Manchmal schäme ich mich auch für mich selbst

Meist schäme ich mich für Handlungen meiner Artgenossen und fasse es nicht, dass Menschen zu dieser und jener Greueltat fähig sind. Dann möchte ich am liebsten nicht dazu gehören, zu den Menschen und einfach ein Anderer, oder irgend ein Tier sein. Ab und zu lese ich hier aber alte Artikel von mir und schäme mich über mich selbst. Nicht etwa weil ich jemand etwas schlechtes wollte, oder böse, unverantwortliche Worte gebrauchte, sondern, weil ich zu ehrlich, offen, enthusiastisch und naiv war. Manchmal auch, weil ich inzwischen dazugelernt und mich verändert habe und mir mein eigenes Geschwätz recht peinlich vorkommt. Trotzdem lösche ich es nicht. Nicht etwas aus SEO-Gründen, denn Zugriffe auf diese Seite interessierten mich noch nie, sondern weil ich mich dadurch selbst besser kennen lernen kann.
Der Mensch ist ein offenes System, lernfähig und er ändert sich. In einer Antwort auf einen Kommentar schrieb ich gerade (zitiere mich selbst):

Ich glaube aber, dass es jeden halbwegs vernünftigen Menschen klar ist, dass es nicht auf das Land ankommt und schon gar nicht welches In- oder Aus-land. Es kommt auf die Menschen an und die können sich ändern. Ein Rassist heute, kann durch ein einschneidendes Erlebnis oder eine Erkenntnis morgen ein Kämpfer gegen Rassismus sein und umgekehrt. Es ist viel komplexer, als der erste Anschein vermuten lässt und nur langfristige, dauerhafte Entwicklungen spielen wirklich eine wesentliche Rolle, denke ich. Man muss erst viel kennen lernen, um sich für etwas entscheiden zu können und dazu braucht man viel Zeit. Dann braucht man aber noch viel mehr Zeit, um erkennen zu können, dass man offen gegenüber anderen bleiben muss und flexibel bleiben muss, will man sich weiter entwickeln. So müssen sich Stabilität und Flexibilität abwechseln, damit man die Stadien einer Emanzipation durchlaufen kann.
Den Mann von heute, verurteilte ich wegen seiner rassistischen Handlung, aber diesen Mann von morgen gegenüber, hatte ich heute vielleicht ein ungerechtfertigtes Vorurteil.

Wie dem auch sei, manche älteren Artikel treiben mir einfach die Schamesröte ins Gesicht, aber ich lasse sie unverändert stehen. Ich stehe dazu, dass ich es damals so gesehen habe, auch wenn es mir heute wirklich peinlich ist. Bei Bedarf und wenn ich es wirklich für wichtig halte, ergänze ich den Artikel durch einen Kommentar, berichtige mich, oder begründe meine neue Ansicht, oder Meinung.

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Verbale Aggression – Führt Verrohung der Sprache zu einer gefühllosen, grausamen, inhumanen Gesellschaft?

Ist Lügen und Betrügen eine Kunst?
Ist verbale Entgleisung Politik?

Ich denke noch immer über Ich kann es einfach nicht verstehen nach und überlege, ob die Sprache aus dem Parlament dabei eine tragende Rolle spielen könnte. Kann es sein, dass die gegenseitigen primitiven, sinnlosen Schuldzuweisungen in vulgären, niveaulosen Formulierungen und die verbalen (angeblich ungewollten) Entgleisungen eine Vorbildwirkung auf die Bürger haben? Fühlen sich dadurch bemitleidenswert dumme oder instabile Menschen ermächtigt, verbal aggressiv Mitmenschen zu terrorisieren? Ich weiß es nicht, aber es ist ein Ansatz, den ich mir weiter überlegen werde und außer Zweifel ist für mich jedenfalls, dass Personen die in der Öffentlichkeit stehen und noch viel mehr Personen, die der Öffentlichkeit sogar eine politische Verantwortung gegenüber haben, wenigstens sprachlich ein gewisses Niveau erreichen sollten. Verbale Entgleisungen und unüberlegte Aussagen (unlängst war gerade Frau Fekter dran) können als politische Taktik nicht toleriert werden und falls es sich um keine politische Taktik handelt, gehören Menschen, denen verbale Ausrutscher und Entgleisungen passieren meinetwegen überall hin, aber ganz sicher nicht an eine öffentliche Position mit Verantwortung.

