Logotragedy an der Scola Vindobona oder …Dialog „UNINOW“:

zurück zu Kapitel III

Als Motto möchte ich wieder Shakespeare zitieren:

„ Ich habe gehört, daß schuldige Geschöpfe,
Bei einem Schauspiel sitzend, durch die Kunst
Der Bühne so getroffen worden sind
Im innersten Gemüt,
daß sie sogleich
Zu ihren Missetaten
sich bekannt“.

Personen:
1. Student: I [i:]
2. Student: Uniknow Ort der Handlung: Theoretica
Zeit: hm

I: Zum wesentlichen Punkt der Frage „BSG“, nämlich der Erhöhung der Sinkgeschwindigkeit der Ery. durch Akute-Phase-Proteine möchte ich ein Zitat aus B.Oders Skriptum „Prüfungsfragen nach Doz. Marktl“ anführen:
„Verschiebung des Albumin-Globulin-Quotienten zugunsten der Globuline. Globuline sind pos. geladen, Erys.neg. >>>>vermehrte Abstoßung, schnelleres Sinken.“

Das ist „not amusing“ und schlicht und einfach Nonsens.

Außer für die sauren Glykoproteine liegen die IP‘s der Globuline ca. zwischen 4,5 und 7. Bei g-Globulin, z.B. ist IP für IGG etwa 5,8 und für IGA liegt der IP bei 7,3; für Albumin hingegen findet man einen IP von rd. 4,9. Bei einem pH-Wert > 7, also z.B auch bei pH = 7,4 wandern die Proteine bei der Elektrophorese zur Anode. (Anmerkung für Herrn Oder: Die Anode ist der Pluspol; siehe auch Sachunterricht der 2.Klasse Volksschule; dort erährt man auch, daß sich gleichnamige Ladungen abstoßen und ungleichnamige anziehen; mit Coulomb möchte ich nicht überfordern).

Sowohl die Ladung der Plasmaproteine (Ampholytcharakter), als auch die der Glykokalix der Ery. ist pH-abhängig. Übereinstimmend wird von verschiednen Autoren angegeben, daß bei normalem Blut-pH eine relativ positive Ladung der Globuline und eine relativ negative Ladung der Ery. vorzufinden ist. Siehe auch unter Wanderungsgeschwindigkeit der verschiedenen Proteine im elektrischen Feld und unter isoelektrischer Punkt, insbesondere von Glykoproteinen, Albumin, und Globulinen. Wenn nun die relativ positiv geladenen Globuline vermehrt werden und die Ery. relativ negativ geladen sind, kommt es natürlich zu keiner Abstoßung, sondern zum Gegenteil, zu einer Anziehung und in Folge dessen werden sich die Ery. untereinander nicht stärker abstoßen, sondern weniger. D.h. es kommt zu Agglomerationen und, da größere Partikelschneller sinken (Stock‘sches Gesetz; Oberflächen-Volumen-Verhältnis), zu einer erhöhten BSG. Übrigens würden Globuline (z.B. Anti.A und Anti-B) zu einer „vermehrten Abstoßung“ führen, wie Herr Oder schreibt, sokönnte es im AB0-System, mangels Annäherungsmöglichkeit von AK aund AG zu keiner Afflutination kommen.

Ich kann mir schlecht erklären, welche Gründe für eine Veröffentlichung eines solchen „Skriptums“, das fast auf jeder Seite nur so strotzt vor Fehlern,teilweise sind die Kommentare zu Fragen ja nicht einmal dem Richtigen Kapitelin der Physiologie zugeordnet, vorlagen. Das einzige was stimmt sind die Fragen selbst. Ich besitze Mitschriften von Prüfungen des Herrn Doz. Marktl von 1983 bis 95, teilweise mit Datum, Uhrzeit, Geschlecht des Kanditaten und Beurteilung. Für unsere Bearbeitung haben wir die Fragen aber weitgehend prüferunabhängig zusammengestellt, sodaß hoffentlich der Großteil des geprüften Physiologistoffes abgedeckt ist. Was aber die Beweggründe für die Veröffentlichung oben genannten Meisterwerks sind, ist mir wirklich rätselhaft.

