Was ist ein Negerkonglomerat?

Mölzer soll zum Dritten Reich etwas ausgesagt haben und er hat angeblich das Wort Negerkonglomerat verwendet.
Zum Dritten Reich zitiere ich aus Die Presse:

Für Aufregung sorgte am Wochenende eine weitere vom SZ-Magazin zitierte Aussage Mölzers, wonach die EU eine Diktatur sei, gegen die „das Dritte Reich wahrscheinlich formlos und liberal“ gewesen sei. Das verteidigte der EU-Abgeordnete am Montag: Es sei „in der Tat so, dass düstere Systeme des 20. Jahrhunderts weniger Ge- und Verbote hatten“.

Also ich finde, er hat etwas über die EU ausgesagt, sonst hätte sich ja vermutlich niemand aufgeregt. Ein Vergleich mit dem Dritten Reich ist meines Erachtens trotzdem inakzeptabel.
Akzeptabel hätte ich es hingegen gefunden, hätte er in Anlehnung an die aktuelle Modeerscheinung, Versionsnummern zu vergeben, wie z.B. Web 2.0, vom 4. Reich gesprochen und die EU damit gemeint.
Übrigens, wenn jemand „wahrscheinlich“ sagt und offensichtlich keine Ahnung von Wahrscheinlichkeiten hat, denke ich mir immer, er wolle im Konjunktiv sprechen, ist aber der Sprache so wenig mächtig, wie der Statistik.

Zum Negerkonglomerat zitiere ich auch aus der Presse, weil ich zu faul zur Recherche im SZ-Magazin bin, die ihrerseits wiederum aus dem SZ-Magazin zitiert:

„Da ist es wirklich so, dass alle, von den Portugiesen bis zu den Esten, von den Schweden bis zu den Sizilianern, die nimmt man nicht so wahr, weil sie wirklich nur 1,60 groß sind, alle über uns lachen, über die Deutschen und Österreicher. Wir sind die einzigen, die bei einem Termin einigermaßen pünktlich sind. Wir sind die einzigen, die um 9 schon arbeiten und nicht erst um 11. Und es ist wirklich so. Es ist eine Frage auch des gestalterischen, des Arbeitsethos, was aus diesem Europa wird: Entweder sind wir ein Negerkonglomerat, totales Chaos, sage ich jetzt bewusst brutal politisch nicht korrekt. Wo das Chaos sich vermehrt, wo Massenzuwanderung, wo institutionelles Chaos, wo wirre Konzerninteressen (sind).“

Bei allem Respekt vor hauptberuflichen Schreiberlingen, aber unabhängig von ihrer Quelle und selbst bei Berufung auf möglichst hohe Authentizität, sollten sie schon einen ganzen Satz zuwege bringen, sonst kann man mit dem Schmarren, der da für Aufregung sorgt, nichts anfangen. In ihrer Diktion könnte ich sagen: „Entweder sind sie der deutschen Sprache nicht mächtig!“ Seit wann gibt es da kein „oder“? Na gut, dann muss ich mir den Satz eben mit einer Vermutung ergänzen: „oder sie sind der deutschen Sprache nicht mächtig“.
Sagen wir, es ist eh alles egal, was Regelwerk und Form angeht, sondern nur die Wörter zählen, dann steckt in diesem Wörterkonglomerat jedenfalls ein „Negerkonglomerat“, da stimme ich zu.
Ich habe im Duden nachgeschlagen, aber das Wort kommt nicht vor. Daher denke ich angestrengt nach, was es wohl bedeuten mag. In den letzten Jahren ging es hier zu Lande immer nur um Finanzskandale, Korruption, Betrügereien und Bankrott, daher wird es vermutlich etwas mit Finanzen zu tun haben. Ich bin schon wieder neger, bedeutet ja, dass ich flach bin, keine Kohle habe usw.
Mölzer spricht auch in der Wir-Form und schließt sich nicht aus „sind wir ein Negerkonglomerat“, daher vermute ich, dass er sauer war, weil sich korrupte Kollegen (egal welche Fraktion oder Partei) bereichert haben, aber die meisten EU-Bürger dadurch neger wurden.

