Alle Beiträge von Helmut Hirner

Ludwig Hirsch – Liebeslied

Ja
die Landluft tut auch weh
im Jänner fallt der Schnee
im Mai schmilzt er weg
dann schimmama im Dreck
im Juli dann die Hitzen
und Horden von Hornissen.
Aber mir san
wer’s ned glaubt
der soll
reinbeißen
aus solidem geschmiedetem Raiffeisen.

Ja
die Landluft is a Luder
du bist besser wie mei Bruder
sagt die Tochter zu ihr’m Vater
Dirndl geh, des was isagt er
des hat ma gestern Nacht,die Mama a schon g’sagt.
Ja
mir san cool
wer’s ned glaubt
der soll
reinbeißen
wie solides geschmiedetes Raiffeisen.

Ja
die Landluft is ka Honigschlecken
unsere drei Dorfdeppen
rennen heute um die Wetten.
Der erste kriegt 50 Groschen
der zweite in die Goschen
der dritte wird daschossen.
Ja
mir san hart
wer’s ned glaubt
der soll
reinbeißen
wie solides geschmiedetes Raiffeisen.

Ja
die Landluft is auch g’fährlich
lebensgefährlich
ehrlich
mit Bencethoniumcloridanphenimon
odeln wir Grund
odeln wir Boden
Dicycloverinpyracolcarbium
frißt die Kuh
legt das Huhn.
Ja
mir san stur
wer’s ned glaubt
der soll
reinbeißen
wie solides geschmiedetes Raiffeisen.

Ja
die Landluft hat auch Tücken
gestern war Winterkirschen-Pflücken.
Heute feiern wir Erntedank
mit Dodel-Gejodel und Watschentanz
das stört einen Berg und er schüttelt sich
entsetzt
und a Lawine lawint alle zu
zuguterletzt.
Mir halten durch
wer’s ned glaubt
der soll
reinbeißen
mir san s..

(175)

Ludwig Hirsch – Die Gelse

Heilig heilig heilig
heilig ist der Herr
Heilig heilig heilig
heilig ist der Herr
Heilig heilig heilig
scheinheilig ist er
Heilig heilig heilig
scheinheilig ist er
Er der nie begonnen
er der immer war
ewig ist und waltet
sein wird immerdar
Hör‘ sie dir an! rief der Herr zum Teufel
diese bösen Ketzereien! Diese Bestien da unten, sollen nach meinem Ebenbild sein?! Jetzt hör‘ auf zu lachen, verdammt noch einmal, sag schon, was soll ich tun?! Na, was schon, gütiger Herr, is‘ doch ganz einfach – bring‘ sie um!

(217)

Ludwig Hirsch – Die Omama

Da stehn wir jetzt am Stammersdorfer Friedhof;
regnen tut’s,die Füße tun mir schon weh.
Der Pfarrer sagt,sie war ein so herzensguter Mensch,
und trotzdem fällt mir’s Weinen heut so schwer.
Die Omama,die Oma ist nicht mehr.
Wie ich klein war,hat’s mir einegstopft die Knödln,
hat’s glauert mit dem Pracker in der Hand;
hat’s mir auch umdraht schon den Magen,
es war ihr wurscht,sie hat mi gschlagen,
so lang,daß i schon angfangt hab zum Beten:
Lieb Jesukind,laß d’Oma doch verrecken.
Die sieben Raben,es warn nur sechs,
die gute Fee,es war a Hex,
der böse Wolf ein kleiner Dackel,
der Märchenprinz a schiacher Lackel.
In Stammersdorf hat’s ghabt die kleine Wohnung
mit Spitzendeckerln und ein Hitlerbild,
a Glasl Grammelschmalz am Fensterbrett,
den Nachtscherbn unterm Doppelbett,
so weiß,so dick,so rund und immer voll.
Vielleicht hätt ma’n in’s Grab dazulegn solln?
Einmal hab ich’s gfragt:“wo ist der Opa?“
„Im Himmel auf an Wolkerl spielt er Geign.“
Für Führer,Volk und Vaterland
erschossen,aufghängt und verbrannt,
auch das hat sie dem Adolf stets verziehn.
Er hat ihr ja das Mutterkreuz verliehn.
Die sieben Raben…
In letzter Zeit da war’s schon ein bisserl komisch.
Das Grammelschmalz is gstanden unterm Bett,
die Spitzendeckerln hat’s verbrannt,
den Hitler hat’s an Pülcher gnannt,
den Nachtscherbn hat’s plaziert am Fensterbrett.
Ganz Stammersdorf hat über sie schon gredt.
Am Muttertag da habn wir’s gführt in Prater,
die Alte war auf einmal wieder jung.
Beim Go-Cart-Fahrn hat’s gjodelt,
ein paar Langos hat’s verdruckt,
nur beim Sturmbootfahrn,da geschah ein Mißgeschick:
Da is s´an ihre falschen Zähn derstickt.
Die sieben Raben…
Oma,pfüadigott,mach’s drüben besser,
mach keine Knödeln für die Engerln,sei so gut!
Tu nicht die Heiligen sekkiern,tu nicht den Opa denunziern;
und gehst zum Herrgott auf Besuch-ein guter Tip:
Omama,nimm’s Mutterkreuz net mit

(218)

Estellas Kater mit Windowcolours

 

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Dadaichmus (4) Gefühl + Lit.

Gefühle und Lit
Wer schöne, gute und edle Gefühle hat, sollte schweigen, weil die
literarischen, sprachlichen Fäkalien sonst rückwirkend die Gefühle
zerstören.
Wer häßliche, schlechte und leicht reaktive Gefühle hat, sollte
schweigen, weil die Verbalisierung eine gewisse Objektivierung [im
sprachlichen Ausdruck bekommen subjektive Denkprozesse immerhin einen
gewissen objektiven Status (Eccles) ] 2ter Ordnung darstellt und die
Realität 1ter Ordnung nicht einmal in der Fiktivität xter Ordung mit
der Gedankenwelt 2ter Ordnung ident sein soll, sonst wird das Wort
wahr und die Virtualität real. Damit wäre aber die 1. Ordnung gleich
der 2. Ordnung und somit jede hirarchische Ordnung im Sinne
http://de.wikipedia.org/wiki/Entropie aufgehoben.

da_da_ist_es:

Schweigen ist Gold
Reden ist Silber
Verbalisierung geistiger Befriedigung ist Schwachsinn
Eins und eins ist zwei
Dichter sind dabei
alles wird zu Brei
einerlei
leilei

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