Ihr Auftritt war so etwas von hanebüchen, Frau Politikerin

800px-hainbuche_brueckenau_1-1Ja, Sie sind gemeint, die junge Politikerin, einer sich für fortschrittlich haltenden Partei. Für mich war die völlig unerwartete Verwendung des Wortes „hanebüchen“ in einem öffentlichen Auftritt, der im TV übertragen wurde, hanebüchener, als das hanebüchenste Verhalten der politischen Gegner, dass Sie damit korrekt bezeichneten. Wenn Sie unbedingt als sehr gebildet auffallen wollen, dann verwenden Sie doch gleich das mittelhochdeutsche „hagenbüechīn“ oder die Nebenform „hainbüechīn“ („aus dem Holz der Hagebuche“, seit 18. Jahrhundert als „hanbüchen“ „derb, klotzig“), oder halten Sie ihre Ansprache in Latein. Mit „hanebüchen“ haben Sie mir zwar eine verblüffende Überraschung geboten, aber was ich davon halten soll, ist mir noch nicht ganz klar.

Ich habe 5 Leute, die alle irgendwann einmal maturierten gefragt, was „hanebüchen“ bedeutet und keiner wusste es genau, obwohl zwei davon vermuteten, dass es etwas mit „Hainbuche“ zutun haben könnte. Also ihre Wählerschaft kennt „hanebüchen“ und alle die Sie ansprechen und dazu gewinnen wollen auch? Oder möchten Sie gar keine Wähler, die „hanebüchen“ nicht kennen? Meinetwegen, aber dann werden Sie nie über die 12% hinauskommen, wenn Sie nicht überhaupt bald von den Blauen aus dem Parlament vertrieben werden.

Mir drängt sich wirklich die Frage auf: „Warum macht Sie das?“ Warum verwendet Sie ein veraltetes Wort? Folgende Möglichkeiten sind mir als Motiv dazu spontan eingefallen:
1) Sie möchte durch ihre ausgezeichnete Bildung auffallen (liebe Frau Politikerin, ich bezweifle, dass Sie über eine ausgezeichnete Bildung verfügen, sonst würden Sie sich volksnahe und verständlich artikulieren)
2) Sie weiß selbst gar nicht was sie sagt, aber der Text wurde ihr so vorgegeben
3) Sie muss reden, denn dafür wird sie bezahlt, will aber eigentlich nichts sagen, schon gar nicht etwas, was irgendwer verstehen könnte (mit anderen Worten, sie will typisch politisch agieren)
4) Sie will dem aussterbenden Wort zu einer neuen Chance verhelfen und unseren Wortschatz erhalten

Das Wort wird jedenfalls abwertend verwendet und bedeutet heute „auf spektakuläre Weise unglaublich“. Falls Sie ein wenig Abwechslung in ihre Ansprachen bringen wollen, finden sie hier ein paar Synonyme zu hanebüchen: „empörend, haarsträubend, [himmel]schreiend, skandalös, unglaublich; (umgangssprachlich) bodenlos; (emotional) unverschämt; (abwertend) unerhört, ungeheuerlich; (umgangssprachlich, meist abwertend) unmöglich“.

Motiv für die Wortwahl "hanebüchen"

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Weblinks:
hanebüchen Duden
hanebüchen Wikipedia
hanebüchen

Interessant ist auch, dass sich das Wort auf der „Liste der rechtschreiblich schwierigen Wörter“ befindet.

Liebe Frau Politikerin, denken Sie an die PISA-Studien und glauben Sie mir, dass sie mit einer derartigen Diktion bei den potentiellen Wählern nicht punkten werden.

Bildquelle:
Von Rainer Lippert – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16901640

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2 Gedanken zu „Ihr Auftritt war so etwas von hanebüchen, Frau Politikerin“

  1. Politiker verwenden Begriffe in der Hoffnung, dass die Zuseher diese nicht verstehen. Und so nebenbei zeigen sie dadurch, die intellektuelle Überlegenheit. Frei nach dem Motto „Du dummer Bürger, weißt eh nicht, was ich sage und meine“.
    Zumindest denken sie das.

    1. Danke für den Kommentar.
      Ja, vermutlich sind sie tatsächlich so überheblich und dumm, dass Sie gar nicht merken, dass Sie sich dabei selbst schaden. Denn wer wählt schon so einen eingebildeten, arroganten Schnösel? Ich glaube, nicht einmal ein Grüner.

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