Zu Gutenberg und dem Plagiat-Skandal

(Last Updated On: 16. Mai 2014)

sage ich nichts mehr, da ich nicht immer nur im Morast herumwühlen möchte, aber auf Wie kam Frau Dr. Schröder zu ihrem Doktortitel? musste ich doch ein paar Worte zu unserer Bildungspolitik los werden. Da schrieb ich u. a. gerade als Apache (zitiere mich selbst):

„Mindestens jeder Student kann sie lesen.“

@OlbersD Gratuliere zu eurem Standard, in Österreich ist dem nicht einmal theoretisch so und in der Praxis hat man sehr häufig eigentlich nur die einzige Chance, dass man den Autor kontaktiert und privat um ein Exemplar ersucht.

Ins Netz stellen wäre meiner Meinung nach ein unglaublich effektiver und bildungsoffensiver Schritt, um Wissen allen Bürgern bereit zu stellen. Ich fände das sehr begrüßenswert, aber mich fragt ja sowieso keiner. Und die Herrschaften bevorzugen eben pisaresk (meine Wortschöpfung) zu testen, testen und noch einmal testen, statt Wissen zu vermitteln. Naja, Bildungspolitik von gebildeten Politikern eben, die es nicht einmal mehr zum Epigonentum schaffen und daher „rauben“ müssen.

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6 Gedanken zu „Zu Gutenberg und dem Plagiat-Skandal“

  1. es wäre schlimm für uns und alle die noch heute zur Schule gehen wenn das Verhalten des zu Gutenberg keine Folgen nach sich gezogen hätte. Seine Doktorarbeit war doch sowieso nur Mittel zum Zweck um die Karriereleiter schneller erklimmen zu können.Jeder Schüler hat seine Prüfung geschmissen wenn er beim abschreiben erwischt wird ,sich dann hinzustellen und zu sagen er wollte das ja gar nicht ist schon eine ziemliche Frechheit.Aber bei allen denen , die im so lange mit aller Vehemenz für Unschuldig hielten und meinten das wäre ja gar nicht so schlimm und nur aus versehen passiert , sollte man auch mal Ihre Titel überprüfen . Ich wäre nicht erstaunt wenn dann ein enormer Andrang an den Unis entstehen würde .

    1. Danke Berliner, Ich verstehe nur nicht ganz, wieso so viele Menschen den Gutenberg immer noch so schätzen und ihm alles gute wünschen und ihn bald an anderer Stelle wieder in der Politik haben wollen. Ich habe einige Interviews gehört und alle haben ihre Sympathie für Gutenberg zum Ausdruck gebracht. Entweder die Sendung war ein reiner Fake oder die Leute urteilen wirklich nur nach oberflächlichen Äußerlichkeiten. Ich habe Gutenberg ja weder gehört noch gesehen, aber es ist mir unverständlich, wie so einer der Liebling der Nation sein kann und auch wenn die Schandtaten auffliegen, die Kanzlerin hinter ihm steht und ihm die Leute gleich verzeihen und ihn noch loben für die Konsequenzen. Mein Gott, ist das ein toller Kerl, er ist so ehrlich und ehrenhaft, dass er sogar zurückgetreten ist. Ich habe mich schon gefragt, ob die spinnen, die Deutschen, aber langsam wird das Bild wieder zurecht gerückt und die Fakten werden vernünftiger debattiert.
      Ich glaube man sieht an diesem Beispiel wieder einmal mehr sehr gut die unglaubliche Macht der Medien. Sie machen die Meinung, sie bestimmen was ein kleines Missgeschick oder Betrug ist. Sie bestimmen wer beliebt ist und Gutenberg wollten sie nicht so einfach fallen lassen. Erfreulicher weise sind unsere Medien nicht in einer Hand und daher wird dem opportunistischen Populismus einiger auflagenstarker Volksverblöder-Medien auch immer wieder etwas Vernünftiges entgegen gesetzt. Obwohl es manchmal etwas dauert, bis es durch den ganzen Müll zum Vorschein kommt.
      Mir kommt die Politik immer mehr vor wie die Popstarszene. Stars werden gemacht und dann können sie den größten Schwachsinn bringen, sie werden trotzdem verehrt und bewundert. Kritische, ernsthaft engagierte Persönlichkeiten sind hingegen uninteressant, weil anstrengend. Da müsste man ja nachdenken, statt sich einfach der Bewunderung hingeben zu können. Hoffentlich fangen die Wähler nicht bald zum Kreischen an, wenn ihr Liebling auf der Wählerliste steht. Ach, ich kapier es einfach nicht ganz.

  2. Kompliment auch an den Kommentar von @Get, hat Spaß gemacht zu lesen.
    Offenen Bildung und eine wesentlich transparentere Gesellschaft sind der einzige Weg gegenüber Ländern wie China oder Indien noch eine Vorreiterrolle zu spiele.
    Leider haben aber zu viele Würstchen angst, das Ihre Felle weg schwimmen 🙂
    Und eine Gesellschaft der Würtschen-Elite (auch ne eigne Wortschöpfung) hält sich nie lange 😉
    Für mich ist der Herr Gutenberg eher hier einzuordnen…. http://bit.ly/hgCSre

    1. Dank dem Max für die Würstchen-Elite und den Link auf das Bild. Mir fällt gerade auf, dass Frau Merkel zuerst hinter Gutenberg stand und ihn jetzt lieber doch für „scheinheilig“ erklärt. Naja, politisches Winden und Meinungen je nach Bedarf und Trend, wie immer in der Politik. Mich erheitert jedenfalls trotzdem, dass jetzt Watson Verteidigungsminister wird, siehe Guttenberg geht – Computer Watson wird neuer Verteidigungsminister. Den könnt ihr uns für Österreich auch gleich borgen, falls unser Darabos mit seinen Generälen nicht mehr fertig werden sollte.

  3. Der Fall von Guttenberg zeigt wieder einmal, um was es in einer
    hypersozialen Welt von höheren Primaten wirklich geht: nicht um Wissenschaft oder Bücher, sondern um Führung, Führung,
    Führung, Führer (“Machiavellische hypersoziale Intelligenz”).
    Guttenberg als geborener “Führer” hat ein perfektes
    hypersoziales Hirn — was “das geBILDete Volk” ja auch spürt.

    Wissenschaft ist letztlich eh nur blosse Technik — der
    Rest ist Rhetorik (siehe Giambattista Vico, 1710).

    Gaddafis Sturz zeigt auch wieder einmal, dass alle Bücher letztlich
    nie funktionieren können (Gaddafis grünes Buch, Guttenbergs Buch, etc.) — bis auf Facebook und Fuckbook, natürlich.
    Darum hat Guttenberg recht.

    Und: nach 2 Jahren ist in der Wissenschaft eh schon alles verjährt (und die Gedächtnisse
    von heute sind SEHR kurz).

    Leider gibt es ja immer noch keine “Gesellschaft” und Zivilisation OHNE Politiker,
    Juristen, Hausärzte, (etc.)…

    Übrigens (auch an Oliver Lepsius): Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Affe vor der Tastatur per Zufall gerade einen Text von Shakespeare eintippt, ist ja auch grösser als Null… (p > 0).

    Allein schon aus diesem Grund wird Guttenberg (als hypersozial perfekter höherer
    Primat) juristisch freigesprochen werden müssen (denn per Zufall hat er gerade unbewusst plagiiert, p > 0) — selbst dann, wenn er den “Dr.”-Titel aus hypersozialen Gründen
    einfach nur als Sprungbrett hypersozialerweise gebraucht (“missbraucht”) hat…

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