ORF-Bürgerforum: „Der getäuschte Konsument – Lebensmittelskandale und kein Ende“

(Last Updated On: 17. Juli 2013)

Habe mir heute das ORF-Bürgerforum: „Der getäuschte Konsument – Lebensmittelskandale und kein Ende“ auf ORF 2 angesehen und wurde dabei nicht getäuscht. Es war drin, was drauf steht. Viele gute Argumente und jede Position war mir durchwegs verständlich.
Lediglich ein wesentlicher Punkt hat mir gefehlt und zwei Aspekte sind mir zu wenig hervorgehoben worden. Gefehlt hat mir ein technische Lösung, auf die ich später eingehen werde, zuerst zu den zwei Aspekten, die untergegangen sind.
Erstens bin ich dem Ama-Gütesiegel insofern auch auf den Leim gegangen, weil in mir die Assoziation geweckt wurde, dass gute Qualität mit guter Tierhaltung und Behandlung der Tiere verbunden ist. Ich bin zwar ohnehin dabei Vegetarier zu werden, aber da „nur“ moralische Gründe meine einzige Motivation sind, brauche ich Zeit. Mir schmeckt fast jedes Fleisch (Lamm, Ente, Wild, …) ausgezeichnet, aber ich stelle meine Ernährung langsam um und zukünftig werde ich mein Gewissen nicht mit dem Ama-Gütesiegel beruhigen, sondern ich hole mir das Fleisch wirklich vom Bauern, wenn ich schon nicht ganz darauf verzichten kann. Übrigens könnte natürlich auch ein Großbetrieb rein theoretisch Tiere artgerecht halten, aber in der Praxis wird es das wohl kaum jemals geben, denn da wird rücksichtslos, gewinnorientiert Optimiert.
Der zweite Punkt, der mich ein wenig befremdet hat ist, dass man den Konsumenten zumutet, dass er sich über die Produkte informieren kann. Mit Lebensmittel-Codex (nicht den Austria-Codex, wenn Sie den zum Einkaufen brauchen wird’s brenzlig) und Internetrecherche, oder Lupe und Handy mit Barcode-Reader. Das ist völlig weltfremd und kann nur für eine gehobene Schicht Gültigkeit haben. Die finden vielleicht aus Langeweile zwischen zwei Cocktails genügend Zeit, um die Irreführungen zu erkennen und sich über die unzähligen Produkte zu informieren.
Otto NormalverbraucherIn findet nicht einmal Zeit zum Kochen, weshalb sie zu Fertigprodukten greifen, die meist noch billiger sind, als die Zutaten für ein selbst gekochtes Gericht und sie finden auch kaum Zeit zum Einkaufen und Preise vergleichen. Sind die Leute noch nie im Supermarkt vor der Kasse gestanden? Selbst wenn nur ein paar Leute vor Ihnen sind, rufen sie schon genervt: „eine weiter Kassa bitte!“ Arbeit, Kinder, Haushalt und dann sollen sie sich hin setzen und Recherchen über die Produkte anstellen. Das ist völlig unzumutbar und wäre auch nicht nötig, würde man die moderne Technologie für den Kunden einsetzen und nicht nur dazu, um möglichst hohe Gewinne zu erzielen.
Man sollte die Supermärkte dazu zwingen, dass sie statt Werbescreens, Infoscreens aufstellen, in denen man sämtliche Produkte abrufen kann. Dort sollten dann alle wichtigen Informationen auf einem großen Bildschirm sichtbar werden. So einfach wäre das, vorausgesetzt man erreicht vorher, dass Produzenten verbindliche, genaue und ausführliche Angaben zu den Produkt abgeben müssen. Das kann ohne weiters über einen Barcode am Produkt umgesetzt werden, der dann bei Aufruf oder mit dem Handy lesbar sein muss. Die winzige Schrift ohne Kontrast in unzähligen Sprachen kann ohnehin kein Mensch lesen, die können sie sich überhaupt sparen.
Eines habe ich jeden Falls dazu gelernt, obwohl immer ich die Einkäufe erledige, gerne koche und dabei sehr viel selbst mache, gehöre ich zu den Dummen, die zum Beispiel Patras Käsewürfel mit einer abgebildeten Olive am Glas für Schafkäse in Olivenöl gehalten haben und die dachten, das Ama-Gütesiegel sagt etwas über die Haltung und Behandlung der Tiere aus. Vielleicht wollte ich das einfach glauben, weil es einfacher für mich wäre, aber jetzt erkenne ich den Irrtum.

Weblinks und Artikel zum Thema:
Österreichischer Lebensmittel CODEX
ORF-Bürgerforum am 5. März: „Der getäuschte Konsument – Lebensmittelskandale und kein Ende“
(APA)
Der getäuschte Konsument – Lebensmittelskandale und kein Ende (tvbutler)
Bürgerforum (FB)

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