Versucht man absichtlich Kollegen am Studieren zu hindern, oder hat man zuviel Rheobase geübt? Studiert man zu schnell, hat man bei Nawaski maturiert, oder versucht man nur, wie üblich bei manchen exponierten Mitgliedern der Zwangsgemeinschaft, sich auf Kosten anderer Studenten eigene Vorteile zu erhaschen, statt ihre Anliegen zu vertreten?
Seitens des physiologischen Institutes erfolgte selbstverständlich keine Reaktion. Wahrscheinlich ist das Skriptum nicht wert ernstgenommen zu werden, so wie es anscheinend die Physiologie nicht wert ist einen Lehrziel-Katalog und verbindliche Lehrmittel (Lehrbücher, Skripten etc. herauszugeben).
Natürlich können nicht alle Professoren kapazitäten und Persönlichkeiten darstellen, wie z.B. der ehrwürdige Herr prof. Kaiser von der Chemie, oder Herr Prof. Firbas, Herr Prof. Schwarzacher oder Herr Prof. Plenk, um nur einige zu nennen, deren Engagement und Fähigkeiten offensichtlich sind, und die auch Lehrinhalte vermitteln können (sogar schriftlich). Bei einer einzigen Prüfung eines Herrn Prof. Plenk kann man mitunter mehr lernen, als bei einer gesamten Hauptvorlesung der Physiologie (vorausgesetzt man kennt das Lehrbuch, aus dem vorgelesen wird, und ausgenommen Herrn Prof. Binders Vorträge, die allerdings profunde Englischkenntnisse vorraussetzen). Übrigens findet ein Herr Prof. Plenk stundenlang Zeit, um die Kenntnisse der Kandidaten zu überprüfen, ohne daß er es dabeinotwendig hat, zu drohen, persönlich zu beleidigen oder politisch zu agitieren, wie es am physiologischen Institut vorkommt, wenn eine Prüfung einmal länger dauert als 30.sec. Müßte ich bei Herrn Spieckerman eine Prüfung ablegen, würde ich erstens eine Rechtsanwalt beiziehen, zweitens einen Leibwächter mitbringen und drittens um eine, auf die Prüfungszeit abgestimmte Vorbereitungszeit nach gestellten Fragen bitten, also in etwa um 0,5 ms, was angesichts der hervorragenden Darbietungen während der physiologischen Ausbildung (Praktikum, Lehrunterlagen, Vorlesungen, öffentliche Prüfungen) und des eindeutigen Lehrzielkataloges ja leicht ausreichend sein müßte, um die Fragen, die keineswegs auf die Physiologie beschränkt sein müssen (ein wenig klinische Erfahrung, Allgemeinbildung und politisches Interesse sollte man natürlich schon mitbringen), einstellen zu können.

In welch Richtung das politishe Engagemet gehen soll, um sich bei Herrn Prof. Spieckermann beliebt zumachen könnte man einem MED-Extra entnehmen, wo es heißt: „Man will den herrn Prof. ja nicht ins rechte Eck drängen, aber…“, doch wer ihn einmal prüfen hört weiß ohnehin wie der Hase läuft, oder ist es normal, wenn man geprüft, wird ob es theoretisch möglich ist im Kopfstehen ein Bier zu trinken wie es bei manchen Burschenschaften üblich sein soll?

Allgemein ist die Physiologie aber der Studinordung ganz gut angepaßt, da man ohnehin nicht soviel Zeit hat (Semesterfrist), um sich über Dargebotenes und Inhalte Gedanken machen zu können. Denken scheint auf manchen Instituten nichvorgesehen zu sein. Ich befürchte, daß Herr Spickermann das „niedrige Niveau der österr. Stundenten, welches unter dem der Marokkaner liegt (Aussage von Herrn Prof. Binder in einer Tageszeitung) noch senken kann, und daß er dabei von einegen exponierten Zwangsmitgliedern des Vereins, der Herrn Oders Skriptum veröffentlichte, unterstützt wird, oder? Es gibt meiner Meinung nach aber auch hervorragende ÖH-Skripten. „Das System der natürlichenAbwehr“ (August 88) möchte ich als solches bezeichnen, obwohl man dort zur BSG ebenfalls eine seltsame Einstellung hat.

Man findet auf Seite 23 unter Blutsenkungsreaktion (BSR) die Aussage, daß bestimmte Plasmaproteine die Ery in einer Art Schutzkolloid in Suspension halten. Weiters steht, daß es z.B. bei Entzündungen zu einer Änderung des Proteinm,usters und damit der Schutzkolloidwirkung kommt. Den nächsten Satz möchte ich wörtlich zitieren: „Nach neueren Untersuchungen sind es aber NICHT die elektrischen Ladungsverhältnisse, die zur veränderten Sedimentationsgeschwindigkeit der Ery führen.“ Es folgen keine weiteren Erklärungen, was dann zu einer veränderten BSG führt. Es wurde auch nicht erwähnt wer, wann und wo diese sog. neuen Untersuchungen durchgeführt hat, sondern es wird einfach in Boulvardblatt-Manier eine Behauptung aufgestellt, die fundierten Theorien und Aussagen ernsthafter Physiologen und Physiker widerspricht. Zum Glück sind derartig Ungereimtheiten in dem sonst ausgezeichneten Skriptum kaum zu finden.

 


(458)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.