Postscript


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Natürlich hätte sich eine Katze oder ein Affe mit in das Gehirn eingesetzten Elektroden gut als abschreckendes Beispiel geeignet, da mir schon viel daran liegt, aufzuzeigen, daß es leider noch immer genügend Grund gibt, sich als Tierfreund und als einer der jedes Leben respektiert, Abneigung gegen das Fach Physiologie zu haben. Zu häufig findet man Lehrbücher der Physiologie, welche eigentlich nicht viel mehr als ein Konglomerat von diversen Tierversuchen darstellen. Es ist mir extrem widerwärtig, wenn von Thalsmustieren, sich am Laufband rhytmisch bewegenden spinalisierten Tieren und dgl. die Rede ist, aber wenn gleich ich auch der Meinung bin, daß heutzutage – aufgrud der guten Kommunikationsmittel und aufgrund des ungeheuer umfangreichen Material, das teils unbearbeitet vorliegt – eigentlich weltweit nur mehr in seltesten Fällen Tierversuche, bei denen Tiere leiden müssen oder zu Schaden kommen, gerechtfertigt werden können. Physiologen sollten Lebensvorgänge beschreiben und zu erklären versuchen. Wenn sie dabei Leben zerstören, zerstören sie ihr eigenes Werk und nehmen sich selbst ihre Existenzberechtigung (als Physiologen natürlich). Physiologie, sagt u.a. Prof. Wünsch vom Wiener Institut für Physiologie, ist interessant. Nun, um wirklich interessant zu bleiben, muß sie auch moralisch unbedenklich werden. Mein Motto ist: „Phantasie ist Gift für die Physiologie, aber eine lebensfeindliche (ich spreche von jedem Leben) Grundeinstellung ist der Tod der Physiologie“. Es soll aber auch darauf hingewiesen werden, daß das Bewußtsein der heutigen Generation nicht aprupt und von selbst entstanden ist. Damit möchte ich sagen, daß die Tierversuche aus früherer Zeit teilweise sinnvoll durchgeführt wurden und wichtige Erkenntnisse für den Menschen brachten. Es wäre ein schlimmes Vergehen, z.B. einen F. Starling einen Vorwurf zu machen, aber es ist auch ein schlimmes Vergehen, wenn jemand zu Demonstrationszwecken den Studenten schlagende Froschherzen im Praktikum zeigen möchte. Ein Interessierter hat Möglichkeiten genug, schlagende Herzen während chirurgischer Eingriffe zu sehen. Wer sich diese Gelegenheit nicht findet, hat kein echtes Interesse.

Auf diser Seite finden Sie also kein Bild eines Tierversuches, sondern angedeutete Konturen eines Menschen und einen symbolhaften T-Lymphocyten (im Moment leider nicht verfügbar). Ich finde den Gedanken einfach faszinierend, daß der Mensch seit Jahrtausenden versucht, sich selbst zu finden oder sich selbst zu erkennen, und eigentlich nur der T-Lymphocyt mit Gehilfen fähig dazu ist. Selbst wenn Sie, z.B. bei Vorliegen einer kleinen Wunde ihr Gewebe mittels Mikroskop untersuchen (es genügt auch ein Blutausstrich), so können Sie nicht immer mit Sicherheit sagen, ob das, was sie sehen, tatsächlich ein physiologischer eigener Bestandteil, oder ein Fremdkörper ist. Sehr viele Menschen besitzen einige Zellen, die eigentlich nicht zum Individuum gehören, d.h. sie haben andere MHKA . Bei nicht Autoimmunerkrankten sind die T-Lymphocyten aber in der Lage, solche Zellen auszumustern bzw. unter Kontrolle zu halten. Mehr zu diesem phantastischen Spiel der Natur finden Sie unter der Frage „Abwehr“.

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