von Google, denn die verdienten ja durch die Benutzung des Features, indem sie, wie gewohnt Werbungen schalteten.
Durch die Vorteile wurden die erwähnte Open Source Software zur Standard-Software in Betrieben und im privaten Gebrauch, denn nach der Future Hotel Software folgte gleich die Future Business Software für alle Branchen. Die Open Source Gemeinde rückte zusammen, traf sich, besprach sich und sie bauten die Software schon direkt in den jeweiligen Linux-Distributionen eine, sodass es ganz simpel wurde, diese zu installieren und konfigurieren. Das System wurde auch noch um eine Version für große Firmen, wo der Server in einer Cloud lief, erweitert.
Der “Red_Hat_Hotelmanager“, also Dany, wurde vor allem in der Hotellerie als eine Art Robin Hood gefeiert und in der Open Source Gemeinde hatte er inzwischen auch eine Art Helden-Status. Doch kaum war das Projekt ein Erfolg, interessierte es Dany Odin nicht mehr. Er wollte sich wieder seiner alten Leidenschaft, dem Hacken, der künstlichen Intelligenz und den Androiden zuwenden, aber es kam anders, als er es sich vorstellte.

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