Geburt des Lichtes

(Last Updated On: 22. Dezember 2010)
Bildquelle: Tauʻolunga, Wikipedia

Bevor ich endlich meine erste Einheit chinesicher Vokabel zu Ende bringe, notiere ich mir schnell eine Dokumentation Qi – Auf den Spuren chinesischer Heilkunst (2008) die mir gut gefallen hat und schreibe ein paar Gedanken zur Sonnenwende auf.
Wenn es nach mir ginge, wäre das der einzige Feiertag im Jahr, oder zumindest der wichtigste. Wer sich nicht gerade selbst für das Zentrum des Universums hält, müsste das eigentlich verstehen, denn heute ist der Tag der Wende. Es ist in diesem Zusammenhang auch nicht besonders wichtig, ob man den Lauf der Gestirne kennt und die Wendepunkte ihrer Bahnen berechnen kann, denn wer das kann, dem eröffnen sich dadurch nur unzählige neue Fragen. In jedem Weltbild bleibt etwas ungewiss, sei es das Graviton, ein String oder meintetwegen, ob Gott nun ein Weiberl oder Manderl ist. Aus dieser Ungewissheit kann man sich Geschichten, Theorien, Religionen oder Philosophien basteln, hat man etwas Phantasie (übrigens, die F- statt PH-Schreibung gefällt mir nicht, weshalb ich sie meist nicht akzeptiere, denn meine deutsche Sprache gehört auch mir).
Von den vielen Mythen, die ich zur Geburt des Lichtes kenne, kommt nun auch noch meine eigene Vorstellung dazu. Licht und Finsternis, Gut und Böse, Yin und Yang, …., sind immer nur zwei Seiten einer Medaille. Das faszinierende an der dualen Logik ist, dass sie sehr einfach ist, wenn sich auch nicht für jede Situation befriedigende Lösungen bietet. Alles hat ein Gegenstück, zweiwertige Logik, Schwarzweißmalerei und Gegenüberstellungen wie oben angeführt sind eben nur für ganz primitive und damit ganz elementare Vorgänge gut geeignet.
Heute passiert jedenfalls dieser bedeutsame Wendepunkt und das Licht gewinnt zunehmend gegen die Finsternis. Der Lichtgott kommt zu uns und der Herr oder die Frau der Finsternis wandert aus, auf die andere Erdhälfte.
Für mich ist das der Tag der Hoffnung, der Tag des Anfangs, des Lebens, des Erwachens ……. aber langsam, der Winterschlaf ist noch nicht vorbei und es dauert schon noch eine Weile, bis das Licht stark genug ist, um die Natur zum Leben zu erwecken.
Es ist für mich vielleicht der unfreundlichste Tag im Jahr mit den widrigsten Bedingungen (naturverbundene, oder arme Menschen – vielleicht gar Obdachlose wissen das am besten), aber ab heute geht es bergauf, das Licht wurde geboren und so lebt die Hoffnung.

dadamussichfeiern
meinen Geburtstag an dem der Natur
des Lichtes, der Kraft und des Lebens
Harmonie der Gestirne im Wandel der Zeit
heut werde es licht
verzieht euch Nebel, finstere Gestalten
ihr kennt die Finsternis nicht halten
gleich stark müssen sie sein
zum Schein
bedarf der eine des andern
wandeln und wandern
freuet euch
s Lichtkind ist da

(556)


History

2 Gedanken zu „Geburt des Lichtes“

  1. Danke für das neue Kleinod aus deiner Schatztruhe, das du mir da genannt hast. Es ist schon seltsam, dass sich die Menschheit so unvorstellbar viel Wissen angeeignet hat. Ich meine jetzt die moderne, westliche Technologie und vor allem naturwissenschaftliche Forschung, trotzdem sind wir nicht in der Lage, recht einfache Erkenntnisse, auch optimal zu nutzen. Sie sind teilweise viele tausende Jahre alt und dass sie sich bis heute gehalten haben, bestätigt mir ihren Wert. Vielleicht sind sie den meisten Menschen zu einfach und gewöhnlich, als das man sie beachten würde. Oft scheinen sie (ich schließe mich da natürlich nicht aus) lieber „in und modern“ sein zu wollen, als einfache Weisheiten zu akzeptieren, selbst wenn es ihren verfrühten Tod bedeutet.
    Es ist schlimm mit mir, während ich diese Antwort schrieb – ich wollte etwas zu einer daoistischen Weisheit nachschlagen – bin ich schon wieder über die 5 heiligen Berge des Daoismus und (Zitat aus Wikipedia):
    „Heutzutage gibt es in der Stadt Wudang und der Umgebung zahlreiche daoistische Schulen und Meister der inneren Kampfkünste. Zu den bekanntesten Meistern zählt You Xuande, der angeblich in über hundert Zweikämpfen unbesiegt blieb. Er hat eine ganze Reihe von Meisterschülern hervorgebracht und bemüht sich besonders um die Verbreitung der Wudang-Kampfkünste in China, Taiwan und anderen asiatischen und europäischen Ländern.“
    zu Taijiquan gekommen

    Das ist auch ein sehr, sehr faszinierender Stil. Also, ich werde sicher nicht alt genug, um all das erlernen zu können. Das bereitet mir aber kein Problem, sondern ich fühle mich dabei, wie die Made in Tonnen von Speck.
    Wie man die Zeit allgemein, oder die begrenzte Zeit die jeder zur Verfügung hat auch einteilen mag, ich glaube am wichtigsten ist, dass man sie sinnvoll für sich nützt.

    Das Wirken des Dao bringt die Schöpfung hervor, indem es die Zweiheit, das Yin und das Yang, Licht und Schatten, hervorbringt, aus deren Wandlungen, Bewegungen und Wechselspielen dann die Welt hervorgeht.

    im Frühling, Sommer, Mittsommer, Herbst und Winter

  2. Ja, bei Kubny findest Du die 24 chin. Klimaphasen zu jeweils 15 Tagen, wiederum aufgeteilt in 3 Phasen a 5 Tage. Darin spielen die Winter- und Sommersonnenwenden sowie die beiden Tag- und Nachgleichen von besonderer Bedeutung, z. B. auch für die TCM.
    Geschrieben habe ich dazu auch, in meiner Diss, einer Rezeptionsgeschichte des Yijing in der chin. Philosophie (Utz-Verlag, 3-89675-282-0)
    Im Klassiker des Inneren vom Gelben Kaiser wird geraten, nach dem Sonnenzyklus auch seinen Schlaf- und Wachrhythmus zu regulieren, was ich schon Jahre mache und mir gut tut. Im Winter nach Sonnenaufgang hoch, im Sommer vorher, im Herbst und Frühling mit der Sonne aufstehen. Ich führe gar ein kleines Notizbuch mit den Zeiten der Sonnenaufgänge, manchmal ist es ja auch bedeckt, lol!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.