The Ten Little Niggers von Frank J. Green von 1869
The Ten Little Niggers von Frank J. Green von 1869; Wikipedia

Ich finde auch, dass das schlimm ist, schließlich kann ich ja auch nicht von der Hand im Mund leben und stecke mir deshalb gerne einen Mohr im Hemd hinein, aber rassisitisch?
Ich meine, in der EU leben ja nur wenige Schwarze und was hätte die Aussage in Verbindung mit Portugiesen, Esten, Schweden, Deutsche, Österreicher und Italiener für einen Sinn? Nein, Schwarze kann er, abgesehen von den ÖVPlern, damit nicht gemeint haben, also was ist ein Negerkonglomerat in der EU?
Rassistich hätte ich es empfunden, hätter von den Zehn kleinen Negerlein (Link auf den Auszählreim auf Wikipedia) in der EU gesprochen und seine Rede in der dazugehörigen Melodie gesummt. Aber ein „Negerkonglomerat in der EU“ ist für mich Hirnwixerei, die für einen *1 „linksverblödeten“, politischen Medienhype gut sein kann und sonst nichts.
Was sagt Ihr dazu?

Weblinks:
Im Duden wurde „Neger“ erstmals 1999 markiert als „wird heute meist als abwertend empfunden“. Ulrike Kramer: Von Negerküssen und Mohrenköpfen.(pdf) Begriffe wie Neger und Mohr im Spiegel der Political Correctness – Eine Wortschatzanalyse.
Fußnote:
*1 „linksverblödet“ ist meine Wortschöpfung für Menschen, deren rechtes Broca-Areal aufgrund politischer Überzeugung nur mehr sehr eingeschränkt funktionsfähig ist. (Für Leute, die aus „Negerkonglomeration, Negerkonglomerat oder Negeraggregation in der EU“ einen Hype machen können, sollte ich dazu schreiben, dass es sich dabei um eine Metapher handelt, sonst behaupten sie womöglich als nächstes, ich hätte mich pietätlos über kranke Menschen lustig gemacht.)

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8 Gedanken zu „Was ist ein Negerkonglomerat?“

  1. Guten Morgen,

    auch ich habe jetzt aus gegebenem Anlaß (AfD -Einladung) nach dem seltamen „Negerkonglomerat“ gesucht, aber natürlich nur linken Blödsinn gefunden.

    Ich meine, daß das Wort eine Fehlleistung ist, der Mölzer wollte wohl „Mega-Konglomerat“ sagen, was ja auf die EU sehr gut zutrifft, irgendwie hat er aber als strammer rechter Knochen den „Neger“ und seine „Faulheit“ bzw. „Unpünktlichkeit“ noch im Sinn gehabt und so ist bei ihm diese interessante Fehlleistung entstanden.

    Insgesamt finde ich die Diskussion darüber ziemlich komisch und da die Prantl-Prawda keinen Humor hat, fällt sie sowieso auf alles hinein.

    Das müssen wir aber nicht noch auch.

    Grüße,
    Krischan Piepengruen

    1. Danke für den Kommentar, Naja, so russisch kommt mir die Süddeutsche gar nicht vor, oder mein Russisch wurde um so viel besser. Jedenfalls finde ich die aktuelle Sprachverhunzung recht sinnlos. Es stört mich, dass Politiker von Germanisten beraten von oben die Sprache ändern wollen und uns vorschreiben will, was welche Bedeutung hat, statt ihre eigentlichen Aufgaben wahr zu nehmen. Aber es kommt eben immer darauf wer was sagt oder macht, denn eine unbekannte Lady, die in einer Kirche leicht erotische Videos dreht wird bestraft und Seidl bekommt für so etwas, nur wesentlich, wesentlich vulgärer und extremer, einen Preis und wird als Künstler gefeiert.
      Ein Politiker sollte jedenfalls auf seine Wortwahl achten und das hat Mölzer verabsäumt. Ansonsten finde ich weder an Neger etwas Schlimmes und Konglomerat hat für mich auch keine pejorative Bedeutung, auch wenn die Wortschöpfung in diesem Kontext , wie gesagt, völlig unangebracht war.
      Freundliche Grüße,
      Helmut Hirner

      PS: Die AFD kannte ich gar nicht (bin ja auch ein Österreicher), aber jetzt habe ich mir Programmatik & Leitlinien angesehen und finde sie auf den ersten Blick recht gut.