Ich habe den Neurophysiologen Eccles schon öfter zitiert und hier ist es wieder einmal angebracht. Er meinte: „Im sprachlichen Ausdruck bekommen subjektive Denkprozesse immerhin einen gewissen objektiven Status.“ Das sollten sich die Damen und Herren im Parlament vielleicht hinter die Ohren schreiben.

Zu Meinungsfreiheit und Zensur fällt mir gerade ein, dass politische Propaganda unter dem Deckmäntelchen „Kunst“ ebenso leicht möglich ist, wie jede denkbare Perversion.
Wenn ich es als Kunst deklariere und einen Wörterpool von 1000 Wörtern definiere, aus dem ein Zufallsgenerator Sätze bildet, darf ich vermutlich Sätze veröffentlichen und vielleicht sogar auch noch unter- und überstreichen und unterlegen und übermalen, die in einem anderen Kontext mit Sicherheit strafbar wären.
Ist Lügen und Betrügen eine Kunst?
Ist verbale Entgleisung Politik?

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Ich kann es einfach nicht verstehen

Es gibt vieles, dass ich nicht begreifen und verstehen kann und noch viel mehr, was ich nicht kann und nicht weiß, aber wissen und können könnte. Manche Handlungsweisen von Menschen sind mir aber so unverständlich, dass es mich ängstigt.
Gestern nachmittags fuhr ich mit der U2 vom Taijiquan-Training nach Hause. In den Öffis erlebt man oft ungewöhnliche Ereignisse und seltsames Verhalten. Besoffene und geistig beschränkte, asoziale Egoisten fallen mir nicht mehr als besonders auf. Also wenn so eine Tussi die Haxen auf dem Sitz in der vollen U-Bahn hat, ist das schon normal für mich und ich kann es verstehen. Sie hat keine andere Möglichkeit Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und Zuwendung zu bekommen, sie ist einfach bedauernswert, aber normal und wenn ich an meine Jugend zurück denke, wäre das eines meiner geringsten Dummheiten gewesen, hätte ich die schmutzigen, beschuhten Füße auf einen Sitzplatz gelegt. Ich war wesentlich dümmer, allerdings vielleicht nicht so asozial, was aber einer genaueren Erörterung bedürfte.
Zurück zum gestrigen Erlebnis: Schräg gegenüber von mir, saß eine deutschsprachige (Wienerisch) weiße Mutter mit einem etwa 10 jährigen dunklen Sohn neben sich und einem kleinen Mädchen – ca. 1 Jahr alt – auf ihrem Schoß. Das kleine Mädchen hatte gekräuselte Haare und ebenfalls eine dunklere Hautfarbe. Etwa so dunkel, wie wenn sich eine reinrassige Wiener-Tussi nur durchschnittlich oft ins Solarium legt und keinen besonderen Ausgehaufrissanlass hat. Ich habe einen guten Draht zu Kleinkindern, weil sie so unglaublich offen, unvoreingenommen, ehrlich und direkt sind. Ich bin sehr kinderliebend und bei Kindern ist meine Geduld unbegrenzt. Ein Kind kann mich unmöglich auf die Palme (in 53 Jahren auch bei den eigenen Kindern noch nie geschehen) oder in schlechte, gereizte Laune bringen, sondern ich finde immer Kontakt, bekomme immer Freude geschenkt und handle instinktiv immer richtig, im Umgang mit Kindern. Obwohl ich ein Mann bin, habe ich offensichtlich einen ausgeprägten Mutterinstinkt, der mich noch nie ge- oder enttäuscht hat.
Eine älter Dame nahm auf dem Viersitzer, gegenüber der Mutter platz und sorgte sich um den Jungen, weil er unruhig auf den Sitzplatz herum turnte. Sie unterhielt sich auch mit der Mutter und ich dachte mir: „die alte Dame hat bestimmt selbst auch Kinder“.
Dann kam ein junger Mann, etwa 20 Jahre alt, den Korridor in der Mitte zwischen den 4er-Sitzgruppen daher. Er hatte kurze Haare, war etwas stärker gebaut, um nicht adipös oder fettleibig zu sagen und er trug ein gelbes T-Shirt. Ein absolut unauffälliger, angepasster Durchschnittsjugendlicher, der im Vorbeigehen laut sagte: „Scheiß Negerkinder, der muss natürlich sitzen“! Ich konnte es einfach nicht fassen und ich kann es unmöglich, auch nicht irgenwie nur ansatzweise verstehen. Deshalb muss ich diesen Artikel schreiben. Es geht einfach nicht in mein Hirn, was in so einem Menschen vorgeht. Ich kapiere es nicht! Wäre er ein Zurückgebliebener, ein ewig Gestriger, ein Hitler geschädigter, müsste der doch wenigstens über 70 sein, oder?
Was veranlasst einen jungen Menschen, dem es offensichtlich gut geht, der genügend zu essen hat und auch sonst ganz normal aussieht zu einem derartigen Wahnsinn?
Mir ekelt nicht besonders vor festen Ausscheidungen der Säugetiere, aber mir ekelt vor mir selbst, wenn ich zu der selben Art gehören muss, wie dieses völlig normal aussehende Ungeheuer. Ich bezeichne ihn nicht als Rassisten, sondern ich wünsche ihm, dass er begreift, was Leben und Mensch sein bedeutet, denn dann schaffte er sich ohnehin, so schnell wie nur möglich, selbst aus dieser Welt.

