Ach Judit, gib mir meine Legionen wieder

(Last Updated On: 30. November 2009)

damit wir keine Förderungen für Gameserver brauchen, um Gewalt verherrlichen zu können.
Ich mag diese „Killerspiele“ überhaupt nicht und finde, dass es interessantere und sinnvollere Beschäftigungen gibt, aber bitte, es soll jeden selbst überlassen werden, wie er seine Freizeit verbringt und solange meine Steuern nicht für Förderungen solcher Spiele verwendet werden, berührt mich dieses Thema kaum.
Wer aber wirkliche Gewaltverherrlichung sucht, der bildet sich einfach weiter und schmökert ein wenig im Alten Testament.
Da mich Flauberts sprachlicher Ausdruck sehr anspricht, ich liebe seine Salambo wegen seiner lebendigen Darstellung. Bei ihm kann ich die Szenen und Landschaften sehen, die Speisen und Blumen riechen und sogar die Stimmen der Personen hören.
Wegen Flaubert konnte ich mir sogar den Söldnerkrieg 241-238 v. Chr. nach dem Ersten Punischen Krieg in Geschichte merken. Daran erinnerte ich mich, als ich über den Film „Aufstand der Legionen“ stolperte. Ich möchte dazu lieber nichts sagen, aber ich habe fast den ganzen Film irgendwie laufen lassen. Hinsehen und zuhören konnte ich dabei aber beim besten Willen nicht. Ich kann also behaupten, ich war anwesend, als er der Film gespielt wurde und so musste ich mich natürlich zu Holofernes näher informieren. Dieser Kerl brachte mich dann endlich mit Judit zusammen. War das nicht ein liebes Mäderl?

Sie hatte eine schöne Gestalt und ein blühendes Aussehen. Ihr Gatte Manasse hatte ihr Gold und Silber, Knechte und Mägde, Vieh und Felder hinterlassen, die sie in ihrem Besitz hielt. Niemand konnte ihr etwas Böses nachsagen, denn sie war sehr gottesfürchtig.(Jdt 8, 7-8)

Das liebe Mädchen rettete das Gottesvolk und …

Bei einem Mahl dann am 40. Tag der Belagerung, welches ihr zu Ehren gegeben wurde, wurde Holofernes so sehr betrunken, Kap. 12, dass Judit, welche mit ihm allein gelassen worden war, ihm mit seinem eigenen Schwert das Haupt abschlagen konnte. Letzteres brachte sie mit sich zurück nach Betulia zum freudigen Erschrecken aller dort Befindlichen, Kap. 13.

Ach wie romantisch und rührend, fast könnte ich mich platonisch in sie verlieben. „Fast“ habe ich gesagt, denn erstens ist sie mir schon ein wenig zu betagt und zweitens wäre es mir wahrscheinlich doch unangenehm, wenn sie mit meinem Kopf wowöglich Fußball spielen würde, selbst dann, wenn ohnehin alles nur platonisch liefe.
Aber ich glaube man könnte die Story gut als Vorlage für ein neues MMORPG oder Ego-Shooter verwenden.

Es stimmt mich traurig, wenn ich feststellen muss, dass die Gewaltverherrlichung fast so alt ist wie die Menschheit und wenn ich sehe, dass sie heutzutage auch noch total verharmlost wird. Ist es wirklich so toll, wenn man möglichst realistisch (egal ob mit Farbpatronen oder Computersimulationen) andere erschießen kann?

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