  2. Ich habe mich gerade gefragt, weshalb dieser Artikel plötzlich wieder interessant wird, da fand ich „Die Neger“: Nicht für Schwarze – gegen Weiße! in der Presse und las:

    Werden Aktivisten die Bühne stürmen, wenn die Wiener Festwochen am Dienstag Jean Genets „Die Neger“ aufführen? Das Stück hat schon vor 50 Jahren schwarze Bürgerrechtler begeistert – und empört.

    Es würde mich heutzutage nicht verwundern, würde man Jean Genets zwingen das Stück umzubenennen in „Die Schwarzen“, was der ÖVP vielleicht sogar gefallen würde.

  3. Ich musste mich unten kurz selbst darstellen, da mir etwas daran liegt, dass Leute, die mich nicht kennen, aber hier vorbeischauen erfahren, dass ich keinesfalls beabsichtige jemand zu beleidigen oder gar zu diskriminieren. Ich sehe mich selbst von Rassismus oder Frauenfeindlichkeit weiter entfernt, als von der entferntesten Galaxie und verabscheue beides. Trotzdem halte ich diese Diskussion um bestimmte Wörter und um das grammatikalische Geschlecht für entbehrlich. Wenn ich weiß, das Wort Neger pejorativ besetzt ist, dann sollte man es in der Öffentlichkeit meiden, wenn es nicht einmal um Rassen oder Bezeichnungen geht. So nebenbei eingestreut, ist diese Wertschöpfung eine inakzeptable, sinnlose Provokation. Ähnlich sehe ich es mit der, mir absurd vorkommenden Einfuhrungen seltsamer Kunstrukte in die Sprache, um natürliche Weiblichkeit in die Orthographie und Grammatik einzuführen. Auch da will ich niemals eine Frau beleidigen oder diskriminieren, aber für gewöhnlich verzichte ich auf die skurrile Verhunzung der Sprache, außer ich muss annehmen, dass sich dadurch jemand beleidigt vorkommen könnte. Es gibt eine Grammatik und eine Änderungen der Sprache von oben, durch seltsame Konstruktionen finde ich entbehrlich. Sonst sollten wir gleich systematisch für jedes Substantiv neue Endungen für das weibliche Geschlecht einführen. Man/frau könnte sich dabei an Latein orientieren. Ich habe unlängst das Wort „die Herrin“ gelesen und bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, was damit gemeint war. Berufsbezeichnungen usw. sollten natürlich geschlechtsneutral sein und Bezeichnungen wie Frau X-Hauptmann fide ich ebenfalls grotesk. Wollte ich hier aber Bezeichnungen listen, die ich grotesk und völlig unzeitgemäß finde, käme ich lange zu keinem Ende. Vielleicht zähle ich bei Gelegenheit hier ein paar exemplarisch, als Ergänzung auf.