Ich glaube, Leben und Tiere (Biologie, Chemie, Physik und Physiologie) ganz gut zu verstehen und verstehe viele Philosophien, Kulturen und Religionen, meines Wissens und meiner Erfahrung nach, auch ganz gut. Mit Technik, Computer und Programmiersprachen komme ich nicht nur klar, sondern es ist eine, meiner Jahrzehnte lang gepflegten Leidenschaften, aber komplett motivationslose, irrationale, menschenfeindliche Handlungen, wie oben beschrieben, verstehe ich eifach nicht. Worum geht es da? Wozu soll das gut sein? Was ist, bedeutet, oder soll das? Das war ja auch kein Amoklauf, den verstünde ich zwar auch nicht, aber da hätte ich wenigstens eine Art Überforderugnstheorie, wie bei Lemmingen auf Lebensraumsuche bereit, sondern es war ganz normaler und von allen Menschen in der U-Bahn (inklusive mir – was hätte ich auch machen können) akzeptierter Alltag! Nein, ich verstehe es einfach nicht und bitte um eine Erklärung, falls jemand eine hat. Ansätze würde mir schon reichen, denn ich bin komplett blank und ahnungslos in dieser Angelegenheit.

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35. Mit der Faust das Herz schützen – hù xīn quán

Zurück zu den Übersichtsseiten der Formen, in denen diese Figur vorkommt:
18 Bewegungen, 19 Bewegungen, 38 Bewegungen und Laojia Yi Lu.

