Wushu ist nicht gleich Wushu und schon gar nicht Wushu

(Last Updated On: 1. Oktober 2009)

Siehe Wushu(Sport) und Wushu (Kampfkunst, wörtlich Kriegskunst) bzw. Wushu (Rollenspiel)
Ich meine innere Kampfkunst ist nicht gleich Kampfsport und schon gar nicht Kriegskunst. Die vielfältige Verwendung und die verschiedenen Bedeutungen sind etwas verwirrend. Dazu kommt noch, dass die Engländer den Kampfsport auch als Kampfkunst (material arts) bezeichnen und somit ist die Verwirrung perfekt.

Heute stelle ich mir nur kurz die Frage, weshalb Extremsportler und Bewegungskünstler (modernes Wushu) nur Show machen können sollen, wo außer Vorführung nichts dahinter sein soll.
Sehr oft wird unter Wushu, eben „modernes Wushu“ verstanden und dieses als Kampfsport mit Graduierungssystem und Wettbewerben, der Kampfkunst gegenüber gestellt. In fast jedem Buch über innere Kampfkunst liest man, was auch viele Lehrer sagen, dass es „nicht“ auf die Konstitution und den Körper(bau), ja nicht einmal auf die Verfassung eines Menschen ankommt, sondern eben auf die „innere Arbeit“ und auf die inneren Fähigkeiten (Chi Aufbau, lenken durch Yi, spezielle innere Techniken …) und ein gebrechlicher, alter Mann könnte so, einen großen, starken Mann leicht herum schubsen.
Aber ein athletischer Körperbau und außergewöhnliche Fähigkeiten, wie sie im modernen Wushu demonstriert werden, sollen sogar ein Handicap sein? Es gibt dafür zwar Erklärungen, denn bei einem Spagat usw. ist nun einmal die muskuläre Spannung sehr hoch und die Beine sind durchgestreckt, was auch einen ungehinderten Energiefluss stören kann, aber ich glaube das nur Leuten, die es versucht haben.

Ich vermute eher, dass Wushu und modernes Wushu zwei verschiedene Paar Schuhe sind (sagen wir z.B. Turnschuhe und Sandalen), die aber ein und die selbe Person sehr wohl tragen kann. Ich glaube sogar, dass eine Person, die in Sandalen gut laufen kann, auch mit Turnschuhen nicht schlecht unterwegs sein wird und umgekehrt, aber für jemand der nicht laufen kann (wie z.B. meine Wenigkeit) ist es relativ egal, ob er Turnschuhe oder Sandalen trägt – nach ein paar hundert Meter ist es aus und vorbei mit mir.
Mir würde das auch erklären, weshalb manche Spitzensportler auch Taiji üben. Dazu ein Zitat aus der Beschreibung des Begründer und Leiter des Daoistichen Zentrums in Wien Großmeister Prof. Wang Dongfeng

Bei chinesischen Wushu- und Taiji- Meisterschaften gewann er neun Gold- und acht Silbermedaillen und wurde zum besten Sportler Chinas in diesen Disziplinen.

Zu seinen prominentesten Taiji-Schülern zählte der zweifache Judo-Olympiasieger, Welt- und Europameisters Peter Seisenbacher. Viele Jahre lang unterrichtete er selbst an der UNO in Wien und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien Musiker in fernöstlichen Meditations-, Konzentrations- und Selbsterfahrungstechniken. An verschiedenen Theatern war er als Lehrer tätig, so z.B. am Serapionstheater oder am Wiener Stadttheater.

Also auch Peter Seisenbacher war Taiji-Schüler und da kommt mir einfach die Assoziation auf, dass Taiji förderlich und nützlich für sein hervorragendes Judo war.

Ich bin sicher nicht für „no gain without pain“ (ich persönlich nehme Schmerzen sicher nicht freiwillig in Kauf, um irgend eine Leistung zu erbringen), aber ich bewundere beide gleichermaßen, diejenigen die nach möglichst authentischen Quellen der alten, großen Meister suchen und bemüht sind, diese zu verstehen und diejenigen, die auch bereit sind Schmerzen zu ertragen, um ihr Ziel zu erreichen. Mit Chi Gung können sie ihre Schmerzen dann vielleicht lindern und noch eine bessere Leistung erbringen. Diese Leistungen sind für mich bewundernswert. Es gefällt und imponiert mir, aber es wäre für mich nicht erstrebenswert, denn ich bin eher für „no pain, but a gain“ und die daoistische 70%-Regel. Ja, nicht 100% oder mehr leisten zu wollen, sondern sich mit 70% zu begnügen scheint mir erstrebenswert, denn momentan halte ich es eher mit einer 7%-Regel. 😉

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