  4. Ich finde es zwar unangemessen, dass über dieses Thema überhaupt diskutiert wird, nur weil ein Politiker wieder einmal Elefant im Porzellanladen spielen musste und wie gewohnt eine völlig verrohte Sprachkultur an den Tag legte. Es gab Konsequenzen und das ist gut so. Aber beim Hausverstand, wir wollen doch nicht wirklich auch noch über ein Verbot von Wörtern ohne Kontext sprechen,oder? Ich versuche natürlich möglichst frei von Vorurteilen zu sein und Hautfarbe oder Rasse darf und soll keine Rolle spielen. Trotzdem würde ich mich selbst als eher „negrophil“ (nicht nekro- und auch nicht franko-) bezeichnen, wenn niemand etwas dagegen hat. Damit meine ich, dass ich mich bräune, weil mir dunkle Hautfarbe nun einmal gefällt. Streifenloses Kaffebraun, würde mir am besten gefallen, wenn das erlaubt ist, aber selbst werde ich meist nur rot (flush ist nicht gemeint). Vielleicht habe ich eine „R-Wort“ (psst, das bedeutet Rothaut und darf ziemlich sicher nicht verwendet werden) als Vorfahre (hoffentlich fallen jetzt die Indianer nicht über mich her, das wäre nämlich furchtbar ungerecht, denn als Kind wollte ich beim Indianderspielen schon nie ein Cowboy sein, sondern mich mit einer Feder im Haar zieren [vermutlich bin ich auch etwas südwestindigophil]). Ich liebe jedenfalls Soul und Blues und habe dunkelhäutige Freunde. Wenn ich das Wort Neger in normaler Tonlage ohne Kontext höre (habe darüber meditiert), sehe ich mein süßes, schwarze Patenkind vor Augen und frage mich, wie es ihr wohl geht. Ich überlege, wie lange es wohl noch dauert, bis ich mit ihr kommunizieren kann ohne dass die Eltern als Übersetzer (sie kann nicht nicht lesen und schreiben) fungieren müssen.
    Ich finde die Aufregung über das Wort Neger völlig unangebracht und ich verwende es, wie man hier lesen kann. Natürlich würde ich es nie zu jemand sagen, wenn ich damit rechnen muss, dass es ihm/sie beleidigt. Ich empfinde es trotzdem nicht als Beleidigung oder als Schimpfwort. Bei allem Respekt, diese Empfindung sollte man mir aber schon auch zugestehen, denke ich.

  5. Ich fasse es nicht, jetzt diskutieren sie immer noch über das Wort Neger. Strache erklärt uns gerade, das Neger von nigro kommt und schwarz bedeutet. Er meint selbst Martn Luther King verwendete dieses Woert und dann sagte er in der Diskussion: „Ich verwende das Wort Neger nicht“. Alle, auch die Schwarzen Gäste applaudierten, obwohl er das Wort doch gerade sagte. Wie im Kindergarten. Bitte, wenn sich jemand dadurch beleidigt fühlt, dann sollte man nicht Neger zu ihm sagen, aber man doch nicht anfangen Wötter zu verbieten und nur mehr vom N-Wort sprechen. Dann vom A-Wort, B-Wort usw. Was soll dieser Irrsinn? Was wäre, wenn ich nicht als Weißer bezeichnet werden will? Wer hilft mir, denn aufgrund der schrecklichen Gräueltaten, die von Weißen verrichtet wurden (von den alten Römern bis zu den Nazis) ist es für mich eine Beleidigung als Weißer bezeichnet zu werden. Gehe ich damit vor Gericht oder an die Öffentlichkeit, werde ich womöglich entmündigt. Aber es ist erfreulich, das wir Zeit für so seltsame Kindereien haben, in der Ukraine haben sie diese z.B. nicht.

  6. Beim Zeus und beim Jupiter, auf diesen Artikel gab es heute über 1000 Zugriffe. Das scheint die Leute ja noch mehr zu interessieren, als Ubuntu stat Windows XP. 😉

  7. Zu „linksverblödet“ möchte ich noch anmerken, dass es natürlich immer noch besser ist, wenn nur die rechte Gehirnhälfte nicht richtig funktioniert, bei „rechtsverblödeten“ ist hingegen meist das neurale Gesamtsystem betroffen, meine ich.

    Bitte unterstellt mir ja nicht, dass ich bestimmte Personen mit „rechts- oder linksverblödet“ bezeichnet habe, denn der Rechtsruck in Europa macht mir ohnehin schon Angst genug.

    Dass ich Rassismus verabscheue und besonders religiöse und politische Extremisten nicht ausstehen kann, ist ja kein Geheimnis und ich werde auch sicher nie eines daraus machen – komme da, was immer auch kommen möge.

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