Mit der Faust das Herz schützen ( hù xīn quán; Protect the Heart Punch)
(Im Video unten bei 8:28)

Zuerst wird das Gewicht auf das rechte Bein verlagert, dabei nehmen Arme und Hände von links auf und bewegen sich in Schulterhöhe wie bei der beidhändigen Seidenfadenübung nach rechts. Es erfolgt ein Schritt mit dem linken Bein und die Arme werden weiter im Halbkreis nach unten und zum Körper mit Gewichtsverlagerung auf das linke Bein zurück geführt und das rechte Bein folgt. Es wird leer neben dem linken abgesetzt. Das Gewicht bleibt also links während wieder von links aufgenommen wird und ein Schritt zurück mit dem rechten Bein erfolgt.
Es folgt eine Bewegung, die wir schon von „Die Faust folgt dem eingedrehten Körper“ kennen.
Blick zum fast gestreckten linken Arm nach hinten – beugen in der Hüfte nach rechts. Das bewirkt das der linke Arm nach vor gebracht wird. Er kommt bis links neben den Kopf und bildet eine schräge Linie, die vom Körper und linken Bein fortgeführt wird. Dann wird der Körper aufgerichtet und in der Mitte oder etwas rechts von der Körpermitte wird auf Schulterhöhe eine Faust gebildet. Währen der Körper aufgerichtet wird, wird auch die rechte Hand des stark gebeugten Armes hoch gezogen, sodass sie knapp vor die rechte Brust kommt. Nun erfolt der Stoß mit dem rechten Ellbogen zur linken Faust (der Ellbogen kommt über die linke Faust, oder knapp rechts neben die Faust). Wie bei jedem Schlag kommt die Initialisierung aus dem Dantian und die Kraft aus dem Fuß. Sie wird mit Hüftdrehung über die Schulter an den rechten Arm weiter gegeben und die Impulse summieren sich auf. Als Ausgleichsbewegung wird die linke Faust an den Körper heran gezogen, sodass sich linke Faust und rechter Ellbogen vor dem Körper aufeinander zu bewegen.
Das Gewicht ist nach dem Fajin mehr auf dem rechten Bein und die Arme nehmen wieder von links auf.
Das Gewicht wird nach links verlagert, doch das zählt schon zur nächsten Bewegung.


Quellen und Links:
Old Frame, First Form
Old Framne Chen Family Taijiquan von Mark Chen
Shu Jian

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34. Mit beiden Füßen treten – èr tī jiăo

Zurück zu den Übersichtsseiten der Formen, in denen diese Figur vorkommt:
18 Bewegungen, 19 Bewegungen, 38 Bewegungen und Laojia Yi Lu.

ZMit beiden Füßen treten ( èr tī jiăo; Double Kick)
(Im Video unten bei 8:25)

Nach dem Schlag zum Boden und der Drehung um 180° stehen wir am linken Bein und das rechte berührt den Boden mit der Zehenspitze. Die rechte Faust ist neben der rechten Hüfte und die linke vor dem Kopf.
Gleichzeitig: Das Gewicht wird auf das rechte Bein verlagert und das linke Knie wird angehoben; die rechte Faust geht in einem Bogen nach hinten und oben bis rechts neben dem Kopf und die linke Faust öffnet sich, sodass die aufgestellte Hand schräg nach vorne zeigt.
Das linke Bein wird hoch geschleudert und der linke Arm geht nach unten hinten, was einem Schwung für den Kick mit dem rechten Bein verschafft. Kurze Zeit sind beide Beine in der Luft und die rechte Hand schlägt auf den rechten Rist (oder den Unterschenkel). In der gemütlichen Version kann zuerst links ein Kick angedeutet werden und ein Schritt links ausgeführt werden, bevor der Kick mit rechten Bein erfolgt. Akrobaten können hier mit einem hohen, sauberen Sprung und Schlag auf den rechten Rist in Kopfhöhe glänzen.
Nach der Landung auf dem linken Bein ist das rechte leer und die Arme sind etwa auf Schulterhöhe.


Quellen und Links:
Old Frame, First Form
Old Framne Chen Family Taijiquan von Mark Chen
Shu Jian

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